Ferienjobs und was Unternehmen dazu wissen müssen

Spruchreif - die Rechts-Kolumne für Entscheider

Elke Fasterding, RA beim AGV Braunschweig. Foto: Privat

Elke Fasterding, RA beim AGV Braunschweig. Foto: Privat

Liebe Leser,

bald beginnt wieder die Ferienzeit und während die Einen die Koffer packen, um die Welt zu erobern, nutzen die Anderen die Gelegenheit, sich etwas dazuzuverdienen. Der heutige Beitrag beschäftigt sich daher mit der Ferienarbeit von Schülern.
Herzlichst
Ihre Elke Fasterding RA beim AGV Braunschweig

Schüler sind „normale Arbeitnehmer“, für die lediglich Besonderheiten gelten. Das Arbeitsverhältnis sollte zum Beispiel befristet abgeschlossen werden. Die rechtlichen Grundlagen dafür finden sich im Teilzeit­ und Befristungsgesetz (TzBfG).

Schriftformerfördernis bei befristeten Verträgen

Das Gesetz enthält in § 14 ff die Spielregeln für befristete Arbeitsverträge und sieht zunächst ein Schriftformerfordernis vor. Das heißt, bevor ein Schüler seine Arbeit aufnimmt, muss der Arbeitsvertrag von beiden Seiten eigenhändig unterschrieben worden sein. Andernfalls entsteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Vertragsschluss mit Minderjährigen

Arbeitsverträge mit unter 18-Jährigen sind nur mit Einwilligung der Eltern oder allgemeiner Ermächtigung wirksam. Die Arbeitsverträge sollten also entweder zusätzlich von den Eltern unterzeichnet werden oder der Minderjährige sollte eine schriftliche Erklärung der Eltern abgeben, dass er von ihnen zur Eingehung eines Ferienarbeitsverhältnisses ermächtigt ist. Nach § 22 Abs. 2 Mindestlohngesetz (MiLoG) fallen Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet und keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, nicht unter das MiLoG. Für alle anderen Arbeitnehmer wäre der Mindestlohn von 8,84 Euro zu zahlen.

Beschäftigungsverbote

Einschränkungen bei der Beschäftigung von Minderjährigen hängen vom konkreten Lebensalter und von der Frage ab, ob eine Vollzeitschulpflicht besteht. Diese dauert ab dem Schuleintritt neun Jahre; bei Nichterreichen des Hauptschulabschlusses verlängert sie sich in der Regel um ein Jahr. Schüler unter 14 Jahren dürfen nicht beschäftigt werden, mit einer Ausnahme: Mit Einwilligung der Eltern dürfen Kinder ab 13 Jahren „leichte und für Kinder geeignete Beschäftigungen“ ausüben, wie zum Beispiel Prospekte austragen. Die Arbeitszeit ist dabei auf maximal zwei Stunden am Tag und höchstens fünf Tage in der Woche begrenzt und darf nicht zwischen 18 und 8 Uhr liegen. An Samstagen ist die Beschäftigung nur ausnahmsweise zulässig, etwa für das Austragen von Zeitungen, § 16 Abs. 2 Nr. 3 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG).

Schüler zwischen 14 und 15 Jahren, bei denen Vollzeitschulpflicht besteht, dürfen ebenfalls nicht beschäftigt werden. Besteht die Vollschulpflicht nicht mehr, dürfen sie 7 Stunden täglich, maximal 35 Stunden pro Woche, 5 Tage pro Woche arbeiten. Schüler zwischen 15 und 18 Jahren (Jugendliche) dürfen mit Vollzeitschulpflicht 4 Wochen im Jahr während der Schulferien maximal 5 Tage pro Woche beschäftigt werden. Besteht keine Vollzeitschulpflicht mehr, dürfen sie 8 Stunden täglich, 40 Stunden und maximal 5 Tage pro Woche arbeiten. Schüler ab 18 Jahren unterliegen keinen Beschränkungen.

Krankheit

Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall besteht gemäß § 3 Abs. 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) erst nach vierwöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses.

Urlaub

Auch Schüler haben Anspruch auf Urlaub, nach dem BUrlG für jeden vollen Beschäftigungsmonat 1/12 von 20 Werktagen bei einer 5-Tage-Woche. Für Schüler unter 18 Jahren beträgt der jährliche Urlaub nach § 19 JArbSchG  30 Werktage, wenn der Arbeitnehmer zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre,  27 Werktage, wenn der Arbeitnehmer zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre und 25 Werktage, wenn der Arbeitnehmer zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt ist.

Ruhepausen/Ruhezeiten

Jugendliche, mithin Schüler von 15 bis 18 Jahren, haben bei einer Arbeitszeit von 4,5 bis 6 Stunden mindestens 30 Minuten Pause und bei mehr als 6 Stunden mindestens 60 Minuten Pause. Die Ruhezeit beträgt 12 Stunden.

Unfallversicherung

In der gesetzlichen Unfallversicherung sind Schüler anzumelden und von daher auch versichert.

^