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Der Daten-Beschleuniger

IAF aus Braunschweig fertigt Prototypen – unter anderem für neue Mobilfunk-Standards

PCB Design. Foto: Marek Kruszewski

Immer und überall erreichbar sein. Immer und überall Nachrichten und Mitteilungen empfangen. Immer und überall kommunizieren können. Das ist für Verbraucher und auch für die allermeisten Unternehmen längst Standard geworden. Möglich wird dies durch die schnelle drahtlose Übertragung von Daten. Ein Spezialist auf diesem Gebiet der Funktechnik ist das kleine Braunschweiger Unternehmen IAF.

1992 als Ausgründung der TU Braunschweig entstanden hat sich das Unternehmen zwei Geschäftsfelder erschlossen: Forschungsprojekte auf dem Gebiet der funk-basierten Datenübertragung sowie daraus resultierende Dienstleistungen für Unternehmen. "Dazu gehören zum Beispiel die Konzeption der erforderlichen Hardware, der Entwurf von Schaltplänen und das Layout und die Inbetriebnahme der Platinen", erläutert Christoph Juchems, IAF-Hauptgesellschafter und -Geschäftsführer. Dieses zweite Standbein soll nach seinen Angaben in Zukunft ausgebaut werden.

Zu den möglichen Kunden zählt er zum Beispiel Industrie-Unternehmen, die künftig Funk-Elektronik einsetzen wollen. Bei der Überwachung von Maschinen und Produktionsprozessen zum Beispiel wird die drahtlose Datenübertragung immer wichtiger. So lassen sich Fehler früher erkennen und dadurch Kosten verringern. Aktuell betreue IAF ein Projekt, bei dem Daten aus Kraftwerkturbinen übertragen würden, sagt Juchems.

Doch zurück zur Forschung. Nach Angaben des IAF-Chefs ist das Unternehmen in ein europaweites Forschungsprogramm eingebunden, das den nächsten Mobilfunkstandard 5G vorbereitet. "Ziel dabei ist es, die Datenrate zu erhöhen und die Frequenzen besser auszunutzen", erläutert Juchems. "Wir schaffen die technische Basis dafür."

Sein Unternehmen - in dem die Büroräume nahtlos in einen Werkstatt- und Labor-Bereich übergehen -entwickelt und fertigt Prototypen, die es erlauben, die neuen Funkstandards zu erproben. Dabei handelt es sich aber nicht um Vorläufer späterer Smartphones. In der Vergangenheit waren dies stattdessen Basisstationen bei den Mobilfunk-Anbietern für die Datenübertragung und -vernetzung. "Wir sind also zuständig für die Infrastruktur", sagt Juchems.

Die Spezialität des Unternehmens sei die Hardware-orientierte Programmierung. Dabei werden die Schalteinheiten nicht über eine übliche übergeordnete Software angesteuert, sondern direkt. Das sorgt laut Juchems für eine Beschleunigung der Rechenvorgänge für die Datenübertragung. Denn anders als in einem Prozessor würden die Schaltbefehle nicht nacheinander, sondern parallel verarbeitet. Das "Schlangestehen" der Daten vor dem Prozessor entfällt also.

Aus den Prototypen wird dann in einem nächsten Schritt die Technik für den Alltagsbetrieb entwickelt.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der TU Braunschweig geht es wiederum um einen neuen Standard für die Datenübertragung per Kabel (Docsis 3.1). Wieder steht die Beschleunigung des Datentransfers im Mittelpunkt. In erster Linie soll über das bestehende Breitbandkabel die Internetverbindung schneller werden - zum Beispiel für das Laden von Filmen. "Wir entwickeln die Hardware, die TU Braunschweig die Software für die Signalverarbeitung", erläutert Juchems. Die Grundberechnungen für die Datenübertragung seien bei diesem Verfahren vergleichbar mit breitbandigen Funkdiensten wie DVB-T.

Neben Juchems arbeiten neun Mitarbeiter - überwiegend Ingenieure - bei IAF. Den durschnittlichen Umsatz bezifferte er auf eine bis 1,5 Millionen Euro.

 

Dieser Artikel ist am 09.04.2016 in der Braunschweiger Zeitung erschienen. Weitere Nachrichten und alles Wissenswerte aus Braunschweig, Wolfsburg und der Region38 finden Sie auf www.braunschweiger-zeitung.de.

Schlagwörter
IAF, TU Braunschweig, Christoph Juchems


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