2. Juni 2016
Aus der Region

Tschechen wickeln das Helmstedter Revier ab

Die EPH übernimmt den Rückbau des Helmstedter Reviers und investiert in Braunkohle

Das Kraftwerk Buschhaus im Helmstedter Revier. Foto: Archiv

Mehr als 140 Jahre lang wurde im Kreis Helmstedt Braunkohle gefördert. Jetzt wird das sogenannte Helmstedter Revier abgewickelt. Dabei hat offenbar die tschechische Holding EPH das Kommando übernommen. In der jüngsten Belegschaftsversammlung, in der es viel Wut und Unmut gab wegen des Sozialplan-Angebots und der Vorruhestandsregelungen, soll jedenfalls mehrfach auf EPH verwiesen worden sein als maßgebliche Instanz. In Helmstedt ist der tschechische Strom-Riese, dem die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) und damit auch deren Tochter, die Helmstedter Revier GmbH (HSR), gehört, öffentlich bislang kein Thema gewesen. Ein Grund mehr, sich das Unternehmen näher anzuschauen, das für das Schicksal der mehr als 450 HSR-Mitarbeiter wie auch für die Zukunft der Revier-Landschaft nach Beendigung des Kohleabbaus eine entscheidende Rolle spielen dürfte.

Ein großes Medien-Echo hat aktuell der Verkauf der Vattenfall-Braunkohlesparte in der Lausitz an EPH ausgelöst. Vom „Stillen Riesen aus Tschechien“ spricht das Handelsblatt. Die Übernahme mache die Tschechen schlagartig zur Nummer zwei in der deutschen Braunkohle-Wirtschaft nach RWE aus Essen. Der Verkauf wurde begleitet von massiven Protesten von Umweltschützern, im Vattenfall-Mutterland Schweden, aber auch in Berlin. Die Protestgruppe „Ende Gelände“ sprach von einem Bärendienst für den Klimaschutz, da der neue Investor EPH nach der Komplettübernahme der ostdeutschen Braunkohle-Landschaft mit Sicherheit Druck machen werde, um die klimaschädliche Kohle noch lange Zeit abbauen zu können.

In der Tat setzen die Tschechen trotz der Energiewende in Deutschland gezielt auf den Faktor Kohle. So schrieb unlängst ein tschechischer Wirtschaftsjournalist: Der Plan der beiden Selfmade-Milliardäre Daniel Kretinsky und Petr Kellner, denen EPH gehört, sei einfach sie gingen davon aus, dass Deutschland eine dumme Energiepolitik betreibe. Die Energiewende werde so bald nicht zu verwirklichen sein. Nach Auffassung des EPH-Sprechers Daniel Castvaj hat die Braunkohle als „Brückentechnologie“ weiterhin eine Zukunft.

Die HSR-Belegschaft in Helmstedt hat bislang keinen Abgesandten aus Tschechien zu sehen bekommen. Nach der Aufregung um das Sozialplan-Angebot, das nach Einschätzung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) eine klare Spaltung der Belegschaft bedeutet, weil etwa 70 Mitarbeiter zu deutlich schlechteren Konditionen zu einem Mibrag-Tochterunternehmen abgeschoben werden sollen, fordert der HSR-Betriebsrat die Tschechen auf, sich im Helmstedter Revier blicken zu lassen.

„Wenn unsere Geschäftsführung vor Ort nichts mehr zu melden hat, dann sollte EPH direkt mit uns verhandeln“, hatte Betriebsratsvorsitzender Peter Hannemann vor einer Woche gesagt.

„Die Brandenburger Kollegen von Vattenfall wird sicher interessieren, wie EPH als Eigentümer mit seinen Belegschaften umgeht“, hatte IG BCE-Bezirkschef Jörg Liebermann gleich nach der HSR-Belegschaftsversammlung im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. „In Helmstedt können sie studieren, wie das abläuft.“

Und wie verhält sich aktuell die Mibrag, die das Helmstedter Revier erst Anfang 2014 von Eon übernommen hatte? Von denen sei nichts zu hören und zu sehen, sagten Hannemann und Liebermann. Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung fordert Liebermann auf, die Rekultivierung des Reviers genau im Blick zu behalten damit nicht Geld abfließe, das für diese Aufgabe gedacht sei.

Dieser Artikel ist am 31.05.2016 in der Braunschweiger Zeitung erschienen. Weitere Nachrichten und alles Wissenswerte aus Braunschweig, Wolfsburg und der Region38 finden Sie auf
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