Der Schreibtisch von Knud Ahlborn

Leiter des Career Service der TU Braunschweig

Sympathisch, witzig und locker: Studierende der TU Braunschweig sind bei ihm gut aufgehoben. Foto: Derya Özlük

Sympathisch, witzig und locker: Studierende der TU Braunschweig sind bei ihm gut aufgehoben. Foto: Derya Özlük

Nahe der Universitätsbibliothek, an der Straßenecke zwischen dem Bültenweg und der Kon stantin-UhdeStraße, steht der Schreibtisch von Knud Ahlborn. Unscheinbar und versteckt. Dennoch führt der Weg vieler der rund 20.000 Studierenden aus 75 unterschiedlichen Studiengängen an der TU Braunschweig tagtäglich in sein Büro – vor allem zum Ende des Studiums. Denn der 48-Jährige ist seit der Gründung 2009 Leiter des Career Service und begleitet gemeinsam mit zwei Mitarbeitern Absolventen hinaus aus der Universität in die anspruchsvolle Berufswelt.

„Viele Studierende informieren sich zu spät“, stellt Ahlborn fest. „Deshalb versuche ich, ihnen schon in den frühen Semestern zu begegnen und biete vielfältige Beratungs- und Qualifizierungsprogramme an, die gezielt auf den Berufseinstieg vorbereiten und vernetzen.“ In Kooperation mit Unternehmen aus der Region, wie der WVI Prof. Dr. Wermuth Verkehrsforschung und Infrastrukturplanung GmbH, dem Ingenieurbüro Kuhn + Partner und der GOM GmbH, bietet der Career Service regelmäßig diverse Workshops, Exkursionen und Firmen-Kontaktevents an. Rechtzeitig vorzusorgen sei ein wichtiger Grundbaustein für die späteren Berufschancen, „ohne ist ein nahtloser Übergang vom Studium in den Arbeitsmarkt kaum möglich.“ Mit einem einzigen Beratungstermin sei es aber nicht getan, ein studienbegleitender Prozess sei sinnvoller, appelliert Ahlborn an die Studierenden. Diese Überzeugung kommt nicht von ungefähr: Der zweifache Familienvater fühlt sich im Privaten und in seinem Beruf als Coach, Berater und Wegweiser angekommen – dies sei aber ein langer Weg mit anfänglicher Orientierungslosigkeit gewesen: „Eine solche Anlaufstelle hätte mir nach meinem Studium in Geschichte und Amerikanistik weitergeholfen, aber es gab sie damals nicht.“

Knud Ahlborn: ein ernsthafter Komiker. Foto: Derya Özlük
Knud Ahlborn: ein ernsthafter Komiker. Foto: Derya Özlük

Nach seinem Studium will der Geisteswissenschaftler zunächst Radiojournalist werden und absolviert diverse Praktika bei privaten Sendern – mit einer damals für ihn unerwarteten Erkenntnis: dass es das nicht ist. „Mein Plan A war gescheitert und ich hatte keinen Plan B oder C.“ Also erprobte er sich weiter in verschiedenen Bereichen und stürzte sich auf Gelegenheitsjobs, wie das Zeitungaustragen in Berlin oder die Projektmanager-Tätigkeit bei einer Kinderhilfsorganisation – bis er sich schließlich bewusst für die amerikanische Lobby Organisation „Atlantik-Brücke“ entschied und drei Jahre qualifizierten und fordernden Tätigkeiten nachging. „Sehr zufällig stieß ich dann auf die erste Career-Service-Tätigkeit bei einer kleinen privaten Hochschule“, aber auch dort sollte er nicht länger als drei Jahre verweilen: „Mehrmals die Woche habe ich Studierenden Tipps gegeben, wie man aussagekräftige Bewerbungen formuliert, da habe ich es selbst mal ohne ernstere Absichten probiert“, erzählt er über einen Bewerbungsversuch beim nicht ganz unbedeutenden Arbeitgeber Google – mit Erfolg. Mit seiner Frau und dem ersten Kind nahm er die Herausforderung an und fand sich kurzerhand in Irland bei dem multinationalen Konzern wieder, wo er drei Jahre in unterschiedlichen Bereichen arbeitete: „In dieser Zeit habe ich nicht nur gemerkt, dass die freie Wirtschaft nichts für mich ist, sondern auch, worauf Unternehmen in Bewerbungsprozessen achten.“ Nach einer langen beruflichen Reise bringt er heute seine Erfahrungen in den Career Service der TU Braunschweig ein – mit einem klaren Ziel: „Die Studierenden sollen sagen können, dass ihre Hochschule sie auf dem Weg in eine dauerhafte Berufstätigkeit nachhaltig unterstützt hat.“

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