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Nur Kerle?!

New Work – eine Kolumne von Nadine Nobile & Sven Franke

Nadine Nobile & Sven Franke. Foto: Holger Isermann

In der letzten Ausgabe veröffentlichte die Standort38-Redaktion einen Leserbrief kommunaler Gleichstellungsbeauftragten. Diesen war aufgefallen, dass in dem Magazin mehrheitlich über Männer berichtet wird. Die Redaktion beantwortete die Kritik sehr ausführlich und begründete die Auswahl damit, dass die Entscheider in der Region überwiegend männlich seien und durch die Berichterstattung lediglich die Realität abgebildet werde.

Das klingt erst einmal logisch und nachvollziehbar. Der eine oder andere mag auch denken: „Die sollen sich mal nicht so anstellen!“ oder auch „Bleib mir bloß weg mit einer Frauenquote.“ Und ja, im Grunde haben sie recht.  Unternehmen sollten selbst bestimmen, wie sich ihre Führungskräfte zusammensetzen. Denn schließlich liegt das in ihrer unternehmerischen Verantwortung. Aber nun mal Hand aufs Herz: Wie viele Frauen arbeiten bei Ihnen in der Geschäftsführung oder in Führungspositionen? Mathematisch betrachtet ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie bei einer unterdurchschnittlichen Frauenquote die geeignetsten Bewerber für Ihre Führungspositionen rekrutiert haben. Die Gaußsche Normalverteilung lässt grüßen.  Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass Sie bei einer homogenen Zusammensetzung ihrer Führungsmannschaft eine dynamikrobuste Organisation aufgestellt haben, die sich rasch an Veränderungen anpassen kann. Bei einem Blick in die Natur wird schnell klar – das Schicksal von Monokulturen ist immer das Gleiche: Sie sterben früher oder später aus. Denn Monokulturen wiederholen sich von Jahr zu Jahr, beuten ihren (Nähr-)Boden aus und werden von Saison zu Saison anfälliger für Angriffe von außen.

Wie? Sie haben kaum geeignete Bewerbungen für Ihre Führungspositionen von Frauen erhalten? Wenn Sie uns fragen, zeigt das lediglich, wie attraktiv Ihr Unternehmen oder die jeweilige Stelle für weibliche Fachkräfte ist. Tja und wenn eben ausschließlich Männer das Außenbild Ihres Unternehmens prägen, dann führt dies zur Selbstselektion der Bewerberinnen. Das heißt, Frauen sortieren sich selbst aus, weil sie davon ausgehen, in einer solchen Unternehmung entweder keine Chance zu haben oder kein für sie attraktives Umfeld vorzufinden, in dem sie sich einbringen oder auch entwickeln können. Sie bauen auch in Zukunft auf Ihre bewährte Kommunikation, denn damit waren Sie immer erfolgreich? Das können Sie gerne machen. Aber das Erfolgsrezept der Vergangenheit ist kein Garant dafür, dass es Sie auch für Zukunft gut aufstellen wird. Wollen Sie auch in Zukunft auf das Potential gut ausgebildeter weiblicher Fach- und Führungskräfte verzichten? Dann machen Sie einfach weiter wie bisher. Für alle anderen gilt: Putzen Sie sich heraus und machen Sie sich attraktiv für Frauen. Sie wissen nicht wie das geht? Suchen Sie den Dialog mit Frauen in und außerhalb ihrer Organisation und lernen Sie, was es braucht, damit Frauen sich gerne mit ihrem Know-How und Potential für Sie einbringen.

Nadine Nobile ist Gründerin von CO:X. Sie unterstützt Menschen in Unternehmen als Prozessbegleiterin und Coach. „Potentiale erkennen und Entfaltung ermöglichen“, das ist dabei ihr Leitsatz.

Sven Franke ist Organisationsbegleiter und  Speaker. „Experimente wagen und Neuland erkunden“, ist seine Maxime. Er initiierte das Projekt AUGENHÖHE und wurde 2017 von Xing als New Worker des Jahres ausgezeichnet.

Schlagwörter
New Work, Kolumne, Nadine Nobile, Sven Franke


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