2. Juni 2016
Aus der Region

Scanner messen künftig „Puls“ der Innenstadt

Besucherfrequenzen sollen bald digital erfasst werden. Sie liefern wichtige Daten für den Handel

In Zukunft sollen Besucherfrequenzen in Braunschweig digital erfasst werden. Foto: pixabay

Gute Straßen, schlechte Straßen wohin zieht es König Kunde? An welchen Schaufenstern bummelt er vorbei? Wo bleibt er stehen, wo kauft er ein? Kernfragen für den Braunschweiger Einzelhandel. Seit 2008, seit der Eröffnung der Schlossarkaden, werden in der Innenstadt Jahr für Jahr die Kundenströme gezählt. Bisher per Hand. Das soll sich nun ändern. Zukünftig will die Stadt Lasermessgeräte einsetzen. Im Herbst soll es losgehen.

Worum geht es?

Seit 2008 erfasst die Braunschweig Stadtmarketing GmbH, unterstützt durch den Arbeitsausschuss Innenstadt Braunschweig (AAI) und die Schlossarkaden, bereits die Frequenzen an sechs, seit 2010 an acht Punkten der Innenstadt (siehe Kasten). Ein Ergebnis: Es gibt offensichtlich eine Route, auf der König Kunde seine Runde durch die City dreht:

Sie führt vom Startpunkt Sack zur Schuhstraße. Weiter gehts den Damm hoch zum Bohlweg und zum Schloss. Meist am Portikus gelangt er dann in die Schlossarkaden, die er vor allem am Ritterbrunnen wieder verlässt. Dann wird, am Schlosscarree vorbei, der Lange Hof Richtung Dom angesteuert, schließlich Ausgangspunkt Sack, wo das Auto wartet.


Warum sind die Daten so wichtig?

Die neuen Laser-Daten sind laut Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa künftig eminent wichtig. Es gehe in erster Linie darum, die Auswirkungen des boomenden Online-Handels auf Innenstadtfrequenzen zu erfassen. Investoren würden hier, in Braunschweig, durch negative Aussagen über angebliche Frequenz-Rückgänge in deutschen Innenstädten abgeschreckt. Doch das alles stimme für Braunschweig nicht, stellt Leppa unter Hinweis auf bisherige Hand-Zählungen klar.

Die neuen, laserbasierten Messungen sollen das nun beweisen und Investoren davon überzeugen, nach Braunschweig zu kommen.


Wo befinden sich die Laser?

Einige Standorte stehen noch nicht definitiv fest. Verhandlungen mit Immobilieneigentümern würden noch geführt, heißt es. Klar ist: Gemessen wird am Hutfiltern und in der Schuhstraße.

Als sicher gilt auch der Standort Sack. Offen ist im Moment noch der Damm. Bislang habe man hier keine interessierten Eigentümer gefunden, heißt es.

Aufgrund der baulichen Struktur des Schlossplatzes bzw. der anliegenden Gebäude sei eine Erfassung durch Lasermessgeräte dort aktuell zu aufwendig. Alternative Erhebungsmöglichkeiten sollen deshalb geprüft werden.


Wie wird gemessen?

Für die lasergestützte Frequenzmessung sollen die 24 mal 12 Zentimeter großen Messgeräte in acht bis 15 Meter Höhe an Hauswänden angebracht werden.

Vier auf den Boden projizierte unsichtbare Linien ermöglichen eine permanente Erfassung der vorbeilaufenden Passanten und auch eine Differenzierung der Laufrichtungen.

Warum Laser-Technik?

Mit Hilfe der lasergesteuerten Messtechnik sollen künftig das ganze Jahr über rund um die Uhr Daten erfasst werden. Das ermögliche dann, beispielsweise Werktage mit Wochenenden zu vergleichen oder die Auswirkung von Veranstaltungen auf die Frequenz.

Die Laser-Technik sei zudem messgenauer. Sie liege bei 99 Prozent. Die Daten sollen künftig im Sinne des Smart-City-Ansatzes „für weitere Optimierungen in der Innenstadt genutzt werden“, so Leppa. Sie ließen sich interdisziplinär nutzen beispielsweise im Hinblick auf die Anzahl und Leerungsintervalle von Mülleimern.


Wie hoch sind die Kosten?

Laut Stadtmarketing liegen die jährlichen Kosten im Vergleich zur manuellen Zählung zwar etwas höher. Sie böten jedoch ein ungleich ergiebigeres Kontroll- und Vergleichsinstrument für die Innenstadtentwicklung und ermöglichten beispielsweise

den Vergleich von Wochentagen mit Wochenenden,

den Vergleich von Wochentagen oder Wochenenden mit und ohne Innenstadtveranstaltungen sowie

Vergleiche unter Berücksichtigung von Wettereinflüssen. Anhaltendes Regenwetter, Glätte und Schneefall im Winter sorgen bekanntermaßen für Einbrüche bei den Besucherströmen in der Innenstadt und für Zuwächse in den überdachten Schlossarkaden.

Was passiert mit den Daten?

Dazu heißt es: Die lasergesteuerte Frequenzmessung berücksichtige vollumfänglich die Aspekte Datenschutz und Privatsphäre. „Es werden keine personenbezogenen Daten erfasst oder gespeichert.“

 

Dieser Artikel ist am 31.05.2016 in der Braunschweiger Zeitung erschienen. Weitere Nachrichten und alles Wissenswerte aus Braunschweig, Wolfsburg und der Region38 finden Sie auf
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