Der (grüne) Schreibtisch von Christian Eisler - Standort38
23. Dezember 2020
Entscheider

Der (grüne) Schreibtisch von Christian Eisler

Geschäftsführer des Meisterbetriebs Eisler Garten- und Landschaftsbau

Christian Eisler inmitten seiner Tannen. Foto: Stephanie Joedicke.

Alle Jahre wieder grünt es nicht nur zur Sommerzeit. Ob traditionell am 24. oder nach angelsächsischer Art ab Anfang Dezember – etwa 29,8 Millionen Weihnachtsbäume ziehen laut Hauptverband der Deutschen Holzindustrie jährlich in unsere Wohnzimmer ein. Schon lange davor, genauer acht bis zwölf Jahre, befasst sich Christian Eisler mit dem Traditionsgewächs. Dann nämlich finden die kleinen Setzlinge auf seinen Plantagen einen Weg in den Boden. Seit 15 Jahren führt der Garten- und Landschaftsbau-Meister den gleichnamigen Familienbetrieb in zweiter Generation.

„1979 hat mein Vater auf unserem heutigen Grund eine Baumschule gegründet. Hier stand nichts, kein Zaun, keine Hecke. Das war Ackerland. Und mitten drauf stand eine Bauhütte“, erzählt Eisler, als wir ihn zum Interview an der frischen Luft zwischen Nadelbaum und Fachwerkhaus im Wendhäuser Weg treffen. Hier sei er auf- und später in seinen Beruf hineingewachsen. „Mein Vater war eigentlich gelernter Zimmermann und hat sich als Quereinsteiger im Gartenbau selbstständig gemacht. Das Wissen dafür hat er sich selbst angeeignet.“ Die Gründe für die berufliche Neuausrichtung kennt Eisler nicht. Er habe die Richtfeste nicht mehr vertragen, hätte sein Vater Benno Eisler oft aus Spaß gesagt. Eisler schmunzelt.

Inzwischen bewirtschaftet der Gründersohn gut sieben Hektar Land in und um Dibbesdorf. Die Arbeit im Garten- und Landschaftsbau ist geblieben. Doch anstelle unterschiedlichster Gewächse werden in der Baumschule heute ausschließlich Nordmanntannen gezüchtet und zur Weihnachtszeit verkauft. „Es lohnt nicht mehr, in Konkurrenz mit Baumärkten zu treten. Viele Kunden schauen nur auf den Preis, nicht auf die Qualität der Pflanzen. Wissen Sie eigentlich, was es bedeutet, eine Pflanze zu verschulen?“, fragt Eisler und wartet die Antwort gar nicht erst ab. „Verschulen bedeutet, dass man die Pflanzen alle zwei Jahre besticht, damit die Wurzeln ein Feinwurzelwerk entwickeln. Je länger eine Pflanze steht, desto dicker werden ihre Wurzeln und desto schlechter kann sie umgepflanzt werden.“ Auch viele der getopften Weihnachtsbäume, die in Baumärkten erhältlich sind, seien nicht verschult. „Die Chance, dass die Bäume später wieder anwachsen, ist äußerst gering. Reine Verkaufsmasche“, kommentiert Eisler.

Rund 20 Prozent seines Gesamtumsatzes macht der Verkauf von Tannenbäumen heute aus – ein lukratives Geschäft, auch wenn die Trockenheit der letzten Jahre zu Einbußen geführt habe. Neu aufgepflanzte Schonungen müssen zwei oder drei Jahre streng gewässert werden. Hinzu kommt eine aufwendige Pflege, denn Eisler verzichtet weitestgehend auf chemische Substrate. „Wahrscheinlich wird die Nordmanntanne in diesem Jahr auch etwas teurer.“ Verkauft werden die Bäume ab Dezember, frisch geschlagen oder zum Selberschlagen, an einem der insgesamt fünf Verkaufsstände in Braunschweig. Auch einige Blautannen hat Eisler dann im Angebot, die er aus Celle bezieht. „Wenn wir dazu kaufen müssen, dann regional. Selber pflanzen lohnt in dem Fall nicht, denn wenn Sie Glück haben, bekommen Sie bei der Zucht von Blautannen 30 Prozent gute heraus.“

Seinen eigenen Baum sucht sich Eisler jedes Jahr nach ganz speziellen Kriterien aus – das sei Tradition. „Ich nehme immer einen der hässlichsten Bäume. Aus Prinzip. Letztes Jahr hatten wir einen ausladenden Baum mit drei Spitzen“, sagt er. „Am Ende ist doch jeder geschmückte Baum wunderschön.“

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