Anzeige
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter

„Schlaraffenland ist abgebrannt!“

Edgar K. Geffroy, Wirtschaftsredner, Bestsellerautor und Business-Neudenker, im Interview

Beim Thema Digital sieht Geffroy klaren Handlungsbedarf in der deutschen Wirtschaft. Foto: Geffroy GmbH

Herr Geffroy, in den vergangenen Jahren haben Facebook, Google und Co. gewaltige Reichweiten aufgebaut und sich zwischen Unternehmen und ihre Kunden geschoben. Was bedeutet das für den Zugang zu wichtigen Märkten?

Ja, das sind die mächtigen Türsteher der neuen Wirtschaft. Auf der anderen Seite ist aber trotzdem noch alles offen, weil die Welt Spezialisten braucht. Diese sind Experten auf einem ganz besonderen Gebiet, haben insofern Zugang zu einem Markt, den sie selber bestimmen und selber entwickeln. Eigentlich ist im Augenblick die beste Zeit, weil noch nichts richtig zu Ende gedacht worden ist, was das Digitale anbelangt. Deswegen gibt es eigentlich keine Monopolisierung, sondern einfach nur Nischen und Lücken die man suchen muss.

Wie sollten Unternehmen heute Kunden ansprechen?

Wenn man mich fragt, was die richtige Strategie ist, dann sage ich eigentlich immer: sowohl als auch. Das heißt, heute erwartet man eine digitale Ansprache, egal in welcher Form. Das kann eine Internet-Seite oder auch eine App sein. Genauso aber auch auf eine persönliche Art und Weise. Firmen neigen gerne dazu, von einem Extrem ins nächste zu kippen. Auf einmal werden dann z.B. in den Banken plötzlich alle möglichen Mitarbeiter entlassen, weil man meint, digital geht alles. Dafür werden viele eine Rechnung bekommen…  Deswegen ist das Cross-Selling die richtige Art, mit der wir über alle Kanäle den Kunden ansprechen sollten.

Banken werden mit ihrem Auftritt und Angeboten immer gleicher. Woran erkennt der Kunde zukünftig die Unterschiede?

Der Tod jedes Unternehmens ist Vergleichbarkeit. In dem Moment, in dem es egal ist, ob ich zu A, B oder C gehe, befindet sich das Unternehmen eigentlich schon in einem Todeskampf, ohne das selber realisiert zu haben. Und das ist ja heute in vielen Märkten der Fall. Die meisten Märkte sind heute austauschbar. Ich erhebe da immer den Zeigefinger und sage: Schlaraffenland ist abgebrannt! Nur keiner will es wahr haben. Irgendwann wird dieser Konjunkturaufschwung auch mal vorbei sein. Im Augenblick läuft es noch extrem gut in allen Branchen, wo eher Probleme bestehen Mitarbeiter zu bekommen oder liefern zu können. Aber das wird sich ändern. Und dann steht jedes Geschäftsmodell auf dem Prüfstand und es wird schwierig. Das wird nicht mehr so lange dauern und passiert bereits im nächsten Jahr.

Die deutsche Wirtschaft hat also massive Probleme…

Auf jeden Fall hat sie einen enormen Nachholbedarf im digitalen Bereich. Rund 50 % der Mittelständler sind beim Thema „Digitale Transformation“ nicht gut aufgestellt. Deswegen laufen wir tatsächlich Gefahr, dass wir hier Zukunftsmärkte einfach verschlafen, weil wir noch zu sehr in klassischen Märkten sind. Angefangen von der Automobilindustrie, die ja zurzeit brummt, muss man fairerweise sagen, bis hin zur Ingenieurskunst. Das sind klassische Wirtschaftsbereiche, von denen wir im Augenblick noch profitieren. Lang- und mittelfristig werden sich dort aber dramatische Verschiebungen ergeben. Wer baut beispielsweise die Roboter der Zukunft? Da sehe ich keine deutsche Firma. In den Zukunftsmärkten spielen wir schon keine große Rolle mehr. Wo sind die zukünftigen Apples? Die sind hier alle nicht in Deutschland. Und jetzt kommt die nächste Welle der Automatisierung und Digitalisierung…

Sie sind seit mehr als 30 Jahren als Aufrüttler und Warner unterwegs. Legen Sie den Finger noch immer gerne in die Wunde?

Ja, klar. Es muss ja einen einsamen Ruf in die Wüste geben (lacht). Da habe ich mich inzwischen nach 30 Jahren dran gewöhnt. Ich kann zwar nicht in die Zukunft gucken, aber ich kann im Nachhinein beweisen, dass ich auf ein paar ganz zentrale Dinge rechtzeitig hingewiesen habe. Deswegen bin ich im Augenblick gerade bei dem Thema Digital so hyperaktiv. Das ist vergleichbar wie der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Wir haben eine ähnliche Situation - und keiner kriegt es mit. Es besteht Handlungsbedarf. Wir können so nicht mehr weitermachen in Deutschland.

 

Lesen Sie weiter:
„Schlaraffenland ist abgebrannt!“ (2/2)

Schlagwörter
Die Zukunftsmacher, Edgar K. Geffroy, CRM, Kundenbeziehung, Kundenbindung, Cross-Selling, Start-Ups


Kommentar schreiben
Um zu kommentieren, müssen Sie sich anmelden!
In diesem Artikel genannte Unternehmen
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige