„Wir sind auf einem guten Weg“

Melanie Walter verantwortet den Bereich Social Affairs bei der Nordzucker AG. In Kooperation mit der Panda GmbH organisiert das Unternehmen am 16. Mai eine Netzwerkveranstaltung zur Frauenförderung und -quote im Haus der Wissenschaft. Wir sprachen mit ihr über tradierte Familienmodelle, Achtsamkeit und ein Thema, das eigentlich keines mehr ist

Melanie Walter ist seit zehn Jahren im Unternehmen und im Bereich Human Resources für Social Affairs verantwortlich. Foto: Holger Isermannn


Frauenförderung und Frauenquote – Vorgabe, Mission oder Absurdität? Was denken Sie?

Ich glaube, es ist alles drei: Eine Quote ist immer eine Vorgabe und diese hat in der Regel immer einen Grund. Es sollte eine Mission sein und genau da entwickelt sich das Thema gerade hin, auch wenn es ein langer Weg bleibt. Absurd wäre, wenn es ausschließlich um die Erfüllung einer Quote geht.


Sie wollen am 16. Mai über Sinn und Unsinn rund um Quote und Förderung reden. Was sind denn Ihrer Meinung nach die Für und Wider?

Wir brauchen offensichtlich Unterstützung, um eine Ausgewogenheit zwischen Männern und Frauen in der Geschäftswelt zu erreichen. Ohne Vorgaben bewegen wir uns nicht oder zu langsam. Veränderungen brauchen Zeit und vor allem Veränderungsoffenheit. Sich aus der Komfortzone herauszubewegen, bestehende Muster zu überdenken, das ist immer so eine Sache. Natürlich spielen auch kulturelle Gründe eine Rolle, Deutschland unterscheidet sich hier deutlich z. B. von den skandinavischen Ländern.


Inwiefern?

Norwegen gilt hinsichtlich Frauenförderung als vorbildlich und als das Best-Practice-Beispiel schlechthin. In Finnland müssen seit dem Jahr 2010 Aufsichtsräte gemischtgeschlechtlich sein. Eine Quote gibt es nicht. Veraltete Klischees und Denkmuster, nach denen sich die Frauen hauptsächlich um Haushalt und Kindererziehung kümmern, erschweren eine offene Diskussion um das Thema Frauenförderung. Das vermeintlich klassische Familienmodell früherer Zeiten hat sich maßgeblich verändert.


Es gibt durchaus gesellschaftliche Strömungen, die sich eher ein Zurück als mehr Fairness wünschen …

Absolut. Wenn die Diskussion um die Quote aber eins erreicht hat, dann dass wir uns mit dem Thema auseinandersetzen und auch die Unternehmen anfangen, sich zu bewegen.


Wie weit sind Sie denn bei der Nordzucker AG in Sachen Gleichstellung?

Auf einem guten Weg, auch gerade im Bereich Top Management.


Können Sie das in Zahlen ausdrücken?

Wir haben derzeit eine Frauenquote im Top Management von 10 Prozent.


… und der Vorstand ist eine reine Männerdomäne. Finden Sie das zufriedenstellend?

Wie gesagt, wir sind auf einem guten Weg.


Sind Sie noch ein klassischer männerdominierter – zugegeben großer Mittelständler?

Als Zuckerproduzent mit starkem Technikbezug liegt es in der Natur der Sache, dass unser Unternehmen eher männerdominiert ist. Wir denken und agieren anders als noch vor einigen Jahren – im Arbeitsalltag und in den Personalprozessen. Wir können über alle Themen offen reden.


Die Zahlen sind also kein Spiegel Ihrer aktuellen Unternehmenskultur?

Nein. Sie sind vielmehr historisch bedingt. Es ist der Status Quo. Wir sehen die Entwicklung am Markt und sind offen für Veränderung.


Warum engagiert sich gerade Ihr Unternehmen mit seinem Bezug zur relativ konservativ geprägten Agrarwirtschaft öffentlich für Frauenförderung?

Weil das Thema uns wichtig ist. Es ist Zeit! Wir wollen nach außen und nach innen wirken. Und wir stellen bereits Veränderungen fest. In den letzten Jahren verzeichnen wir einen stetigen Zuwachs an Männern in Elternzeit, dies war vor einigen Jahren noch eine Seltenheit, heute ist dies bei uns selbstverständlich.


Gleichstellung als Imagefaktor?

Natürlich ist das ein Thema. Unternehmen müssen viel stärker um gute Mitarbeiter werben, sie entwickeln und „bei Laune halten“. Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt haben sich signifikant verändert, umso mehr ein Grund dafür „Gender-neutral“ zu agieren. „Fachkräftemangel hat kein Geschlecht.“ Arbeitnehmer, vornehmlich die jüngeren Generationen haben veränderte Ansprüche – sie leben und agieren bewusster und achtsamer.


Spielt das Thema für die Mitarbeiter eine Rolle?

Ja, weil es Ausdruck einer Haltung ist und zeigt, dass wir veränderungsoffen sind. Es geht also um viel mehr als nur um die Quote und das ist auch unser Ansatz. Wir wollen uns ganzheitlich für unsere Mitarbeiter einsetzen.


Warum ausgerechnet die Zusammenarbeit mit Panda?

Wir waren vom Konzept begeistert. Hinter Panda stehen engagierte und zugewandte Menschen, die für das Thema brennen und dieses mit großem Einsatz vorantreiben. 2016 hat unsere Personalchefin, Inga Dransfeld-Haase den Panda – Women in Leadership Contest gewonnen und war von den Mehrwerten begeistert. Das Gesamtpaket hat uns überzeugt und zu unserem Engagement geführt. Nordzucker war der erste strategische Partner, mittlerweile sind auch Unternehmen wie SAP oder Porsche Partner von Panda.


Sind Sie damit zum Vorreiter für Gleichstellung in der Region geworden?

Wir sind sicherlich weit vorne! Finden wir es heraus – auch deshalb organisieren wir dieses Event. Wir wollen erfahren, ob es in der Region ein Interesse an diesem Thema gibt und wie andere Unternehmen damit umgehen. Ziel ist es, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und sich zu vernetzen.


Was können die Teilnehmer am 16. Mai erwarten?

Es gibt zwei Formate, einmal den offenen Austausch mit max. 100 Personen und dann den Women Leaders Salon, exklusiv für Frauen in Führung. Das ist ein völlig neues Panda-Format, bei dem maximal 30 Frauen für intensiven Austausch und Vernetzung zusammenkommen.


Klingt elitär …

… ist es aber nicht. Wir reduzieren den Teilnehmerkreis, um den Frauen die Möglichkeit zu geben, sich in einer kleineren Runde offen und intensiv auszutauschen.


Wann wird die Quote bei Nordzucker kein Thema mehr sein?

Wir sind gestartet und unser Engagement bei Panda ist ein großer Meilenstein.

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