Das Gegenteil von statisch

Thomas Krause, Vorstand der Wolfsburg AG, verantwortlich für Mobilität und Energie, über die Entwicklung der IZB-Messe, Chancen der Digitalisierung und die Zukunft der Elektromobilität.

Thomas Krause, Vorstand der Wolfsburg AG. Foto: Holger Isermann

Thomas Krause, Vorstand der Wolfsburg AG. Foto: Holger Isermann

Herr Krause, wie verlief Ihr Weg zur Wolfsburg AG?

Nach einer Bankausbildung und einem Studium der Wirtschaftsgeographie bin ich 1996 zur EU-Kommission nach Brüssel und Hannover gekommen und habe kleine und mittelständische Unternehmen beraten. Anschließend war ich bei der niedersächsischen Agentur Technologietransfer und Innovation tätig, bevor es mich zur Wolfsburger Wirtschaftsförderung zog. Von hier wechselte ich in die Strategische Planung und Stadtentwicklung bei der Stadtverwaltung. Seit 2007 bin ich Mitglied im Vorstand der Wolfsburg AG und dort zuständig für die Bereiche Mobilität, Energie und Verkehr.

Fühlen Sie sich, nach so vielen beruflichen Stationen, in Ihrem Job angekommen?

Auf alle Fälle. Ich habe das Privileg, die sehr positive Entwicklung der Stadt Wolfsburg und der gesamten Region aktiv mitgestaltet zu haben und dies auch in Zukunft tun zu können. Diese Region ist das Gegenteil von statisch. Das liegt auch an der Geschichte, die kulturell, politisch und wirtschaftlich von Heterogenität geprägt ist. Und das erklärt, warum sich hier so viele verschiedene dynamische Unternehmenscharaktere herausgebildet haben.

Die Internationale Zuliefererbörse (IZB) feiert im Oktober ihre zehnte Auflage. Was waren die Gründe für den Start der Messe?

Die Idee zur Messe ist Ende der 90er Jahre bei der Wolfsburg AG entstanden. Es gab damals, aufgrund der neuen Just-in-time-Produktionsstrategie von Volkswagen, die Notwendigkeit, viele Lieferanten im unmittelbaren Umfeld anzusiedeln. Diese sollten technologieorientiert und innovationsbezogen sein – und den Kosten- und Qualitätsanforderungen von VW entsprechen. Um die Lieferanten zu binden, wollten wir ein Netzwerk bilden und eine gemeinsame Plattform schaffen. Das war die Internationale Zuliefererbörse, wobei der Name anfangs vielleicht noch etwas hochgegriffen war (lacht).

Wie viele Austeller waren bei der IZB-Premiere dabei?

Im Jahr 2001 waren 128 Aussteller aus sechs Nationen im Congress Park Wolfsburg vertreten – das war für damalige Verhältnisse, mit 13.500 Besuchern, ein großer Erfolg. Das Ganze hatte aber mehr einen lokalen Charakter, und nicht die Bedeutung einer international wichtigen Messe. 2018 haben wir über 800 Aussteller aus 34 Nationen, die auf 38.000 Quadratmetern in sieben Themenhallen ausstellen. Wir rechnen wieder mit 50.000 Besuchern.

Gibt es weltweit vergleichbare Messen wie die IZB?

Die anderen großen Automobilmessen versuchen immer wieder den Bereich Zulieferer zu integrieren – in der thematischen Bandbreite, wie dieser auf der IZB präsentiert wird, gibt es das aber nirgendwo.

Welche Aussteller würden Sie sich noch wünschen?

Wir haben uns darüber gefreut, dass vor zwei Jahren unter dem Schwerpunkt „Digitalisierung“ erstmals Samsung bei uns vertreten war – das hatte sich vor vier Jahren noch nicht abgezeichnet. Freuen würden wir uns in diesem Kontext über jene Unternehmen, die seit einigen Jahren kommunizieren, dass sie die Mobilität revolutionieren und die klassischen Automobilhersteller disruptieren: Apple oder Google zum Beispiel. Angefragt haben sie aber noch nicht.

Die IZB besitzt nicht die Strahlkraft einer Cebit in Hannover oder IAA in Frankfurt. Bedauern Sie das?

Damit können wir gut leben. Wir hatten nie den Anspruch, eine Publikumsmesse zu sein und wollten auch nicht in Konkurrenz mit dem Pariser Autosalon oder der Detroit Auto Show treten. Bei uns sieht man die Komponenten, nie das ganze Auto. Man sieht neue technische Lösungen und Innovationen. Wir sind von jeher eine Fachmesse und setzen viel daran, das auch zu bleiben. Das ist ein Stück unseres Erfolgsgeheimnisses.

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