Die Business-Brüder!

Fatih, Enes und Abdul Aziz Özdemir aus Goslar beschäftigen bei ihrem Online-Handel Outlet46 mehr als 50 Mitarbeiter und haben im vergangenen Jahr über 1 Million Pakete versendet

Fatih, Enes und Abdul Aziz Özdemir aus Goslar betreiben den Online-Handel Outlet46. Foto: Holger Isermann

Das Industriegebiet Jerstedt ist eigentlich kein Ort für schillernde Marken und Menschenmassen. Doch auf dem früheren Firmengelände von Auto Wilde – zwischen dem LaminatXpress Goslar und der Autoverwertung Willi Bögershausen – schauen Monat für Monat mehr als eine Million Kunden auf der Suche nach einem Polo-Shirt oder Nike-Sneakern vorbei. Sehen kann man davon freilich nichts. Denn hinter Outlet46 steckt eine beeindruckende Unternehmergeschichte, die sich vor allem in den verborgenen Weiten des Internets abspielt.

Als Fatih, Enes und Abdul Aziz Özdemir ihr erstes Geld verdienen, zahlt man in Deutschland noch mit D-Mark und das Internet gilt laut Bravo als Medium für Freaks. Die Welt schreibt damals: „Das Internet wird kein Massenmedium.“ Auch die Özdemir-Brüder beginnen ihre ersten Schritte analog. Sie sammeln Hausrat bei Verwandten oder im Bekanntenkreis ein und verkaufen die gebrauchten Schätze auf Flohmärkten in und um Goslar. Beim Altstadtfest in der Kreisstadt verdienen sie an einem Tag 300 D-Mark. „Da haben wir Feuer gefangen“, erinnert sich Fatih Özdemir und lehnt sich in seinem braunen Lederstuhl zurück. Sie beginnen sich zu professionalisieren: Ihre Waren beziehen die drei immer häufiger aus Bücherkisten, von Hotels oder anderen Unternehmen. Schon beim Aufbau kaufen sie bei Nachbarständen Ü-Ei-Figuren oder andere Waren, die einen höheren Wiederverkaufspreis versprechen. „Wir haben einfach die Desinformation des Marktes genutzt.“

Das Internet lernen die Özdemirs zunächst als Kunden kennen. Fatih ist der Älteste und meldet sich bei Ebay an, nachdem er Boris Beckers legendäre „Ich bin drin“-Werbung im Fernsehen gesehen hat. Der erste der Kauf ist ein Ralph Lauren Poloshirt. „So etwas gab es damals in Goslar nicht zu kaufen – und schon gar nicht zu diesem Preis.“ Das positive Einkaufserlebnis hat den 14-Jährigen schließlich vom Kunden zum Händler gemacht. Seine Brüder ziehen schon damals mit. Zwischenzeitlich jonglieren sie mit drei verschiedenen Ebay-Accounts. Es gibt unterschiedliche Konditionen und Waren, „das  hat funktioniert. Wir haben aus dem Kinderzimmer heraus vielleicht zwei Kleidungsstücke pro Tag verkauft.“

Die größte Herausforderung ist zu dieser Zeit das Sourcing hochwertiger Marken-Kleidung. Denn die drei sind noch minderjährig, haben kaum Kapital und vor allem keinen Namen in der Branche. Doch nach und nach können sie durch Recherche und Fleiß sowie einige Zufälle das Händlernetz vergrößern. Als Fatih das Abitur in der Tasche hat, beginnt er, Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Clausthal zu studieren und sie gründen Outlet46 „Das war der Deal mit unseren Eltern. Erst der Schulabschluss, dann das Unternehmen.“ Das entwächst bald dem Kinderzimmer und zieht in eine leer stehende Wohnung um. Eine Teilzeitkraft übernimmt fortan den Versand.

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