„Ich habe immer die schweren Fälle bekommen“

Sebastian Ebel, Vorstandsmitglied der TUI AG und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA, im Interview

Sebastian Ebel, Vorstandsmitglied der TUI AG und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA. Foto: Merle Janßen

Sebastian Ebel, Vorstandsmitglied der TUI AG und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA. Foto: Merle Janßen

Zwei der schönsten Dinge, die Menschen weltweit begeistern, sind Urlaub und Fußball. Sebastian Ebel hat täglich damit zu tun. Als Mitglied des Vorstands der TUI AG verantwortet er die drei Wachstumsfelder Hotel- und Kreuzfahrtgeschäft sowie Destination Experiences. Aktivitäten, wie Transfer, Gäste-Betreuung und Ausflüge in den Urlaubsländern sowie den weltweiten Hoteleinkauf werden hier gebündelt. Zudem ist der 55-jährige Braunschweiger seit zehn Jahren Vorsitzender des Aufsichtsrates der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA. Doch damit nicht genug, ist der ehemalige Vorstopper auch noch Aufsichtsratsvorsitzender der Eves Information Technology AG und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der BRW Finanz AG. Wir trafen den Manager und Vater von fünf Kindern vor dem Saisonstart des neu formierten Teams von Eintracht Braunschweig zum Interview im Eintracht-Stadion.

Herr Ebel, eine Urlaubsreise pro Jahr ist für die meisten Deutschen selbstverständlich. Wie oft und wo machen Sie Urlaub?

Zu selten. Wenn bloß der Fußball nicht wäre (lacht). Ich fahre dieses Jahr wieder an die Ostsee. Auf der Insel Fehmarn besitzt meine Familie ein Domizil.

30 Prozent ihrer Urlaube verbringen die Deutschen mittlerweile im eigenen Land. Was macht Deutschland attraktiv?

Wir verzeichnen ein globales Wachstum im Tourismus. Es gibt einen starken Trend zur Flug- und Fernreise sowie auch zu Kreuzfahrten, was ein deutlich wachsendes Segment ist. Aber auch der Tourismus in Deutschland wächst, was viel mit dem guten Wetter zu tun hat. Darüber hinaus haben viele Hoteliers in die Infrastruktur investiert und das Destinationsmanagement hat sich vielerorts verbessert. Neben höheren Einkommen und mehr verfügbarer Zeit trägt diese Produktverbesserung ihre Früchte. Deutschland entwickelt sich gut, hat aber noch riesige Potenziale. Das müssen wir nur noch viel besser vermarkten. Das gilt auch für unsere Region.

Wie lauten Ihre Reisetipps für Standort38-Leser?

Im Frühjahr war ich in einem Hotel in der Medina von Essaouira in Marokko. Dort ist es wunderschön. Ein europäischer Standard, stark frankophil, verbunden mit einem reichhaltigen Kulturerlebnis. Wer noch nie in Marrakesch war, hat viel verpasst. Das gibt es nirgendwo auf der Welt: Paläste, Moscheen, labyrinthische Gassen, einen Gauklermarkt, Schlangenbeschwörer, ganz viel Kunsthandwerk – und das alles mit viel Offenheit und Liberalität. Marokko ist ein sicheres Land. Und wenn man sich beispielsweise das Autobahnnetz anschaut, könnte manch ein europäisches Land froh darüber sein. Marokko ist einzigartig auf der Welt. Um einen Gegenpunkt zu setzen, empfehle ich auch Israel. Tel Aviv ist das New York an der Mittelmeerküste. Ein Hotel benötigt man dort nicht unbedingt. Tel Aviv ist immer noch ein absoluter Geheimtipp, gerade für einen Städtetrip. Dazu Jerusalem, die alte Hafenstadt Akko, die Bucht von Haifa, die von einer bis zu 150 Meter starken Festungsanlage umgeben ist oder der See Genezareth und die Wüste Negev. Mit Eilat findet man hier zudem ein bisschen was von Las Vegas am Roten Meer. Der dritte Reisetipp ist Sri Lanka, im Indischen Ozean. Diese Inselnation macht für mich Asien mit all jenen positiven Dingen aus, wofür dieser Erdteil steht: Die Qualität, die Freundlichkeit, das Essen – alles sehr stark britisch geprägt. Mit wunderschönen Stränden, wildem Urwald, religiösen Tempeln bis hin zu einem riesigen Monolithen im Innern des Landes.

Schon Goethe meinte in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“. Was lernen Sie auf Ihren Reisen?

Es gibt sehr viele Vorurteile der Menschen in der Welt, die man nach dem Besuch eines Landes anschließend über den Haufen werfen kann. Jedes Land ist mehr als seine Regierung. Man kann ein Land lieben, ohne die politische Richtung gut zu heißen. Reisen hilft zu verstehen, differenzierter zu sein, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren – in beiden Richtungen. Tourismus ist neben dem menschlichen Verständnis aber auch ein großer wirtschaftlicher Faktor. Viele Länder, in denen durchgehend keine gute Ausbildung vorhanden ist, sind durch eine hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Da ist Tourismus ein Jobmotor, der vielen Menschen ein auskömmliches Einkommen garantiert und Möglichkeiten für einen gesellschaftlichen Aufstieg bietet.

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