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„Die sagen eh immer ‚nein‘!“

New Work – eine Kolumne von Nadine Nobile & Sven Franke

Nadine Nobile & Sven Franke. Foto: Holger Isermann

So, oder so ähnlich beschreiben viele Führungskräfte die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. Die Spannbreite der körperlichen Reaktionen rangiert dann zwischen genervtem Augenverdrehen und akuten Stressreaktionen. Und ja, die Beziehung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ist in vielen Betrieben geradezu toxisch. Und dafür gibt es viele gute Gründe – auf beiden Seiten.

Wir glauben, es braucht dringend ein Update der Mitbestimmung. Fakt ist, die Grundlage für die Mitbestimmung ist das Betriebsverfassungsgesetz. Und das wurde zuletzt 2001 reformiert. Doch seitdem ist einiges passiert. Wir haben über die Generationen X, Y und Z diskutiert. Neue Themen wie sinnhaftes Arbeiten oder der Wunsch nach Individualisierung treffen auf klassisch ausgerichtete Organisationen. Gleichzeitig merken immer mehr Führungsetagen, dass die gewohnte Planbarkeit nicht mehr möglich ist. Und so braucht es schnellere Entscheidungen, Raum für Experimente und iteratives Vorgehen. Langwierige Diskussionen oder gar Grabenkämpfe kann sich eigentlich kein Unternehmen mehr leisten.

Aber wie können neue Muster des Gelingens entstehen? Einige meinen, es wäre Zeit, die Mitbestimmung einzuschränken oder gar das Betriebsverfassungsgesetz dahingehend zu modernisieren. Wir glauben, das ist der falsche Weg! Der Schlüssel liegt vielmehr darin die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat grundlegend zu überdenken und sich die Frage zu stellen: Wie kann die Zukunft des Unternehmens gemeinsam gestaltet werden?

Für die Organisationen, die wir begleiten, ist das Betriebsverfassungsgesetz die Basis, auf der neue Ideen entwickelt werden – und zwar gemeinsam. Fragestellungen, die dabei in den Fokus rücken, sind: Wie können Arbeitgeberseite und Betriebsrat miteinander Innovationen voranbringen? Oder: Wie geht man partizipativ mit dynamischen Veränderungen um?

Aktuell begleiten wir den größten deutschen Mobilitätsdienstleister auf diesem Weg. Dort wird bei der IT-Tochter beispielsweise sehr stark auf selbstorganisierte Teams gesetzt. Bis 2018 soll die Hälfte der Belegschaft in agilen Teams arbeiten. Das verändert die Form der gewohnten Zusammenarbeit massiv. Da aber weder die Arbeitgeberseite noch die Arbeitnehmerseite alle Auswirkungen kennt und viele davon erst auf dem Weg entstehen, wurde eine lebende Betriebsvereinbarung abgeschlossen. Und so überprüfen nun Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite alle drei Monate den aktuellen Stand und nehmen bei Bedarf Anpassungen vor.

Wir möchten an dieser Stelle nicht verheimlichen, dass es sowohl auf der Arbeitnehmer- als auch der Arbeitgeberseite Antreiber und Bewahrer gibt. Doch wünschen wir Ihnen den Mut, den Antreibern Ihrer Organisation Raum zu geben, um die Zusammenarbeit neu zu definieren.

 

Sven Franke führt seit Jahren Prozesse der Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen ein. 2013 hat der Change Manager und Gründer das Projekt „AUGENHÖHE“ mitinitiiert. Er ist außerdem als Dozent an der TU Berlin tätig.

Nadine Nobile ist Führungskraft in einer bundesweit tätigen Stiftung. Die Wirtschaftspädagogin begleitete das Projekt „AUGENHÖHE“ von Anfang an. Hier baute sie vor allem die Social-Media-Kanäle mit auf.

Schlagwörter
Nadine Nobile, Sven Franke, Kolumne, New Work, Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmung, Zusammenarbeit


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