7. Mai 2019
Aus der Region

Bauboom, Investoren und eine Fusion

Gifhorn zwischen Wandel und Stabilität

Foto: lurii/Fotolia

Für die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Landkreises Gifhorn sei ein konsequenter Ausbau der Infrastruktur von sehr hoher Bedeutung. Dies gelte für Autobahn, Straßen, Häfen, Wasser- und Schienenwege. „Nur durch den Erhalt, die Schaffung und den Ausbau der vorgenannten Infrastruktur kann es gelingen, dass die Region des Landkreises Gifhorn für Investoren, Familien und Fachkräfte interessant wird und bleibt“, so Ebel.

Das neue Bertrandt-Fahrzeug-Emissions-Prüfzentrum
in Tappenbeck soll 2020 fertiggestellt sein. Foto: Bertrandt

Unternehmen

Zu den größten Arbeitgebern im Kreis Gifhorn gehören die Continental Teves AG, die Bertrandt GmbH sowie Hönigsberg & Düvel. Der IT-Dienstleister gehört seit gut einem Jahr zum indischen Unternehmen HCL Technologies. „H&D blickt auf eine langjährige Erfolgsgeschichte bei der Erbringung hochwertiger Dienstleistungen zurück und wir sind zuversichtlich, dass dies eine wichtige Rolle bei unserem kontinuierlichen Wachstum in Deutschland spielen wird“, sagte der HCL-Vizepräsident Ashish Gupta bei der Übernahme.

Seitdem haben einige weitere Gifhorner Unternehmen den Besitzer gewechselt. Das berühmteste Beispiel: der Traditionsfleischer Gmyrek. Er wurde im Dezember von der britischen Beteiligungsgesellschaft Equistone gekauft und ist seitdem ein Teil derer „Group of Butchers“ – die Schlachtergruppe. Erst vor wenigen Monaten verkauften auch die Inhaber des mittelständischen High-Tech-Familienunternehmens RPT Rapid Prototyping die Mehrheit ihrer Anteile an einen Investor – in diesem Fall allerdings aus der Region. Die Braunschweiger Beteiligungsgesellschaft Realkapital Mittelstand übernahm 75 Prozent der Unternehmensanteile.

Andere große Arbeitgeber stammen ohnehin aus anderen Regionen und betreiben in Gifhorn Standorte. Dazu zählen IAV, Continental und Bertrandt. Letzterer baut derzeit im großen Stil am Standort Tappenbeck. Dort entsteht ein neues Fahrzeug-Emissions-Prüfzentrum. Damit lege das Unternehmen den Grundstein für die Absicherung von Antriebskonzepten der Zukunft und erweitere das Leistungsspektrum. Außer klassischen können damit auch weitere Antriebskonzepte wie Hybrid- oder Elektroantriebe umfassend getestet und abgesichert werden. Die Fertigstellung ist für den Sommer 2020 geplant. „Mit dem neuen Prüfzentrum können wir unsere Partner noch umfassender unterstützen. Neben verschiedenen Messungen werden wir auch weiterhin moderne Entwicklungen liefern können“ beschreibt Bertrandt-Geschäftsführer Sven Neumann die Bedeutung des Neubaus. Durch das erweiterte Leistungsangebot werden rund 100 zusätzliche Arbeitsplätze am Standort in Tappenbeck
entstehen.

Außerdem baut das Unternehmen ein neues Parkhaus, „um den steigenden Mitarbeiterzahlen gerecht zu werden“, heißt es vom Unternehmen. Es wird mehr als 1.000 Parkplätze bieten und eine Gesamtgeschossfläche von mehr als 27.000 m² umfassen. Dafür wird derzeit zudem ein weiterer Verkehrsknoten an der B248 gebaut.

Gerhard Döpkens, Vorsitzender des Vorstandes der
Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg. Foto: Holger Isermann

Sparkassen-Fusion

Einer der größten Arbeitgeber im Landkreis – die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg – steht vor großen Veränderungen. Die Fusion mit der Sparkasse Celle ist beschlossene Sache. Es entsteht die fünftgrößte Sparkasse Niedersachsens mit einer Bilanzsumme von 6,4 Milliarden Euro, 1.200 Mitarbeitern, 225.000 Kunden und einem Kundengeschäftsvolumen in Höhe von zwölf Milliarden Euro. Sitz für die Hauptstelle und den Vorstand wird in Gifhorn sein. „Mit dem Votum für die Fusion ist eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen worden. Davon werden Kunden, Mitarbeiter, die Region und schließlich auch die Sparkasse selbst spürbar profitieren“, sagt Landrat Ebel. Der Gifhorner Landrat führt den Verwaltungsrat der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg und wird auch der erste Verwaltungsratsvorsitzende der fusionierten Sparkasse.

Träger der fusionierten Sparkasse sind der Landkreis Gifhorn (30 %), die Stadt Wolfsburg (20 %), der Landkreis und die Stadt Celle (jeweils 25 %). Die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg wird die Sparkasse Celle juristisch und technisch aufnehmen. Stefan Gratzfeld und Kay Hoffmann werden ihre Positionen in den Sparkassen Celle und Gifhorn-Wolfsburg als Vorstandsvorsitzender und stellvertretender Vorstandsvorsitzender in der fusionierten Sparkasse fortführen, Dr. Patrick Kuchelmeister aus Celle wird das Vorstandstrio komplettieren. Der heutige Vorsitzende des Vorstandes der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Gerhard Döpkens, und Vorstandsmitglied Klaus Lüdiger werden dem künftigen Vorstand altersbedingt nicht mehr angehören.

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