„Wir sind systemrelevant, weil Schule ohne uns nicht funktioniert“ - Standort38
20. Oktober 2020
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„Wir sind systemrelevant, weil Schule ohne uns nicht funktioniert“

Das Braunschweiger Unternehmen IServ stellt 1.700 deutschen Schulen kostenlos seine Software zur Verfügung

Geschäftsführer Jörg Ludwig und Benjamin Heindl. Foto: IServ.

An einem Donnerstag Mitte März hat die Corona-Pandemie auch die Schulen getroffen. Die Konsequenz: Schulschließungen. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass so schnell auch in den Schulen etwas passiert“, gibt Jörg Ludwig, Geschäftsführer der IServ GmbH, zu. „Aber wir haben uns noch am gleichen Abend zusammengesetzt und uns gefragt, was das für unser Produkt bedeutet.“ Schon vor 20 Jahren verfolgte Jörg Ludwig als Schüler mit einem Projekt in der Computer-AG ein Ziel: digitale Kommunikation für alle Schüler. „Wir sind selber als Schülerfirma gestartet und wollen einen Austausch über das Schulgelände hinaus ermöglichen, sodass man von zuhause und überall in Kontakt bleiben kann.“ Nach der Schule gründete er neben dem Informatik-Studium sein Unternehmen, um genau das zu ermöglichen. Im März dieses Jahres ist dem Geschäftsführer daher direkt klar: „Wir müssen den Schulen sofort helfen.“

Das neue Videokonferenzmodul, das IServ im Zuge
der Schulschließungen kurzfristig entwickelt hat. Foto: IServ.

Kostenlose Software
Noch am selben Abend wird ein Entschluss getroffen, am nächsten Tag geht eine Pressemitteilung raus. „Dort stand drin, dass wir allen Schulen in ganz Deutschland bis zu den Sommerferien kostenlos unsere Software zur Verfügung stellen.“ Und das mit all den Modulen, die man beim Distance Learning braucht: Hausaufgaben, Datei-Austausch, E-Mail, Messenger und Videokonferenzen. „Die Woche nach den Schulschließungen haben wir die Schulen gezielt angeschrieben und angeboten, kurzfristig zu helfen.“ Dankbar wird das Angebot angenommen, innerhalb von wenigen Wochen wird IServ in insgesamt 1.700 Schulen installiert.
„Natürlich ist das für die Schulen erstmal ein gewisser Aufwand, weil die Benutzer angelegt werden müssen“, sagt Ludwig. Um diesen möglichst gering zu halten, produziert er mit seinem Team Erklärvideos für die Schulen. Die Resonanz bisher ist durch und durch positiv: „Wir haben ein Monitoring, mit dem wir sehen können, wie stark die Module genutzt werden – und wir sehen, dass 90 Prozent der Schulen beispielsweise die Videokonferenzen und Hausaufgabentools intensiv nutzen“, sagt Ludwig. „Man kann so weit gehen und behaupten, wir sind systemrelevant, weil Schule ohne uns nicht funktioniert“, ergänzt er.

Digitalisierung auf Augenhöhe
Die Länder hingegen hätten zehn Jahre lang geschlafen und kämen jetzt erst auf die Idee, eine eigene Lösung aufzubauen – und würden dafür zig Millionen Euro Steuergeld ausgeben. „Aber die haben oft keine eigenen Programmierer und sind weit weg von Schule“, gibt Ludwig zu bedenken. Außerdem würden die Schulen dadurch aufgehalten werden, weil nicht die Programme genutzt werden, die bereits am Markt sind, sondern auf die Lösung vom Bund gewartet werde. „Und warten ist genau das, was uns das Problem beschert hat“, sagt Ludwig. Heute würde keine Schule mehr die Notwendigkeit der Digitalisierung anzweifeln – und genau hier möchte Ludwig seinen Kunden helfen. Nicht irgendwann, sondern genau jetzt – in der Krise.
Schon immer ist es dem Geschäftsführer dabei ein Anliegen gewesen, mit seinen Kunden auf Augenhöhe zu kommunizieren. Von Anfang an steht er mit den Schulen im direkten Kontakt und geht gezielt auf deren Wünsche ein, so auch während der Pandemie. „Das ist jetzt der Durchbruch, auf den wir 20 Jahre gewartet haben“, sagt er sichtlich zufrieden. Darauf ist der Geschäftsführer stolz. „Unsere Leute haben echt viel geleistet in den letzten Monaten und ich bin unglaublich dankbar, dass alle Mitarbeiter so gut mitgezogen sind.“ Über die letzten Jahre konnte IServ seine Mitarbeiterzahl von 30 auf 75 verdoppeln, durch die vielen neuen Bestellungen möchte Ludwig nun noch einmal expandieren und die Mitarbeiterzahl ein zweites Mal verdoppeln, um weiterhin die Schulen bestmöglich unterstützen zu können.

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