23. Juni 2022
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Der Schreibtisch von Pascal Abel

Gründer und Geschäftsführer des DenkRaums

Pascal Abel ist Gründer und Geschäftsführer des DenkRaums. Foto: Michèle Förster

„Eigentlich hätte ich jetzt Ingenieur sein und Energieanlagen planen sollen“, sagt Pascal Abel, als wir ihn zum Interview in der weitläufigen Halle des DenkRaums im Wilhelmsgarten in Braunschweig treffen. Die Räumlichkeiten, in denen Workshops und Veranstaltungen stattfinden können, verströmen einen urbanen Loft-Charakter. Retro-Samtsofas, Grünpflanzen und selbstgebaute Palettenmöbel bilden einen spannenden Kontrast zum industriellen Betonboden. Der 36-Jährige hat ursprünglich Energie- und Gebäudetechnik studiert, sich auf regenerative Energien spezialisiert und einen Masterabschluss in Technologie-orientiertem Management an der Technischen Universität Braunschweig gemacht. Dass schließlich alles anders kam, verdankt Abel einer Einsicht: Wenn es um Nachhaltigkeit geht, entscheidet der Mensch – nicht die Maschine.

Angetrieben vom Wunsch, etwas zu verändern, gründete er 2018 schließlich den DenkRaum in der Nähe des Braunschweiger Hagenmarkts. Der urban und offen gestaltete Workshop- und Veranstaltungsort soll nicht nur gemeinwohlorientierten Organisationen einen Raum zum Verwirklichen ihrer Ideen bieten, sondern zudem Unternehmer:innen aus der Region vernetzen, erklärt Abel. „Ich war schon immer davon überzeugt, dass Unternehmerinnen und Unternehmer einen großen Anteil an der Gestaltung der Gesellschaft haben – und Braunschweig ist eine Unternehmerregion, wie sie im Buche steht.“

Eine Vision für Brauschweig

Für einen gesellschaftlichen Wandel zur Nachhaltigkeit braucht es auch eine Atmosphäre des Miteinanders, ist sich Abel sicher. „Wir müssen uns auf das Kollektiv besinnen“, fordert er. „Deshalb ist meine Vision für Braunschweig eine sehr partizipative. Die Frage ist: Was schaffen wir, wenn wir den 250.000 Menschen die Möglichkeit geben, sich am Wandel zu beteiligen?“

Die Geschäftsführung des DenkRaums, die Abel neben seiner Doktorandenstelle an der TU Braunschweig ausübt, nimmt viel Zeit in Anspruch. Reich werde man damit nicht, bekräftigt er und das sei auch okay so. „Mich treibt nicht das Geld an, sondern der Gedanke, etwas bewegen zu können.“ In den vergangenen beiden Pandemie-Jahren hat Pascal Abel sich zudem ein weiteres Standbein mit Coaching aufgebaut: Das DenkRaum-Team berät Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien. Insbesondere auf die Nutzung von nachhaltiger Energie legt Abel auch privat wert. Eine Photovoltaikanlage hat der zweifache Vater zuhause bereits installiert, nun soll auch auf dem Dach des DenkRaums eine errichtet werden.

Jeder darf mitentscheiden

Wichtig ist Pascal Abel bei seinen Projekten stets der Gemeinschaftsgedanke. Das prägt auch sein Verständnis von guter Geschäftsführung. „Ich möchte Voraussetzungen schaffen, in denen andere gut arbeiten können“, erzählt der Wahlbraunschweiger. „Erst mit ausreichend Freiraum kann etwas Großes entstehen. Und als Unternehmer wünsche ich mir doch, dass möglichst viel von dem, was die Menschen hier tun, Einfluss hat.“ Abel setzt auf flache Hierarchien und kurze Kommunikationswege – das Unternehmen funktioniert im Sinne des New Work-Ansatzes. In der Praxis bedeutet das, dass alle Mitarbeiter:innen des DenkRaums entscheidungsberechtigt sind. Das sei letztendlich nur vernünftig, meint Abel. Denn einer Person sei es schlichtweg nicht möglich, alles zu überblicken.

„Die Voraussetzung dafür ist ein vorgegebener Rahmen, in dem Entscheidungen getroffen werden können.“ Dabei setzt er auf ein weiteres New Work-Konstrukt, die sogenannte Beratungsentscheidung: „Jeder darf mitbestimmen, muss seine Entscheidung aber tragen können“, erklärt Abel. „Etwa, wenn sie sehr komplex ist, oder Auswirkungen auf andere im Unternehmen hat.“ Dann müsse zusammen beraten werden. Und wenn eine falsche Entscheidung getroffen wird? „Dann reflektiert man und macht es das nächste Mal besser“, lautet die unbefangene Antwort.

Ingenieur, Gründer und Manager – langweilig wird es Pascal Abel wohl nicht. In eine berufliche Schublade will sich der gebürtige Lüneburger jedoch nicht stecken lassen. „Ich möchte mein Wissen sinnvoll einsetzen und damit natürlich auch Geld verdienen. Und solange es kein unternehmerisches System gibt, das mir vollständig gefällt, muss ich es eben selbst gestalten.“

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