Lohnplus in Zeiten des Umbruchs? Stahlkocher vor harter Tarifrunde - Standort38
22. Februar 2017
dpa-News

Lohnplus in Zeiten des Umbruchs? Stahlkocher vor harter Tarifrunde

Für die rund 72 000 Beschäftigten der Branche im Nordwesten fordert die IG Metallt 4,5 Prozent mehr Geld. Weiterer Schwerpunkt: die Sicherung der Arbeitsplätze

Eine Mitarbeiterin der Salzgitter AG am 07.04.2016 auf dem Stahl-Aktionstag in Salzgitter. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Zum Start der diesjährigen Stahl-Tarifrunde am Mittwoch legt die IG Metall nicht nur eine Forderung nach 4,5 Prozent mehr Geld auf den Verhandlungstisch. Nach dem Willen der Gewerkschaft soll auch die Beschäftigungssicherung für die rund 72 000 Mitarbeiter im Zentrum der Gespräche stehen, denn die Branche befindet sich in schwierigen Zeiten und steht vor wichtigen Weichenstellungen.

Für Druck auf die Unternehmen sorgt etwa seit Längerem ein Überangebot auf dem Stahlmarkt, der lange die Verkaufspreise schmälerte. Auch bereitet den Firmen der Trend zu mehr Abschottung im Handel Sorge. Schon seit einiger Zeit wirbt der Chef des größten deutschen Stahlkonzerns Thyssenkrupp, Heinrich Hiesinger, für Zusammenschlüsse. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen erstmals Gespräche mit dem indischen Konkurrenten Tata bestätigt und zuletzt Fortschritte verkündet. Konkrete Ergebnisse stehen aber noch aus. Unabhängig von einer möglichen Fusion hat Thyssenkrupp jedoch zusätzlich weitere Einschnitte in seiner Stahl-Sparte angekündigt, die bis zum Frühsommer vorgelegt werden sollen. Was auf die Beschäftigten zukommen soll, ist bislang völlig unklar.

«Wir tappen im Moment im Dunkeln», sagt etwa Heiko Reese, Leiter des Stahlbüros der IG Metall. Wenn es bei möglichen Zusammenschlüssen in der Branche allein darum gehe, Größe zu erzielen, sei dies aus Sicht der Gewerkschaft keine Alternative, meinte er. Und der Betriebsratschef der europäischen Stahlsparte von Thyssenkrupp, Günter Back, hatte angesichts von befürchteten massiven Kürzungen bis hin zu Standortschließungen den Widerstand der Belegschaft angekündigt.

Nach dem Willen der IG Metall soll es bei der aktuellen Tarifrunde unter anderem um das Thema Altersteilzeit gehen, kündigte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Knut Giesler, an. Die Tarifkommission hatte eine Forderung von 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt beschlossen. Ein Sprecher des Arbeitgeberverbands Stahl wollte die Forderung auf Anfrage nicht kommentieren. Man habe dies «zur Kenntnis» genommen, hieß es lediglich. Verhandelt wird für rund 72 000 Beschäftigte der nordwestdeutschen Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen. Für die Beschäftigten im Saarland und im Osten Deutschlands werden separate Verhandlungen geführt. Bundesweit zählt die Branche rund 88 000 Beschäftigte.

«Ich sehe die Branche auf einem leichten Erholungskurs mit steigenden Stahlpreisen», sagt IG Metall-Experte Reese. Bei einem Lohnkostenanteil von neun Prozent an den Gesamtkosten werde die geforderte Lohnhöhung nicht zu massiven Belastungen der Unternehmen führen, so die Gewerkschaft. Der Präsident des Stahl-Branchenverbands, Hans Jürgen Kerkhoff, hatte dagegen erst in der vergangenen Woche auf anhaltende Probleme der Firmen hingewiesen. «Zwar hat sich der positive Trend bei den Auftragseingängen zuletzt fortgesetzt. Dem steht jedoch gegenüber, dass die Risiken für den Stahlmarkt unverändert fortbestehen», sagte er jüngst auf einer Branchenkonferenz in Düsseldorf.

Bereits am kommenden Dienstag (28. Februar) endet die vereinbarte Friedenspflicht, dann wären Aktionen wie Warnstreiks möglich. Nach Abschluss der vorherigen Tarifverhandlungen hatte die Gewerkschaft 2,3 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten der Stahlbranche erstritten. Die IG Metall war damals mit einer Forderung von fünf Prozent in die Tarifrunde 2015 gegangen.

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