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Freiherr von König versorgt die Region mit Energie aus Buchenholz

Das Rittergut Beuchte/Vienenburg Adelsserie: Folge 5

Im Gutshaus auf dem Edelhof in Vienenburg lebt die Familie von König seit 1606. Foto: Kjell Sonnemann

Im Gutshaus auf dem Edelhof in Vienenburg lebt die Familie von König seit 1606. Foto: Kjell Sonnemann

Prunk ist fehl am Platze – besser gesagt: am Gutshof von Clemens Freiherr von König in Beuchte (Samtgemeinde Schladen-Werla, Landkreis Wolfenbüttel). Der Adlige verbringt seinen Tag normalerweise in Arbeitsklamotten. Schließlich leitet er die Gut Beuchte Dienstleistungs-GmbH, die sich mit Landwirtschaft – dem Betrieb gehören knapp 500 Hektar Ackerfläche – und erneuerbaren Energien beschäftigt. „Ein zweites wirtschaftliches Standbein muss sein“, sagt der 47-Jährige. Darum tat er sich mit Michael von Loh zusammen – einem Schulfreund, obwohl sie einst verschiedene Gymnasien in Wolfenbüttel besucht hatten. Seit Sommer 2005 vermarktet das Duo Energie aus Sonne, Wärme und vor allem Holz.

In „Braunschweig samt Speckgürtel“ vertreiben sie Kaminholz. Dieses wird in Beuchte produziert. „Mein Holz ging einmal zu Ende und ich fragte mich: ,Wie komme ich einfach an Kaminholz heran?‘, erinnert sich Michael von Loh. „Ein Markt für Kunden war damals nicht erkennbar, es gab keine Einträge im Branchenbuch.“ Clemens von König ergänzt: „Dass nach unserem Start der Ölpreis stieg, war ein glücklicher Zufall.“ Doch eigentlicher Schlüssel des Erfolgs ist die Qualität. Im Baumarkt ist Kaminholz ein Nebenprodukt: Es ist Mischholz. Das aus Beuchte ist ausschließlich trockenes Buchenholz. Es ist optimal für den heimischen Kamin: Die Flamme brennt ruhig, und der Heizwert ist hoch – weil Buche langsam wächst, steckt viel Energie darin. Das Holz stammt aus Buchenwäldern zwischen Braunschweig und dem Harz. Regionalität sei gegeben, schließlich lohne sich ein weiter Transport nicht, erklärt Clemens von König. Er ist Mitglied in drei Forstgenossenschaften und wird immer mal wieder gefragt, ob es sich um sein Holz handele. Nein, nur zu maximal fünf Prozent. „Wir pflegen mit mehreren Forstämtern intensiven Kontakt, damit wir nicht irgendein Holz bekommen“, sagt der Freiherr zum Einkauf. Dass er vorher im Groß- und Außenhandel in Berlin tätig gewesen war, sei definitiv von Vorteil. Vor der beständigen Auslieferung von fertigen Scheiten an die rund 3.500 Haushalte stehen noch einige Produktionsschritte.

Unter anderem werden die Holzstämme in Beuchte durch Sägeblätter mit einem Durchmesser von anderthalb Metern zurechtgesägt. „Normalerweise muss man Scheitholz drei Jahre zum Trocknen liegenlassen“, erklärt der Holzexperte. Aber dann bräuchte der Betrieb 3.000 Quadratmeter Lagerfläche. Darum wurde in Trocknungsanlagen in Wohld (Wolfenbüttel) und Almke (Wolfsburg) investiert: Mittels der Abwärme von Biogasanlagen trocknet das Kaminholz in speziellen LKW-Containern. Es wird dann vom Logistikzentrum in Rautheim (Braunschweig) aus vertrieben. Der vierte Holzenergie-Standort ist der Hauptsitz in Beuchte. Dem Gut waren im Laufe der Zeit fünf Bauernhöfe zugekauft und einige Gebäude abgerissen worden. Das sei auch in Ordnung: „Ohne Bares kann man die alten Scheunen nicht erhalten. Und kein Trecker und kein Mähdrescher passen hinein“, erläutert der Gutsbesitzer. Hinter dem Guthaus verbirgt sich ein größerer Garten, in dem bis nach einem Sturm im vergangenen Jahr Beuchtes ältester Baum stand. Besonders ist ansonsten nur eine kleine Grotte, die aus Stahlbeton gefertigt wurde. „Das war um 1870 in Mode.“ Aber adlig wirkt das Ganze eher weniger. Das repräsentative Rittergutshaus der Familie steht nämlich in Vienenburg. Clemens von König berichtet: „Meine Eltern haben 1967 geheiratet, und weil der Beuchter Hof großzügiger angelegt ist, wurde der Betrieb hierher verlegt“. Sein Vater habe sich noch „den Luxus geleistet, jeden Tag die zwölf Kilometer zu fahren“. Aber er selber zog 2004 lieber gleich nach Beuchte – „für den Fall, dass was los ist. Landwirtschaft ist schlecht einschätzbar!“

Der Edelhof steht direkt neben der Vienenburg. Er ist seit mehr als 400 Jahren in Familienbesitz. Eine vom Herzog von Braunschweig besiegelte Urkunde nennt den 25. April 1606 als Kaufdatum. „Kanzler Doctor Werner König und seine Hausfrau Dorothea Lappin“, so heißt es auf einer Inschrift, „erwarben den freien Burglehnhof“. Der Doktor- war damals ein Adelstitel. Das „Von“ im Namen kam später dazu, genau wie der „Freiherr“. Ein berühmter Vorfahre war Friedrich Wilhelm Ulrich Götz Freiherr von König (1849 bis 1934). Er war preußischer General sowie Führer des Landwehrkorps im Ersten Weltkrieg. Dessen Sohn Leo (1871 bis 1944) war ein Maler. Auch ein gewisser Vicco von Bülow (Loriot) verbrachte viel Zeit in Vienenburg. In den 30er Jahren war sein Vater zum ersten Mal zu Besuch bei seinem Freund Raban von König auf dem Edelhof, knüpfte Kontakt zur Bevölkerung und heiratete Loriots Stiefmutter (die leibliche war gestorben). Und so verbrachte der Humorist einen Teil seiner Kindheit in Vienenburg.

Der grüne Gutshof

Mehr als 60 Häuser im kleinen Dorf Beuchte (360 Einwohner, 120 Haushalte) sind an das Wärmeenergienetz von Clemens von Königs Unternehmen angeschlossen. Sie werden mit Wärme aus der Verbrennung von Hackschnitzeln versorgt. Diese Schnitzel sind unter anderem ein Abfallprodukt aus der Holzscheit-Herstellung. Für die Idee und Umsetzung bekam der Freiherr vor neun Jahren den 2. Platz beim Förderpreis „Energie vom Acker“ verliehen. Im Dezember 2008 hatte sein Gewerbebetrieb das 2.500 Meter lange Wärmenetz eingerichtet, das mit zwei 250-kW-Hackschnitzelheizkesseln betrieben wird. Kein halbes Jahr später wurden zehn Hektar Eigenholzplantagen angelegt – auf Böden, die sich wegen Größe und des Flächenzuschnitts im konventionellen Ackerbau kaum bewirtschaften lassen. Die Balsampappelarten konnten 2011 erstmals verwertet werden, das Wärmeenergiedorf wurde autark. Beuchte wird auch als „Das grüne Dorf“ gezeichnet. Strom und Wärme werden nicht nur durch Biomasse erzeugt, sondern auch durch Sonne, Wind und Erdwärme. Ein Solarpark befindet sich etwa auf den Dächern des Guts. Alle Photovoitaikanlagen des Dorfes decken rechnerisch den Strombedarf von mindestens 230 Einwohnern ab. Die Gut Beuchte Dienstleistungs GmbH betreibt zudem Biogasanlagen. Diese und weitere Biomasse-Herzwerke gibt es in der ganzen Region. Die Waldorfschule Braunschweig und die Gesamtschule Wennigsen haben Heizwerke, die mit Hackschnitzeln von Clemens von König funktioniert.

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