Schäuble und Cryan sehen Frankfurt als klaren Brexit-Gewinner - Standort38
6. September 2017
dpa-News

Schäuble und Cryan sehen Frankfurt als klaren Brexit-Gewinner

Vom Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union wollen viele profitieren. Ein Finanzzentrum hat nach Einschätzung von Bankern und Politikern beste Chancen

Die Bankenskyline von Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler/dpa

Aus deutscher Sicht dürfte Frankfurt nach dem Brexit zum führenden europäischen Finanzzentrum aufsteigen. Für Verlagerungen aus London gebe es «keinen besseren Platz in Kontinentaleuropa als Frankfurt», sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwoch auf einer Bankentagung in Frankfurt. Deswegen plädiere er auch dafür, die derzeit noch in London ansässige Europäische Bankenaufsicht EBA an den Main zu holen. «Ich hoffe, wir werden uns mit den besseren Argumenten für den Standort Frankfurt durchsetzen», sagte Schäuble.

Mit dem anstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) dürfen Banken viele Geschäfte in Kontinentaleuropa nicht mehr aus der Finanzmetropole London heraus erledigen. Deshalb gibt es seit Monaten die Debatte, in welche EU-Städte Jobs abwandern werden. «Ich kann diese Debatte nicht so ganz nachvollziehen», sagte Deutsche-Bank-Chef John Cryan. «Diese Voraussetzungen bringt nur eine europäische Stadt mit, und das ist Frankfurt», betonte Cryan.

«Hier sind die relevanten Aufsichtsbehörden, große Anwaltskanzleien und Beratungsfirmen, es gibt hervorragende Datenleitungen in die ganze Welt und wir haben einen internationalen Flughafen vor der Tür», bekräftigte Cryan. «All das spricht dafür, an den Main zu ziehen, wenn man die Themse verlassen muss.» Schäuble merkte jedoch an: «Auch nach einem Brexit wird ein Finanzzentrum London für Europa wichtig bleiben.»

Die Schätzungen, wie viele Banker aus London nach Frankfurt kommen könnten, reichen von einigen Tausend bis hin zu Zehntausenden. Fakt ist, dass bereits etliche ausländische Banken etwa aus Japan den Antrag auf eine Banklizenz hierzulande gestellt haben. In Städten wie Dublin, Amsterdam und Paris würden zwar auch Arbeitsplätze entstehen, räumte Cryan ein. «Aber keiner dieser Standorte hat die Strukturen, um wirklich einen substanziellen Teil des Geschäfts aus London zu übernehmen.»

Die Frage sei nun: «Wie viel Geschäft wird Frankfurt bekommen?», sagte Cryan. Denn die Bankenmetropole am Main konkurriere auch mit internationalen Finanzzentren wie Singapur oder New York. Cryan stellte klar, er fordere keine laxere Regulierung oder Änderungen im deutschen Arbeitsrecht. Es gehe eher um neue Wohnviertel, Theater oder mehr internationale Schulen. «Der Brexit könnte zu einem riesigen Konjunkturprogramm für Frankfurt werden. Die Stadt und das Land Hessen müssen es nur wollen», sagte der Deutsche-Bank-Chef.

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