„Die Unternehmerjahre haben mich gestählt“

Andreas Sander, geschäftsführender Gesellschafter der Kosatec Computer GmbH, über 25 Jahre private wie unternehmerische Höhen und Tiefen, den Anfang in einer echten Garage und eine dynamische Branche im ständigen Wandel …

Andreas Sander, geschäftsführender Gesellschafter der Kosatec Computer GmbH. Foto: Holger Isermann

Andreas Sander, geschäftsführender Gesellschafter der Kosatec Computer GmbH. Foto: Holger Isermann

Power on. Ein Mann steht unter Strom. Und das seit 25 Jahren. Auch an diesem Montagmorgen, Ende April. Andreas Sander, geschäftsführender Gesellschafter der Kosatec Computer GmbH, begrüßt uns in seinem Hauptsitz in der Carl-Miele-Straße 3. In der Braunschweiger Zentrale sind auf über 15.000 Quadratmetern das Logistikzentrum, der Einkauf, der Vertrieb, das Service-Kompetenz-Center und die Verwaltung untergebracht. Weitere Standorte betreibt der IT-Distributor in Köln, Aachen, Linden, Kassel, Hamburg und Passau. Sander, 54 Jahre jung, durchtrainiert, trägt enge Jeans, Nike-Shirt und Turnschuhe. Ein lockerer Typ mit festem Händedruck, sympathischem Lächeln und genauen Vorstellungen. Im Jahr 1993 gründete er seine Firma mit nur 6.000 D-Mark Startkapital – und zwar in der Garage seiner damaligen Schwiegereltern in Rötgesbüttel, einem 200-Einwohner-Dorf im Landkreis Gifhorn. Eine Technik-Nerd-Garagenstory fürs regionale Geschichtsbuch. Während seiner 25-jährigen Selbstständigkeit hat der fokussierte Geschäftsmann und Sportler viele berufliche Siege und Höhepunkte erlebt, aber auch Niederlagen und Schicksalsschläge eingesteckt. Sander ist, im Gegensatz zu vielen seiner Mitbewerber auf dem hart umkämpften Markt, immer wieder aufgestanden und zurückgekommen. Heute beliefert sein europaweit agierendes Unternehmen über 8.000 Kunden wie Online- und Fachhändler, System- und Versandhäuser, Flächenmärkte, öffentliche Auftraggeber und die Industrie mit IT-Komponenten, Hochleistungsservern, Workstations, Tablets und Smartphones, Mobile Computing und Supplies. Mit 145 Mitarbeitern erwirtschaftete der zweifache Familienvater, der unter anderem auch Vollversammlungsmitglied der IHK Braunschweig ist, im vergangenen Jahr einen Umsatz von 180 Millionen Euro. Während des Interviews springt Sander mehrmals auf, holt Firmenunterlagen, zeigt Präsentationen und Prospekte, wird auf seinem Handy angerufen, bekommt permanent SMS- und WhatsApp-Nachrichten und redet auf unsere Stichworte hin munter weiter. Immer in Bewegung. Voll unter Strom.

Herr Sander, wann sind Sie zum ersten Mal mit Computern in Berührung gekommen?

Das war Mitte der 80er Jahre, während meiner Ausbildung bei Blaupunkt in Hildesheim. Ich habe mir einen Commodore 64, kurz C64, gekauft und darauf gespielt und Listings abgetippt. Man konnte mit diesem „Brotkasten“ eigentlich nicht viel machen, aber die farbigen Grafiken haben mich fasziniert. Ich habe gespürt: Da eröffnet sich mir eine neue, ganz besondere Welt.

Was war der nächste Schritt?

Danach habe ich mir meinen ersten Personal Computer, einen 386er mit 40 Megahertz, geholt. Der konnte von der Grafik aber viel weniger und hat mich enttäuscht. Das wurde dann später wieder besser (lacht).

Computerpionier Jack Tramiel hat den C64 erfunden und sogar in Braunschweig produzieren und verpacken lassen. Insgesamt hat er über 20 Millionen Rechner in elf Jahren verkauft. Was können Sie von ihm lernen?

Tramiel war ja auch der Erfinder des PET 2001 und des Atari ST – ein Visionär, dessen Beispiel zeigt, was ein einzelner Mensch alles verändern kann. Ohne Commodore gäbe es vielleicht keine Kosatec Computer GmbH. Ich glaube grundsätzlich an viele günstige Zusammenhänge oder Zufälle im Leben, die auch mein eigenes und das meines Unternehmens beeinflusst haben.

Warum haben Sie damals eine Ausbildung zum Funkelektroniker bei Blaupunkt gemacht?

Da habe ich Glück gehabt. Ich gehörte zu den geburtenstarken Jahrgängen und war froh, dass ich überhaupt einen Ausbildungsplatz bekommen habe. Heute muss sich das Unternehmen um den Auszubildenden bewerben – früher war das umgekehrt.

Was hatte Ihre Ausbildung mit dem Thema Computer zu tun?

Sehr viel. Die Blaupunkt Technology GmbH war damals ein Unternehmen mit 25.000 Mitarbeitern. 4.000 Autoradios wurden dort täglich produziert – eines, wie das Bremen SQR 31 mit PLL-Abstimmung, digitaler Frequenzanzeige und Autoreverse-Kassettenlaufwerk, kostete 1.000 Mark. Ich war in der Forschung und Entwicklung am Römerring tätig, habe gelernt, wie das Gerät funktioniert und es repariert. Eigentlich wie ein Computer.

Nach der Ausbildung sind Sie mit 24 Jahren nach Los Angeles ausgewandert. Wie kam es dazu?

Ich komme aus Salzgitter-Lebenstedt und wollte endlich mal Amerika sehen. Los Angeles, eine der größten Metropolregionen der Welt, war ein Kulturschock. Der Dollar stand damals bei 1,80 Mark. Ich hatte zunächst nur drei Wochen gebucht – nach einer Woche musste ich aber schon wieder zurück, weil das Geld alle war (lacht). Beim nächsten Aufenthalt lief es dann besser. Irgendwann habe ich mich dann entschieden, mein weniges Hab und Gut zu verkaufen und ganz dorthin auszuwandern.

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