Krisenbewältigung auf Augenhöhe?

New Work - eine Kolumne von Nadine Nobile & Sven Franke

Nadine Nobile & Sven Franke. Foto:Nils Hasenau

Die Konjunktur läuft derzeit gut! Manche Ökonomen meinen sogar richtig gut! Der Privatkonsum legte zuletzt von Quartal zu Quartal zu. Und auch die Staatsausgaben kurbelten die Wirtschaft kräftig an. Doch auch in diesen aussichtsreichen Zeiten stehen Organisationen vor Umwälzungen. Manche stecken sogar mitten in der Krise. Einige dieser Herausforderungen entstehen plötzlich und erfordern schnelle Reaktionen.

Für Unternehmen, die sich gerade auf den Weg zu einer neuen, partizipativen Zusammenarbeitskultur gemacht haben, liegt darin ein Fluch und Segen zu gleich. Dies beobachteten wir kürzlich bei einem unserer Kunden. Beauftragt waren wir mit einer Prozessreflektion auf Geschäftsführerebene über das vergangene Jahr. Die Organisation hatte sich vor zwei Jahren auf den Weg gemacht zu einer Zusammenarbeitskultur auf Augenhöhe. Die umgesetzten Schritte waren sehr wirksam. Erste Erfolge zeigten sich rasch und umfassend. Doch dann kam die Nachricht über den Umbau des Mutterkonzerns. Von heute auf morgen ist das Unternehmen mit schmerzhaften finanziellen Einschnitten konfrontiert. Wie bereitet man sich auf solche Herausforderungen vor? Wie bettet man ihre Lösung in die neue Zusammenarbeitskultur ein? Vor allem dann, wenn wenig Zeit für Kommunikation und Entscheidungsfindung bleibt? Geht eine solche Krisenbewältigung überhaupt auf Augenhöhe?

Ja, es geht! Aus unserer Erfahrung braucht es dafür drei Zutaten: Größtmögliche Transparenz, eindeutige Rahmensetzung und eine kooperative und wertschätzende Haltung. Aber warum sind diese Zutaten so bedeutsam? Zahlen, Daten, Fakten über die aktuelle Situation ermöglichen Mitarbeitern die Einschätzung der Problemlage. Eine eindeutige Rahmensetzung, was von wem wann wie wofür entschieden und erarbeitet werden muss, schafft gleichzeitig Klarheit, wer für was Verantwortung trägt und wie Entscheidungen herbeigeführt werden. Erfolgt dies in einer kooperativen und wertschätzenden Haltung, bleibt der Blick geöffnet für die Identifizierung von Feldern in denen Lösungen partizipativ erarbeitet werden können. Den Erfahrungsschatz der Mitarbeitenden einzubeziehen dient dabei nicht nur der Einbindung der Betroffenen. Sie ermöglicht die Erschließung eines Ideenpools für die Gesamtorganisation.

Getreu dem Motto: Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Wenn diese Zutaten wohldosiert zusammenwirken, dann steckt in der Krise auch ein Segen. Denn hier kann die Organisation zeigen, wie ernst es ihr mit der neuen Zusammenarbeitskultur auf Augenhöhe ist. Ist sie formgebend für jegliche Situation? Oder nur ein vermeintlicher Luxus für gute Zeiten? Wir glauben, dass eine Krisenbewältigung auf Augenhöhe, die Organisation langfristig stärkt. Denn das Zutrauen in die gemeinsame Zukunft wird von innen heraus gefestigt.

In welcher Form möchten Sie durch die nächste Krise gehen?

Nadine Nobile ist Gründerin von CO:X. Sie unterstützt Menschen in Unternehmen als Prozessbegleiterin und Coach. „Potentiale erkennen und Entfaltung ermöglichen“, das ist dabei ihr Leitsatz.

Sven Franke ist Organisationsbegleiter und Speaker. „Experimente wagen und Neuland erkunden“, ist seine Maxime. Er initiierte das Projekt AUGENHÖHE und wurde 2017 von Xing als New Worker des Jahres ausgezeichnet. 

 

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