9. Februar 2016
Arbeit & Bildung

Droht den Metallern Stellenabbau?

Die Betriebe planen Kürzungen, die IG Metall warnt vor Panik

Niedersachsen-Metall-Chef Volker Schmidt. Foto: Gossmann

Dagegen plane rund ein Drittel der Betriebe, freiwerdende Arbeitsplätze entweder nicht neu zu besetzen oder sogar konkrete Stellenstreichungen vorzunehmen. Das gelte vor allem für Metallbetriebe, die die kriselnde Öl- und Gasindustrie beliefern. Fast ein Drittel der Betriebe sei verunsichert und fahre einen Sparkurs. Die IG-Metall kritisierte die Aussagen umgehend als Panikmache und „ritualisiertes Gejammer“.

Niedersachsen-Metall-Chef Volker Schmidt verwies auf die Krisenherde im Nahen und Mittleren Osten sowie auf die hartnäckige Rezession in wichtigen rohstoffabhängigen Märkten wie Brasilien, Russland, Mexiko und Venezuela. „Dazu kommt die Unsicherheit über das wahre Ausmaß des Abschwungs in China, über die Bewältigung der Zuwanderung von Flüchtlingen nach Europa, über den Ausgang der bevorstehenden Tarifrunden und nicht zuletzt speziell unter den Autozulieferern über das Ausmaß der Absatzkrise bei Volkswagen“, sagte der Verbandschef.

Bei den Metallern läuft Ende März der Tarifvertrag aus. Die IG Metall will 5 Prozent mehr Geld, sie hält die Argumentation der Arbeitgeber für überzogen, von Krisenstimmung sei gar nichts zu erkennen. Schmidt entgegnete, dass schon die vorherigen Abschlüsse am Limit gewesen seien: „Allein zwischen 2012 und 2015 sind die Tariflöhne in der Metall- und Elektroindustrie um 14 Prozent gestiegen. Gerade der letzte Abschluss war in Niedersachsen höchst umstritten.“

Damals hatte die IG Metall 5,5 Prozent gefordert. Am Ende gab es 3,4 Prozent bei 15 Monaten Laufzeit, die jedoch zwei Nullmonate ohne eine Erhöhung und eine Einmalzahlung beinhalteten. Schmidt warnte, dass sich mittlerweile jedes dritte Unternehmen vorstellen könne, bei einem unzumutbar teuren Tarifabschluss den Flächentarif zu verlassen.

„Dieses ritualisierte Gejammer wird die Beschäftigten nicht davon abhalten, eine angemessene Forderung aufzustellen“, stellte am Freitag IG- Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine klar. Derzeit würde in den Betrieben noch der Forderungsrahmen diskutiert. „Während die IG Metall diesen intensiven Prozess führt, betreiben die Arbeitgeber eine unverantwortliche Stimmungsmache und spekulieren düstere Prognosen herbei.“

Schmidt betonte, dass der konsumgetriebene Aufschwung in Deutschland die Lage der Industrie kaschiere. Der Ölpreisverfall sei positiv für die Geldbörsen der Menschen, die Inflation tendiere gegen Null und hohe Tarifabschlüsse mit Reallohngewinnen ließen den Konsum brummen, wovon die Industrie aber wenig habe. „Denn die privaten Verbraucher kaufen in der Regel keine Schiffsgetriebe oder Werkzeugmaschinen.“

Außerdem beklagte Schmidt schrumpfende Investitionspläne im vierten Jahr in Folge. Fast jedes dritte Unternehmen nehme im Vergleich zum ohnehin schon schwachen Jahr 2015 die Ausgaben, beispielsweise für neue Maschinen, weiter zurück. „Wer pessimistisch in die Zukunft blickt, hält sich auch mit Investitionen zurück“, sagte Schmidt.

Dieser Artikel ist am 05.02.2016 in der Braunschweiger Zeitung erschienen. Weitere Nachrichten und alles Wissenswerte aus Braunschweig, Wolfsburg und der Region38 finden Sie auf
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