„Ach, Sie sind die Firma mit den zwei Frauen“

Die Glaub Automation & Engineering GmbH

Andrea und Claudia Glaub in der Werkhalle in Salzgitter-Engelnstedt. Foto: Stephanie Link

Andrea und Claudia Glaub in der Werkhalle in Salzgitter-Engelnstedt. Foto: Stephanie Link

Frauen an der Spitze eines Unternehmens sieht man immer noch selten – zwei Schwestern noch seltener. In Salzgitter-Engelnstedt ist das anders. Am Ende der Peiner Straße, eingebettet zwischen Industrie- und Gewerbebauten liegt die Glaub Automation & Engineering GmbH. Hinter den verschlossenen Türen der Werkhallen wird an der Verzahnung von Mensch und Robotik für Industrie und Gewerbe getüftelt. Seit 14 Jahren leiten Andrea und Claudia Glaub, gemeinsam mit Andreas Ehemann Niko Glaub, das Familienunternehmen.

„Angefangen hat alles bei uns im Keller“, erinnert sich Andrea Glaub, die ältere der beiden Schwestern. Vor 39 Jahren gründet ihr Vater Herwig einen klassischen Elektroinstallationsbetrieb, mit dem Ziel eigene Schaltschränke zu fertigen. Bereits zwei Jahre später erhält der Betrieb erste gewerbliche Aufträge und zieht kurz darauf in ein eigenständiges Gebäude innerhalb des Heimatortes Osterlinde. Allmählich vollzieht sich ein Wandel vom Installationsbetrieb zum Unternehmen für Schaltschrankbau und SPS Programmierung. Die Automatisierung von Fertigungslinien rückt in den Fokus. 1983 kommt der erste Programmierer in den Betrieb. Heute ist er Bereichsleiter für Software und Beratung – dem Unternehmen nach wie vor treu. 2000, nach Abschluss ihres Studiums, tritt Andrea Glaub ins Unternehmen. Zwei Jahre später folgt ihre Schwester Claudia.

Von Generation zu Generation

Auferlegt wurde den Unternehmertöchtern die Berufswahl nicht. „Bei uns hieß es immer: Ihr müsst das nicht weiter machen. Wahrscheinlich war das am Ende ausschlaggebend“, Andrea Glaub schmunzelt. Für sie war bereits vor dem Studium klar, dass sie einmal den Familienbetrieb übernehmen wird. Ihre Schwester schlägt zunächst einen anderen Weg ein, will später Steuerberaterin werden. Vor dem Abschluss ändert sie dann kurzfristig die Richtung: „Als Inhaber sind wir freier in unseren Gestaltungsmöglichkeiten und haben in der Hand, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickelt. Als Angestellte hätte ich das nicht. Wahrscheinlich ist es das Gefühl für Eigenverantwortlichkeit, das uns in die Wiege gelegt wurde. Mit allen Höhen und Tiefen.“ 2004, zum 25-jährigen Firmenjubiläum rücken die beiden Töchter aus der zweiten in die erste Reihe – nehmen von da an die Unternehmenszukunft in die Hand. Seitdem hat sich einiges getan.

Das Unternehmen zur Gründungszeit: Andrea und Claudia Glaub mit ihrem Vater Herwig Glaub. Foto: Privat
Das Unternehmen zur Gründungszeit: Andrea und Claudia Glaub mit ihrem Vater Herwig Glaub. Foto: Privat

Menschmaschine

Heute tritt das Unternehmen als Komplettanbieter für Automatisierung manueller Arbeitsprozesse auf. „Vorher haben wir immer viel zugekauft, um den Kunden alles aus einer Hand bieten zu können. Jetzt sind wir natürlich flexibler“, erklärt Andrea Glaub. Neben der Herstellung eigener Arbeitsplatzsysteme und der Programmierung von Apps zur Anlagensteuerung und -überwachung, spezialisiert sich der Mittelständler auf die Integration von Robotik. Das steigert nicht nur die Produktivität, sondern befreit Arbeitskräfte von ermüdenden und gesundheitsgefährdenden Aufgaben. Eine zukunftsweisende Entwicklung, findet Claudia Glaub: „Letzten Endes geht es auch darum, dass wir Fertigungsstandorte sichern. Dort, wo es an Fachkräften mangelt, kann ein Roboter übernehmen.“ Trotz Nutzen für Industrie und Gewerbe begegnet Andrea Glaub der künstlichen Intelligenz auch mit Distanz: „Ich persönlich bin nicht dafür, Roboter zu personifizieren. Auch wenn das in anderen Kulturen längst Alltag ist. Die Vorstellung, dass ein Roboter zum Beispiel die Altenpflege übernimmt, fällt mir sehr schwer.“ Mittlerweile verzeichnet die Glaub GmbH einen jährlichen Umsatz von fünf Million Euro. Neben Volkswagen und dem Automobilzulieferer Kratzer zählt auch Wabco zu den Kunden. Seit 2007 ist das Unternehmen Systemintegrator der Firma Bosch Rexroth und wagt mit dem Bosch-Konzern die internationale Expansion in Budapest. „Viele Unternehmen sind damals nach Ungarn gegangen, wir sind quasi unserem Kunden gefolgt“, betont Andrea Glaub.

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