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Wenn das Burnout droht!

New Work – eine Kolumne von Nadine Nobile & Sven Franke

Nadine Nobile & Sven Franke. Foto: Holger Isermann

„Nicht schon wieder!“, dachte ich, als ich kürzlich einer engagierten Führungskraft gegenübersaß. Ihre Augen waren gefüllt mit Tränen und ihre Stimme zitterte. Gleichzeitig beobachtete ich, wie sie ihren gesamten Körper anspannte, so als wolle sie die in ihr entfesselten Gefühle irgendwie unter Kontrolle bringen. Ich kenne diesen Anblick.

Ehrlich gesagt, häufen sich die Situationen, in denen ich Menschen erlebe, die an ihre Grenzen gekommen sind. Männer und Frauen jeden Alters. Besonders oft sind dies Menschen mit einem starken inneren Antrieb: Hartnäckige Leistungssportler, selbstbewusste Antreiber oder extrovertierte Begeisterer. Menschen, die Dinge bewegen und die Zukunft aktiv mitgestalten wollen. Sie werden aufgerieben zwischen eigener Vision, dem Pflichtgefühl gegenüber ihrem Umfeld und den für sie zermürbenden Ritualen sowie dem Beharrungsvermögen ihrer Organisation.

„Selbst schuld!“, wird da jetzt der eine oder andere sagen. „Warum tun die sich das auch an und machen nicht einfach Dienst nach Vorschrift!“

Und ja, es stimmt – Männer und Frauen, die kurz vor dem Burnout stehen, oder dort bereits angelangt sind, sind selbst verantwortlich für ihre Situation. Oder besser gesagt, sie sind die einzigen, die sich aus dieser Situation entlassen können. Und gleichzeitig gibt es Unternehmen, die sich geradezu zu „Burnout-Produktionsanlagen“ entwickelt haben. Als eine Art zweites Geschäftsfeld verheizen sie ihre „Human Resources“ im wortwörtlichen Sinn.

Aber sie verheizen dabei nicht nur ihre Mitarbeitenden, sondern auch ihre Perspektiven. Denn es sind diese Menschen, die den Weg in die Zukunft bahnen. Menschen, die mutig genug sind, voran zu gehen und Neues zu wagen. Menschen mit hoher sozialer Verantwortung, die andere mitnehmen und wenn nötig auch Steine für sie aus dem Weg räumen. Menschen mit Visionen, die immer die Sache und nie sich selbst in den Mittelpunkt stellen.

Fühlen Sie sich angesprochen und sind selbst an ihren Grenzen angekommen? Dann schaffen Sie eine emotionale Distanz, so dass ein Aufatmen und Krafttanken wieder möglich wird. Am wichtigsten: Setzen Sie sich selbst auf ihrer Prioritätenliste auf Platz Nummer Eins. Alle anderen kommen ab sofort nach Ihnen! Und ja, das ist der einzige Weg raus aus dieser Hölle.

Sind Sie in verantwortlicher Position und sehen, wie engagierte Leistungsträger nicht mehr Herr ihrer Emotionen sind. Dann packen Sie sich an die eigene Nase. Denn es gelingt Ihnen offensichtlich nicht, ein produktives und zukunftsgerichtetes Arbeitsumfeld zu schaffen. Gehen Sie ins Gespräch, schaffen Sie Entlastung, hören Sie gut zu und nehmen Sie die Anliegen ihrer Mitarbeitenden ernst. Und machen Sie vor allem eins: übernehmen Sie Verantwortung für die Zukunft ihrer Organisation.

 

Sven Franke führt seit Jahren Prozesse der Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen ein. 2013 hat der Change Manager und Gründer das Projekt „AUGENHÖHE“ mitinitiiert. Er ist außerdem als Dozent an der TU Berlin tätig.

Nadine Nobile ist Führungskraft in einer bundesweit tätigen Stiftung. Die Wirtschaftspädagogin begleitete das Projekt „AUGENHÖHE“ von Anfang an. Hier baute sie vor allem die Social-Media-Kanäle mit auf.

Schlagwörter
Nadine Nobile, Sven Franke, Kolumne, New Work, Burnout


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