10. Juni 2022
Entscheider

So läuft die Kommunikation in den Unternehmen

Wie die Pandemie verändert hat, was uns ohnehin oft überfordert - das zeigen die Ergebnisse unserer 100aus38-Befragung...

Verkruxte Kommunikation? Die Ergebnisse der 100aus30-Befragung zeichnen ein Bild aus unserer Region. Foto: AdobeStock

Unternehmen und Beschäftigte in unserer Region Braunschweig-Wolfsburg haben an der Befragung 100aus38 teilgenommen. Verkruxte Kommunikation? Hier sind die Ergebnisse darüber, wie Führungskräfte und Mitarbeitende die Kommunikationstools im Unternehmen nutzen und empfinden.

„Kommunikation ist unwahrscheinlich“, hat der große deutsche Soziologe Niklas Luhmann einst festgestellt. „Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden.“ Dass man laut dem Psychotherapeuten Paul Watzlawik nicht nicht kommunizieren kann, weiß inzwischen jeder, macht es aber nicht einfacher und der in Österreich geborene US-Ökonom Peter Drucker gibt zurecht zu Bedenken: „Das wichtigste an Kommunikation ist, zu hören, was nicht gesagt wird.“

Schlaue Sprüche. Und tatsächlich: Wir kennen das – geniale Konzepte, die bei der Kundin einfach nicht verfangen. Oder der Kollege, der sich immer angegriffen fühlt, obwohl man nun wirklich 100 Prozent sachlich ist. Und natürlich die fortwährenden Abstimmungsrunden, die jeder hasst, aber niemand einzudämmen vermag. Und dann kam die Pandemie und hat uns weiter Teile der nonverbalen Kommunikation beraubt, genauso wie der immer ganz zufälligen aber von vielen gepriesenen Begegnungen an der Kaffeemaschine oder am Urinal.

Stattdessen Zoom, oder Teams und wie sie alle heißen – anfangs hakelig und mit der Software, Datenrate oder dem Hintergrundbild als Gesprächsthema – später routiniert und oft pausenlos aneinandergereiht. Rein zufällig treffen wir uns dort jedoch nur selten.
Was macht das mit uns und der Art, wie wir kommunizieren und in der Folge fühlen, Vertrauen bilden, Leistung bewerten? Genau das wollten wir wissen – und haben im Rahmen von 100aus38 nachgefragt. Die Antworten bieten Anlass zum Optimismus. Zwar lief nicht alles rund in den vergangenen zwei Jahren, aber trotz mehr faktischer und gefühlter Entfernung zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften, ist das Vertrauen groß und das gegenseitig ausgestellte Zeugnis überaus positiv.

Also, ein guter Anlass für einen neuen und selbstbestimmten Weg. Denn ab sofort können wir wieder – übrigens bestenfalls gemeinsam – selbst entscheiden, wie und wo wir uns begegnen und wann wir in Ruhe oder besonders inspiriert an Orten jenseits des Büros arbeiten wollen. Diese Wahl bedeutet Freiheit und ist eine Chance, ganz ehrlich!

E-Mail vor Telefon und Videokonferenz

Die gute alte E-Mail ist während der Pandemie das wichtigste Kommunikationsinstrument (91,4 Prozent) – kein Wunder, denn Outlook, Apple Mail und Co. gehörten in der internen und vor allem externen Kommunikation schon weit vorher unbedingt dazu – waren vielleicht sogar zu präsent und zeitraubend, wie apokalyptische Bilder von E-Mailfluten andeuten und zahlreiche Studien belegen. Also: Beantworten Sie noch E-Mails oder arbeiten Sie schon?

Manchmal hilft dabei auch immer noch der Griff zum Hörer – für immerhin 83,3 Prozent der Befragten gehört das Telefon nicht ohne Grund zu einem der drei wichtigsten Kommunikationsinstrumente, dicht gefolgt von den zahlreichen Videokonferenztools, die sich in den vergangenen zwei Jahren ausgebreitet haben. Mit Zoom, Cisco Webex Meetings, GotoMeeting, Bluejeans, Microsoft Teams und BigBlueButton sind allein sechs Tools auf diesem Rechner installiert beziehungsweise regelmäßig im Einsatz. Wer bietet mehr?

Führungskräfte kommunizieren lieber digital!

Fast alle Tools, die in der Pandemie die Kommunikation erleichtert haben, werden relativ gern verwendet. Über 70 Prozent der Befragten sind mit allen Optionen zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Spannend ist, dass Führungskräfte durchweg noch glücklicher mit den alten und neuen Möglichkeiten sind als die Mitarbeitenden. Gewinner in beiden Statusgruppen ist übrigens wieder die E-Mail, erneut gefolgt vom Telefon und den Videokonferenztools.

 

Viel Vertrauen, trotz wenig Kontakt!

Natürlich, durch den plötzlichen Wechsel ins Homeoffice haben viele Mitarbeitende ihre Führungskräfte seltener gesehen – übrigens sowohl persönlich als auch digital. Dieser Aussage stimmen 43 Prozent der Befragten Fachkräfte zu, immerhin mehr als jeder Dritte gibt außerdem an, dass er mehr nachfragen muss, um alle nötigen Informationen zu erhalten.
In der Summe bedeutet das auch gefühlt weniger Nähe (30,9 Prozent). Ein schlechteres Zeugnis als vor der Pandemie stellen ihren Chefs trotzdem nur die wenigsten Befragten aus (17,2 Prozent) – und auch das Vertrauen hat nur bei 12,2 Prozent gelitten. Das beruht auf Gegenseitigkeit, denn gerade einmal 11,1 Prozent der Befragten fühlen sich mehr kontrolliert als vor der Pandemie.

Es läuft, auch wenn die Mitarbeiter:innen weit weg sind …

Die gefühlte und tatsächliche Entfernung zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften wird von letzteren sogar noch stärker wahrgenommen. 55,5 Prozent (+ 12,5 Prozent) geben an, dass sie ihr Team seltener sehen, ganze 51 Prozent (+ 20 Prozent) erklären, dass die gefühlte Nähe zu den Mitarbeitenden abgenommen hat. Und auch das Nachfragen ist notwendiger geworden, finden 40 Prozent. Außerdem haben 28,7 Prozent der Führungskräfte das Gefühl, mehr anleiten zu müssen als vor der Pandemie. Nun zu den positiven Nachrichten: Besprechungen findet nicht einmal jeder Dritte weniger effektiv und gerade einmal 11,7 Prozent würden sagen, dass die Ergebnisse als Folge der veränderten Zusammenarbeit leiden. Dazu passt, dass lediglich 6,5 Prozent der Führungskräfte einen Vertrauensverlust in Richtung der Mitarbeitenden
spüren.

 

 

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