3. Februar 2016
Arbeit & Bildung

IG-Metall empfiehlt 4,5 bis 5,0 Prozent mehr Lohn

Gesamtmetall-Chef fürchtet Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit

IG- Metall-Chef Jörg Hofmann. Foto: Reuters

Der Vorstand der IG Metall hat sich für die anstehende Tarifrunde noch nicht auf eine konkrete Forderung geeinigt, sondern nur auf einen Rahmen: Zwischen 4,5 und fünf Prozent sollen die Entgelte für die 3,8 Millionen Beschäftigten in ihrer Branche steigen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Damit bleibt der Vorstand an der recht zurückhaltenden Forderungsempfehlung aus dem Bezirk Nordrhein-Westfalen, während die Bezirke in Süddeutschland sich eher für ein Plus von fünf Prozent ausgesprochen hatten. Damit habe man drei Wochen mehr Zeit, um die Entwicklung der Wirtschaft weiter zu beobachten, begründete dies der seit gut drei Monaten amtierende IG-Metall-Chef Jörg Hofmann.

Doch der Forderungsrahmen sei von den Unternehmen finanzierbar und zur Stärkung der Binnennachfrage dringend geboten, sagte er. Man wolle aber auch nicht nach dem Mond greifen nicht allen Betrieben gehe es gleich gut. Sieht man von der Finanzmarktkrise ab, als die Gewerkschaft 2010 ohne eine konkrete Lohnforderung in die Verhandlungen ging, ist die aktuelle Forderung die niedrigste seit 2006. 2015 hatte sie 3,4 Prozent mehr Lohn und Gehalt erstritten bei einer Laufzeit von 15 Monaten.

Die Arbeitgeber halten die Empfehlung dennoch für zu hoch. Jetzt sei nicht die Zeit für Höhenflüge, sagte Rainer Dulger, Präsident von Gesamtmetall. Die Gewerkschaften hätten offenbar den Ernst der Lage in der deutschen Industrie nicht erkannt: „Seit dem Ende der Lehman-Krise sind die Löhne und Gehälter um 20 Prozent gestiegen, die Produktivität in unserer Industrie jedoch nur um zwei Prozent. Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland“, sagte Dulger. Diese aber solle in der Tarifrunde im Vordergrund stehen. Der Gesamtmetall-Präsident hofft deshalb, dass die IG Metall bis zur endgültigen Formulierung ihrer Forderung Ende Februar auf den Boden der Tatsachen zurückkehre.

Hofmann aber kontert, man müsse auf die Effektivlohnentwicklung in einem längeren Zeitraum schauen. Außerdem sei die Branchenproduktivität verzerrt, weil erfreulicherweise im letzten Jahr viele Leiharbeiter in die Stammbelegschaft übernommen worden seien. Der Produktionsausstoß aber habe sich nicht wesentlich verändert. Außerdem hätten die Unternehmen auch mehr Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung eingestellt. Die sind zwar wichtig für die Zukunftsfähigkeit, sie tragen eben nicht konkret zur Produktion bei.

Die Verhandlungen beginnen Mitte März. Dabei möchte die IG Metall den Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der ganzen Branche durchsetzen. Bislang seien nur die Hälfte der Beschäftigten durch einen Tarifvertrag erfasst, in den nicht tarifgebundenen Betrieben würde im Schnitt knapp ein Viertel weniger Entgelt bezahlt.

Damit wolle sich die Gewerkschaft nicht mehr abfinden, sagte Hofmann. Deshalb werde man die nicht tarifgebundenen Betriebe in die Tarifrunde einbeziehen, sei es über Diskussionen in der Belegschaft bis hin zur Forderungsstellung und zu Warnstreiks. Für nicht tarifgebundene Betriebe gelte schließlich keine Friedenspflicht. An die aber muss sich die Gewerkschaft in den anderen Betrieben bis Ende April halten.

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