27. April 2021
Entscheider

Das unglaubliche Comeback von VW

Nach dem Power Day sind Journalist:innen und Anleger:innen begeistert von den Plänen des Wolfsburger Autokonzerns

Der „VW Power Day“ fand weltweit Beachtung. Über die Batterie- und Ladeinfrastruktur von VW berichteten neben Technik-Vorstand Thomas Schmall (2.v.l.) außerdem Frank Blome (Volkswagen Group Components, Leiter Geschäftsfeld Batteriezelle), Elke Temme (Volkswagen Group Components, Leiterin Laden & Energie) und Jörg Teichmann (Volkswagen Group Components, Chief Purchasing Officer VW Group Components, CPO). Foto: Volkswagen AG.

VW-Chef Herbert Diess hielt die Eröffnungsrede beim power Day. Foto: Volkswagen AG.

Volkswagen ritt in den USA jahrzehntelang auf einer Sympathiewelle. Beetle und T1 waren generationsübergreifende Kultmobile. Das positive Image unterstrich noch einmal ganz dick der Super-Bowl-Spot 2011 für den neuen US-Passat. Der Werbefilm mit dem Mini-Darth-Vader ist bis heute einer der am meisten gesehenen und beliebtesten Werbefilme in den USA aller Zeiten. Dann wurde 2015 der Diesel-Skandal öffentlich. Es hagelte Negativschlagzeilen und Strafen für VW. Im Windschatten zog E-Auto-Pionier Elon Musk mit seinem Tesla vorbei und wurde Investorenliebling. Doch nun gelang VW-Vorstandschef Herbert Diess und Technikvorstand Thomas Schmall die Image-Wende. Vom „Power Day“ waren US-Medien begeistert, Anleger:innen investierten, der Aktienkurs zog mächtig an – Volkswagen ist wieder „hot“. Wir blicken auf die Berichterstattung der vergangenen Tage.
Kaum ein US-Journalist kennt sich wohl besser mit Volkswagen aus als Jack Ewing von der New York Times. Der Wirtschafts-Korrespondent ist der Autor des Enthüllungsbuchs „Wachstum über alles“ über den Dieselskandal. Nach dem Power Day schrieb er: „Volkswagen ist der größte Autobauer in Europa und nach Toyota der zweitgrößte der Welt. Der Untertext der Präsentation am Montag mit einer Parade von Führungskräften lautete, dass Volkswagen seine Verbindungen zu Industrie und Regierung, seine finanziellen Ressourcen und seine acht Jahrzehnte lange Fertigungskompetenz einsetzt, um Tesla davon abzuhalten, sein Mittagessen zu essen.“

Technikvorstand Thomas Schmall hatte beim Power Day seinen großen Auftritt. Foto: Volkswagen AG.

Ewing berichtete weiter von einer Telefonkonferenz mit einem Analysten der Schweizer Großbank UBS. Dieser habe erklärt: Volkswagen sei „eine Blaupause für das, was ältere Automobilhersteller in den kommenden Jahren erreichen müssen.“ Ewing erinnerte an den Abgasskandal und den bevorstehenden Prozess gegen Ex-Chef Martin Winterkorn: „So kostspielig der Skandal auch war, er hatte einen Vorteil für Volkswagen. Die Manager waren gezwungen, sich Gedanken darüber zu machen, wie der gute Name des Unternehmens wiederhergestellt werden kann. Sie beschlossen, sich auf Elektroautos zu konzentrieren. Das könnte Volkswagen heute in eine bessere Position bringen als andere große Konkurrenten, die zögerten.“
Das US-Nachrichtenportal CNN titelte am Dienstag: „Volkswagen könnte bald Teslas Krone stehlen“. In einem Interview erklärte Herbert Diess dazu: „Bei Tesla geht es nicht nur um Elektrofahrzeuge. Tesla ist auch sehr stark in der Software. Sie betreiben das Auto wirklich als Gerät. Sie machen gute Fortschritte in der autonomen Fahren. Aber ja – wir werden Tesla herausfordern.“

Ob VW sich die Krone tatsächlich aufsetzen wird, steht noch auf einem anderen Stück Papier. Die Analyst:innen sind sich aber sicher, dass die VW-Aufholjagd Früchte tragen wird und VW nicht weiter den Anschluss an die Innovationsfähigkeit von Tesla verliert, vielleicht sogar aufschließt.
„Sowohl für Volkswagen als auch für Tesla hängt ihr Bestreben, den Elektroautomarkt zu dominieren, von ihrer Fähigkeit ab, sich dem anderen ähnlicher zu werden“, schreibt CNN. „Volkswagen muss seine Softwarefähigkeiten schnell verbessern, während Tesla von der Fähigkeit des deutschen Unternehmens profitieren würde, jedes Jahr Millionen und Abermillionen hochwertiger Fahrzeuge zu produzieren.“

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