24. März 2020
Entscheider

Das Virus und die Wirtschaft

Entscheider melden sich zu Wort

Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer IHK Lüneburg-Wolfsburg. Foto: IHK Lüneburg-Wolfsburg

Corona hält die Wirtschaft in Atem – global wie regional. Einbrechende Umsätze, Lieferengpässe und Unsicherheit über das, was da noch kommen mag. „Vor uns liegen harte Wochen. Wir können sie bewältigen, wenn wir solidarisch sind“, appelliert Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz, der derzeit im Bundestag über das Corona-Hilfspaket in Milliardenhöhe diskutiert. Wir haben Entscheider gefragt, wie sie die Lage für die hiesige Wirtschaft einschätzen …

Detlef Bade, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Foto: HWK Braunschweig

„Mit Blick auf unsere gesellschaftliche Verantwortung und zum Schutz gerade auch unserer besonders gefährdeten Mitbürgerinnen und Mitbürger stehen wir hinter den einschneidenden Maßnahmen, die Bund, Land und Kommunen ergreifen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Wir wissen aber auch, dass es für einige Handwerksbetriebe jetzt ums Ganze geht. Die Krise macht sich auf allen Ebenen bemerkbar: Kunden bleiben weg, Aufträge werden storniert, Mitarbeiter melden sich krank. Viele Firmen sind existentiell gefährdet, weil Umsätze einbrechen und Lieferengpässe entstehen. Zudem gibt es eine große Beeinträchtigung durch die angeordneten Ladenschließungen. Wir reagieren auf diese herausfordernde und für uns alle neue Situation, indem wir unsere Kräfte darauf konzentrieren, unsere Mitgliedsbetriebe zu beraten und Ihnen Hilfe und Orientierung zu geben. In dieser Phase der Krise kommt es aber auch entscheidend auf Sofortmaßnahmen der Politik an. Gemeinsam mit den Spitzenorganisationen des Handwerks setzen wir uns für eine schnelle und unbürokratische Unterstützung und Soforthilfe für Betriebe ein, die in Not geraten. Wir drängen daher auf einen kurzfristigen und unbürokratischen Dialog mit der Landesregierung, den Arbeitsagenturen und anderen Behörden und Institutionen.“

Detlef Bade, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade

 

Thomas Ritterbusch. Foto: Stephanie Joedicke

„Wir stehen In unserer Gesellschaft vor einer, bisher vielfach unterschätzten, jetzt aber sehr herausfordernden Situation, die wir als Ganzes nur mit starkem Zusammenhalt und Rücksichtnahme meistern werden. Auf dem Weg dahin, werden wir wirtschaftlich harte Einschnitte hinnehmen müssen, die wir angesichts unserer volkswirtschaftliche Substanz schultern werden. Wichtig wäre das konsequente Über- und Andersdenken von bisherigen Prozessen (Kreditentscheidungen, Soforthilfen etc.), damit auch das gut Gemeinte zeitnah ankommt. Wir werden alle gemeinsam gestärkt, jedoch mit spürbaren Veränderungen im Verhalten und den bisherigen Strukturen aus dieser Situation herauskommen. Wichtig ist der unverstellte, klare Blick auf belastbare Geschäftsmodelle – sowie insbesondere der Fokus auf das wirklich Wichtige von uns allen. Achten Sie auf sich und Ihr Umfeld und bleiben Sie gesund.“

Thomas Ritterbusch, Vorstand BRW Finanz AG

 

Dr. Christine Arbogast. Foto: Stadt Braunschweig/ Daniela Nielsen

„Diese Pandemie verursacht eine Situation, wie wir sie in dieser Form in unserer globalisierten und hochkomplexen Gesellschaft noch nie hatten. Sie führt uns weg von vielen alltäglichen Sorgen und auch vielen großen Problemen wie zum Beispiel dem Klimawandel. Es wird schwierig werden, aber ich bin – zumindest heute – voller Zuversicht, dass wir die Krise am Ende meistern werden.“

Dr. Christine Arbogast, Dezernentin Sozial-, Schul-, Gesundheits- und Jugenddezernat

 

 

 

 

Michael Zeinert. Foto: IHK Lüneburg-Wolfsburg

„Die Verbreitung des Corona-Virus stellt die regionale Wirtschaft vor enorme Herausforderungen. Mit China hat der Virus zunächst den wichtigsten Handelspartner Deutschlands getroffen. Aus unserer Region zählen wir 143 Geschäftsbeziehungen in das Reich der Mitte. Die Gefahr schien weit weg – und ist inzwischen mit all ihren Konsequenzen in Deutschland angekommen. Die rasche Corona-Ausbreitung in Europa bringt viele Unternehmen – ob im Handel, in der Tourismuswirtschaft, in der Industrie oder Logistik – in Bedrängnis. Die meisten Betriebe werden schmerzhafte Umsatzeinbußen verkraften müssen. Nicht nur kleine Firmen fürchten um ihre Existenz. Unsere IHK-Berater sind im Moment im Dauer-Einsatz und stehen Unternehmer*innen mit Rat und Tat zur Seite.

Wir merken schon jetzt: Die Verunsicherung ist groß. Die Angst vor der Zukunft wächst. Schließlich ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar, wie sich die Ausbreitung des Virus entwickeln wird, wann und ob die Maßnahmen von Bund und Ländern wirken. Für unsere regionale Wirtschaft sind Umsatzrückgänge, Produktionsausfälle, Schwierigkeiten in den Lieferketten, Auftrags- und Umsatzrückgänge, Einschränkungen bei Geschäftsreisen sowie abgesagte Messen schon jetzt Realität und beeinträchtigen die Unternehmen in ihren Geschäftsaktivitäten. Die angeordnete Schließung von Geschäften und Dienstleistungsunternehmen ist ein harter Schlag für betroffene Unternehmer*innen. Vor allem Kleinst- und Kleinbetriebe verlieren weitere Umsatzmöglichkeiten und geraten angesichts weiterlaufender Kosten und fehlender Rücklagen schnell in sehr große Schwierigkeiten. Als IHK setzen wir uns dafür ein, dass es einen Notfallfonds gibt. Kein Kreditprogramm, sondern echte Zuschüsse, die dabei helfen, die nächsten Wochen zu überstehen. Die regionale Wirtschaft braucht schnelle, unbürokratische Hilfe.“

Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer IHK Lüneburg-Wolfsburg

 

Jörg Schmadtke. Foto: VfL

„Wie hoch der Schaden am Ende sein wird – für die Liga insgesamt und konkret für den VfL Wolfsburg – lässt sich jetzt noch gar nicht absehen. Jedes Spiel, das ohne Zuschauer oder gar nicht stattfindet, tut uns weh. Wenn wir es schaffen, die Saison sportlich zu Ende zu spielen, dann wird der Schaden vermutlich überschaubar bleiben. Wenn nicht, dann wird es für einige Klubs aus unterschiedlichsten Gründen existenzbedrohend sein.“

Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport VfL

 

 

Nikolaus Külps. Foto: Schnellecke

„Die kurzfristige Ankündigung unserer Automobilkunden weltweit fast flächendeckend, ihre Werke zu schließen, trifft auch die Schnellecke Group mit voller Wucht. Als Dienstleister und Lieferant dieser Werke haben wir unsere operativen Standorte ebenfalls schließen müssen und die Verwaltung auf einen  Minimalbetrieb heruntergefahren. Der Ausfall von Umsätzen über Wochen bei fortlaufenden Kosten, als Logistikdienstleister insbesondere Personalkosten, stellt eine riesige Herausforderung dar.

Als wichtigste Sofortmaßnahme haben wir an allen betroffenen Standorten sowie in der gesamten Verwaltung Kurzarbeit angemeldet. Das gesetzliche Kurzarbeitergeld stocken wir als Unternehmen für unsere Angestellten auf. Hiervon sind ca. 4.350 Mitarbeiter in Deutschland betroffen, 770 davon in Wolfsburg. Außerdem zeigen sich alle unsere leitenden Angestellten solidarisch, in dem sie auf einen Anteil ihres Gehalts verzichten. An einer Vielzahl von weiteren Aktivitäten, um Kosten zu senken und Liquidität zu sichern, arbeiten wir mit Nachdruck. Diese werden durch ein zentral eingerichtetes Krisenmanagementbüro koordiniert und in einer täglichen Telefonkonferenz mit allen Führungskräften aktualisiert.

Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Erleichterung des Bezugs von Kurzarbeitergeld sowie die weiteren Hilfen zur finanziellen Unterstützung der Wirtschaft begrüßen wir sehr.“

Nikolaus Külps, Vorstandsvorsitzender Schnellecke Group AG & Co. KG

 

Mark Alexander Krack. Foto: DEHOGA Kreisverband

„Das ist schon der Wahnsinn, was uns derzeit von unseren Mitgliedern aus dem Bereich des Gastgewerbes in Zeiten der Corona-Krise gespiegelt wird. Schon am 13. März, nachdem klar wurde, dass sich die Situation dramatisch zuspitzen wird, erreichten erste Anfragen den Verband, wie man nun bei Kinderbetreuungsproblemen in der Belegschaft vorgehen soll. Die Betriebe, die es zuerst traf, waren die Bars und Kneipen, die kraft der Schließungsverfügungen auf Kurzarbeit „Null“ umstellten. Dann kamen die Einschränkungen für die Hotels und Pensionen, die nur noch Geschäftsreisende beherbergen dürfen. Das Geschäft mit Touristen in Stadt und Umland brach weg. Zuhauf wurden auch in den Restaurants Buchungen storniert, Caterings und Hochzeitsfeierlichkeiten abgesagt. Wenn die Hilfen von staatlicher Seite nicht als sofort wirkende finanzielle Unterstützungen fließen, so viele Gastgewerbetreibende, wird das das Ende ihrer beruflichen Existenz sein. Das Angstgespenst der Insolvenz macht die Runde. Nur wenn alle gemeinsam unterstützend handeln, kann das Gewerbe der Gastfreundschaft Licht am Ende des Tunnels sehen.“

Mark Alexander Krack, Geschäftsführer DEHOGA Kreisverband Region Braunschweig-Wolfenbüttel e.V.

 

Torge Malchau. Foto: Stadt Braunschweig

„Das ist in wenigen Sätzen kaum zu beantworten, und schon gar nicht zu diesem frühen Zeitpunkt. Dazu haben wir alle einfach noch zu viele Fragen. Vor allem: Wie stark wird die Intensität eines Ausbruchs hier in  Braunschweig, wie viele Erkrankte wird es geben, wie viele davon schwer? Was wir wissen ist: Wir müssen uns auf alle Eventualitäten vorbereiten, und zwar schnell, damit wir einem sprunghaften Anstieg gewachsen sind. Das gilt vor allem für die Behandlungskapazitäten. Und die Containment-Strategie, die Eindämmung des Virus, muss konsequent durchgezogen werden, damit wir keinen massenhaften Ausbruch haben und unser Gesundheitssystem alle Erkrankten behandeln kann.“

Torge Malchau, Leiter der Berufsfeuerwehr Braunschweig

 

 

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