„Deutschland ist eine der besten Medizinstätten weltweit!“

Udo Kolm, Braunschweiger Facharzt für Innere Medizin, engagiert sich in einer Organisation, die Motorradfahrern deutschlandweit hilft

Internist und Harley- Davidson-Fahrer: Facharzt Udo Kolm in seinen Elementen. Foto: Praxis Udo Kolm

Schwarze Kutten mit Totenschädeln, laut dröhnende Maschinen und ein rasanter Tross von dunkel gekleideten Bikern – wer jetzt an einen Motorradclub denkt, liegt ganz richtig. Doch die „Medical Knights“ sind nicht nur irgendein Motorradclub und mittendrin ist Udo Kolm, Facharzt für Innere Medizin. Er engagiert sich in dieser Organisation, die Motorradfahrern deutschlandweit hilft, Erste-Hilfe-Maßnahmen und Notfallversorgungen durchzuführen. Hauptberuflich arbeitet der Braunschweiger in seiner Privatfachpraxis für Innere Medizin, Rettungsmedizin, Coloproktologie (BCD) und Gastroenterologie, die er seit dem Jahr 2000 betreibt.

In seiner Praxis in der Innenstadt Braunschweigs versorgen insgesamt acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter eine zweite Ärztin, die Patienten. Nach vielen Jahren im Krankenhausbetrieb war es Udo Kolm wichtig, eine eigene Praxis zu eröffnen, in der er voll und ganz hinter seinen eigenen Entscheidungen stehen kann. „Das war eine Herausforderung! Es kamen so viele neue Aufgaben neben den medizinischen dazu. Gut, dass ich viel Unterstützung von meiner Frau hatte“, verrät er mit einem Schmunzeln. Den Schritt in die Privatpraxis machte der Facharzt vor rund einem Jahr. Ein ausschlaggebender Grund dafür war seine eigene Behandlungsphilosophie. „Ich betrachte den Menschen immer als Ganzes. Viele Patienten kommen mit  ganz verschiedenen Puzzleteilen von Beschwerden zu mir, da reicht es nicht, sich auf ein Fachgebiet zu beschränken. Aber das starre Kassensystem gab mir manchmal nicht die Möglichkeit, Patienten, die mehr Zuwendung benötigten, ausreichend zu behandeln.“

Die Entscheidung fiel dem Arzt dennoch schwer, denn sie bedeutete auch, Bindungen zu treuen Patienten aufzugeben. Aber er bereut den Schritt nicht. „Am Ende des Tages ist es das beste Gefühl, wenn man weiß, dass man den Patienten helfen konnte.“ Dabei bedeutet helfen leider nicht immer heilen. Wenn Udo Kolm unheilbare Krankheiten diagnostizieren muss, steht für ihn die Lebensqualität des Menschen im Vordergrund. „Unser Leben ist nicht unendlich und wir sollten es möglichst positiv, ohne Beschwerden und ohne Ängste leben können.“ Dabei ist das offene Gespräch für ihn eines der besten Werkzeuge.

„Wichtig ist vor allem, dass man offen ist für Neues und dass man weiß, dass man nie alles weiß. Medizin ist im Fluss“, beschreibt Udo Kolm. Er bildet sich regelmäßig fort und informiert sich über neue medizinische Methoden, selbst wenn diese in Deutschland noch lange nicht Thema sind. Dabei hat er bereits praktische Erfahrungen im nordamerikanischen, englischen und arabischen Sprachraum gesammelt und ist Mitglied in der gastroenterologischen Gesellschaft. „Unser System hier ist etwas verkrustet und langsam, aber dennoch gehört Deutschland zu einer der besten Medizinstätten weltweit“, sagt Udo Kolm. Viele wertvolle Erfahrungen konnte der Arzt auch während seiner Zeit als Teamarzt in der Formel 1 sammeln. „Im SafetyCar hinter den Rennwagen zu fahren, ist schon beeindruckend. Dazu kommt ein internationales Team mit einem außergewöhnlichen Austausch, große Verantwortung für die Sportler und die Erkenntnis, wie viel man auch unter enormem Druck leisten kann.“


Illuminierter Empfangsbereich. Foto: Praxis Udo Kolm

Als eine der ersten Praxen hat Udo Kolm den Einsatz von Lachgas wieder eingeführt. Es ermöglicht eine schmerzfreie Behandlung, nach der man sehr schnell wieder aufstehen und auch Autofahren kann. Ebenfalls sehr fortschrittlich ist seine Praxis im Gebiet der Lasertherapie, die eine ambulante Behandlung zulässt, aus der ein Patient ohne offene Wunden entlassen werden kann. Mit Blick auf die Zukunft sieht der Facharzt für sein Spezialgebiet die größten Innovationspotenziale im Bereich der künstlichen Intelligenz. „Ein großer Trend werden Nanobots sein. Das sind kleine Roboter, mit denen es möglich werden könnte, Krankheiten ganz gezielt und aktiv am Ort der Krankheit zu bekämpfen.“

Dazu werden die Roboter mit Medikamenten bestückt und von den Patienten geschluckt – danach können sie von außen gesteuert werden. Nicht nur die Medizin wird sich durch die Forschung immer weiterentwickeln, auch die Menschen werden für das Thema sensibilisiert und achten auf ihre Lebensweisen. „Wir haben heute extrem fitte 80-Jährige, das ist sehr gut. Probleme frühzeitig zu erkennen und dagegen anzukämpfen, ist wichtig. Aber man muss bei allem Fortschritt auch lernen, Dinge zu akzeptieren, die sich im Alter verändern, egal wie vorsichtig wir sind.“ Seine Tipps um fit zu bleiben: Psychohygiene. Viele persönliche Kontakte, sich vom Alltag befreien, mal ein Buch lesen und etwas tun, wofür man brennt. In Udo Kolms Fall ist das sein Engagement im Motorradclub „Medical Knights“.

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