13. Juli 2016
Aus der Region

IHK: Sorgen nach Brexit in Wolfsburg

Unternehmen fürchten sich vor allem vor bürokratischen Hindernissen wie neue Zollbestimmungen

Auch Wolfsburger Unternehmen betrifft der Brexit. Foto: Michael Kappeler/dpa

Die regionale Wirtschaft macht sich Sorgen um die Folgen des EU-Austritts Großbritanniens. Das ergab eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg. An ihr nahmen 131 von 200 Unternehmen, die in diesem Bezirk Export- oder Importverbindungen in das Vereinigte Königreich unterhalten, teil. 40 Betriebe unterhalten eine Niederlassung, Produktionsstätte oder Vertretung vor Ort.

Zollschranken befürchtet

Sie fürchten vor allem, dass sich bürokratischen Hindernisse zwischen den Ländern aufbauen. Drei von vier Firmen erwarten, dass Zoll- und sonstige Handelsschranken wiederaufgebaut werden. „So geht es vor allem kleinen und mittleren Unternehmen. Ihr Problem ist, dass sie nicht die Kapazität haben, um sich mit Zöllen und Einfuhrbestimmungen zu beschäftigen“, erklärt Lars Heidemann, Außenwirtschaftsberater der IHK. Er geht davon aus, dass diese Betriebe mindestens einen Mitarbeiter bräuchten, der sich ausschließlich mit neuen Handelspapieren vertraut macht. Die Betriebe rechnen auch damit, dass die Exporte an sich länger dauern. „Für Online-Händler, die Waren nach Großbritannien senden, wird das Ganze dann komplizierter“, so Heidemann.


Exportzahlen können sinken

Sobald der EU-Austritt erfolgt ist, gehen mehr als 60 Prozent der Befragten davon aus, dass ihre Exportzahlen einbrechen (siehe Grafik). Mit 56 Prozent erwarten ähnlich viele einen mittelfristig erfolgenden Importrückgang.
Für den zunächst anstehenden Verhandlungszeitraum zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich von etwa zwei Jahren erwarten die Unternehmen noch keine großen Auswirkungen. Nur 26 Prozent befürchten einen raschen Rückgang der Exporte.

„Viele warten jetzt erst einmal ab, wie sich das Ganze entwickelt“, sagt Heidemann. Da Großbritannien noch nicht festgelegt hat, wer die Austrittserklärung stellen wird, würden die Unternehmen gegenwärtig nichts an ihren Strukturen ändern wollen. 36 Prozent der Firmen können sich vorstellen, geringere Investitionen in Großbritannien zu tätigen.
Auch Volkswagen hatte direkt nach dem Brexit mitgeteilt, dass es noch zu früh sei, die Folgen des Brexits für den Konzern abzuschätzen. Grundsätzlich sei man solide und breit genug aufgestellt, um mit den anstehenden Veränderungen umzugehen.

Mitarbeiter werden abgezogen

Das kann für kleinere Betriebe schwieriger sein. Aber auch sie habe sich Lösungen überlegt.
So machte sich Ingo Harpel von der Wolfsburger satoli GmbH, die 
Software für humanoide Robotik entwickelt, weit vor der Abstimmung der Briten Gedanken um seine Handelsbeziehungen. „Wenn es Beschränkungen geben wird, können wir reagieren, indem wir uns umverlagern. Auf diese Weise wird es für uns keine negativen Auswirkungen geben“, sagt Harpel. Seine Firma hat den Vorteil, dass sie weltweit agiert. „Für uns hat das sogar positive Auswirkungen“, erklärt der Geschäftsführer, „denn wir bekommen dadurch die Möglichkeit, Leute nach Deutschland zu holen, die sonst in dem Vereinigten Königreich bleiben würden.“ Laut der Umfrage der IHK schließen über 20 Prozent der Befragten nicht aus, die Zahl ihrer Beschäftigten im Vereinigten Königreich zu reduzieren. „Viele denken, dass sich Großbritannien mit dem Brexit vor allem selbst einen schlechten Dienst erwiesen hat“, betont Heidemann von der IHK.

Dieser Artikel ist am 09.07.2016 in den Wolfsburger Nachrichten erschienen. Weitere Nachrichten und alles Wissenswerte aus Braunschweig, Wolfsburg und der Region38 finden Sie auf
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