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„Viele Mitarbeiter sind besser als ich“

Klaus Kroschke hat das elterliche Kleinstunternehmen in knapp 50 Jahren zu einer Firmengruppe mit mehr als 130 Millionen Euro Umsatz geformt. Eine außergewöhnliche Braunschweiger Unternehmergeschichte in Interviewform…

Klaus Kroschke hat das elterliche Kleinstunternehmen in knapp 50 Jahren zu einer Firmengruppe mit mehr als 130 Millionen Euro Umsatz geformt. Foto: Holger Isermann

Lächelnd betritt Klaus Kroschke die Unternehmenszentrale in der Kroschkestraße 1. Nach dem morgendlichen Fitnesstraining (Laufband und Schwimmen) steht nun für den Inhaber der Kroschke-Gruppe ein ausführliches Interview an. Vier Tochtergesellschaften mit rund 500 Mitarbeitern sind heute im Kerngeschäft Kennzeichnung und Arbeitssicherheit tätig. Das Produktspektrum reicht von individuellen oder normgerechten Sicherheits- über Maschinen- und Industriekennzeichen, nachleuchtenden Produkten, Etikettendruckern bis hin zu komplexen digitalen Exponaten. Jährlich produziert die Kroschke-Gruppe über 35 Millionen Schilder und Aufkleber – genau abgestimmt auf Einsatzzweck, -ort und -dauer. Angefangen hat diese außergewöhnliche Braunschweiger Erfolgsgeschichte ganz klein mit dem Prägen von Autokennzeichen. In diesem Monat feiert der sympathische Unternehmenslenker seinen 70. Geburtstag und zugleich 60 Jahre Firmengeschichte. Das sind viele Gründe für einen StandortBesuch in Braunschweig-Veltenhof.


Herr Kroschke, die Geschäftsidee Ihrer Eltern war 1957 das Prägen von Autokennzeichen. Wie sah das damals aus?

In Viewegsgarten gab es eine KFZ-Zulassungsstelle. Meine Mutter stand damals vor der Tür und wartete auf Kunden. Sie hat alles aufgeschrieben, und mein Vater hat im Keller in der Georg-Wolters-Straße die Schilder gefertigt.

Gab es viel Konkurrenz?

Es war hart. Meine Eltern hatten zu Beginn nur eine kleine Bretterbude und ein Fahrrad. Die anderen hatten Geld, ein Netzwerk und fuhren schon Mercedes. Im Laufe der Zeit hat meine Mutter das aber gedreht. Am Ende waren fast alle Kunden bei ihr.

Was war ihr Erfolgsrezept?

Persönlicher Einsatz – kümmern, kümmern, kümmern. Sie hat alles möglich gemacht.

War sie eine geborene Verkäuferin?

Das war sie. Sie wurde in Schlesien geboren, kam aus der Landwirtschaft, und war dann zwölf Jahre lang in der DDR in einer LPG tätig. Eine kaufmännische Ausbildung hatte sie nicht.

Woher kam dann die Idee mit den Schildern?

Ihr Bruder Helmut Seela hatte sich hier in Braunschweig schon etwas geschaffen und neben seiner Fahrschule auch ein Autoschildergeschäft. Darauf konnte man aufbauen. Es hat immer gereicht zum Leben, aber mehr auch nicht. Und deswegen konnten wir weder in den Urlaub fahren, noch irgendwelche Geschenke oder Taschengeld bekommen. Wenn ich mir trotzdem etwas leisten wollte, musste ich etwas dafür tun.

Sind Sie in der ehemaligen DDR geboren?

Ja, in Alberstedt. Das ist ein kleiner Ort bei Eisleben. Meine Mutter wollte weg, als sie vom Eisernen Vorhang gehört hat.

Wie alt waren Sie beim Umzug?

Zehn Jahre. Es war eine dramatische Geschichte, von langer Hand geplant. Meine Großeltern waren Rentner und durften legal ausreisen. Irgendwann kam das Umzugsunternehmen Grove aus Braunschweig. Der Anhänger war komplett voll mit Möbeln und die gehörten nicht nur meinen Großeltern (lacht).

Haben Sie den Schritt damals als Kind verstanden?

Nicht wirklich. Mir wurde gesagt, im Westen sei alles besser. Aber ich habe mich auch in der DDR wohlgefühlt. Wir haben damals auf einem Restbauernhof gelebt und hatten alles, was man sich als Kind wünschen kann – ich hatte sogar zwei Fahrräder. Und im Westen hatte ich gar keins. Sozialer Abstieg (lacht). Da kommt man in den goldenen Westen und hat nichts.

Wie kann man sich denn Braunschweig vor 60 Jahren vorstellen?

Wir sind 1957 in die Stadt gekommen. Das war schon eine andere Welt. Da gab es noch den alten Bahnhof am Friedrich-Wilhelm-Platz und die Reste des Schlosses standen.

Wie verlief Ihre Kindheit in der Stadt?

Ich war immer in der elterlichen Firma, sobald ich Ferien hatte. Das war nicht uninteressant, denn es gab Trinkgeld. Offiziell war das Anbauen der Kennzeichen kostenlos – Service. Aber die Kunden haben gesagt: „Junge, das hast du gut gemacht, dafür bekommst du 50 Pfennig.“ Manchmal sogar eine Mark. Also hatte ich am Ende des Tages zwischen 5 und 8 Mark in der Tasche. Das war wahnsinnig viel Geld. Ich habe damals kein Taschengeld bekommen, aber ich hatte immer mehr als alle anderen.

Was haben Sie mit Ihrem kleinen Vermögen gemacht?

Ich habe alles gespart. Dieser Job war nicht mein einziger. Nach der Arbeit bei meinen Eltern bin ich in die Firma meines Onkels gefahren und habe mich dort um die Hausdruckerei gekümmert. Schularbeiten waren dann erst nach dem Abendbrot an der Reihe. Das war natürlich nicht immer ganz einfach.

Hatten Sie keine Hobbys?

Eigentlich nicht, Fußball habe ich im Sportunterricht gespielt, ansonsten hatte ich keine Zeit. Ich habe ja immer gearbeitet, hatte aber dennoch keine furchtbare Kindheit. Für mich war es eine gute Zeit, weil ich es freiwillig und gern gemacht habe.

Wie ging es mit dem Geschäft Ihrer Eltern weiter?

Später sind sie in die Guntherstraße gezogen, weil die Zulassungsstelle dorthin verlegt wurde. Das Geschäftslokal war eine bessere Garage. Dort bin ich 1969 eingestiegen. Wir waren ein Team, meine Mutter hat verkauft, mein Vater hat die Schilder hergestellt und ich habe sie angeschraubt.

Wie alt waren Sie da?

22 Jahre alt.

Was haben Sie gelernt?

Steuerfachangestellter. Meine Mutter sagte damals: „Eine kaufmännische Ausbildung? Das bringt doch nichts. Du kannst doch schon verkaufen. Geh mal lieber zum Steuerberater, wenn du Unternehmer werden willst.“ Dort war ich vier Jahre, dann ging ich zur Bundeswehr und danach bin ich bei meinen Eltern eingestiegen.

War das von vornherein klar?

Ja, hundertprozentig. Mein ehemaliger Chef war mal bei uns und hat ein Auto zugelassen. Hinterher hat er in der Kanzlei erzählt, „das müsst ihr euch mal vorstellen, der Kroschke, der schraubt jetzt Schilder an.“ Bei ihm sollte ich Abteilungsleiter werden. Zwei Jahre später ist er wiedergekommen und hat uns für den Fortschritt gelobt – das war fair.

 

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Schlagwörter
Klaus Kroschke, Kleinstunternehmen, Firmengruppe, Umsatz, Braunschweiger Unternehmergeschichte


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