8. April 2021
Entscheider

Der Schreibtisch von Dirk Wöhler

Geschäftsführender Gesellschafter WMS Event GmbH

Dirk Wöhler, Geschäftsführender Gesellschafter der WMS Event GmbH. Foto: Julia-Janine Schwark.

Liebevoll streichelt Dirk Wöhler seinem schwarzen Labrador El Presidente — kurz Eddy genannt — über den Kopf. An den Wänden der WMS Event GmbH hängen Bildschirme, auf denen Videos von vergangenen Events zu sehen sind. Glückliche Menschenmassen, die eng beieinanderstehen und ausgelassen feiern. „Die Eventszene ist mein Zuhause“, erzählt Dirk, der branchenüblich aufs Du setzt, mit glänzenden Augen. Angefangen hat alles mit der ersten Platte, die er als 14-jähriger Konfirmand aufgelegt hat. Heute richtet er als Geschäftsführender Gesellschafter mit seiner Eventagentur bundesweit Veranstaltungen aus und vertritt seit 20 Jahren den Berufsverband Diskjockey als Präsident. „Die 25 Jahre, in denen ich selbstständig bin, habe ich noch nie als Arbeit empfunden. Ich liebe das, was ich tue“, schwärmt er.

Doch seit dem 16. März 2020 ist alles anders. Die Corona-Pandemie hat das alltägliche Leben zum Erliegen gebracht. Dirks Branche hat es besonders hart getroffen. Statt Veranstaltungen zu planen oder auf Bühnen zu stehen, meldet er inzwischen Demonstrationen an. Er organisiert die Aktion #AlarmstufeRot in Berlin ebenso wie die #Kulturgesichter053 und die Demonstration Kulturzug in Braunschweig. Im Dezember 2020 hat er als #Alarmstufedunkelrot einen 67 Millionen Jahre alten Tyrannosaurus Rex als Symbol für eine ausgestorbene Spezies vor das Brandenburger Tor gestellt. Dabei haben die rund 15.000 Menschen, die in Berlin jeweils an zwei Demonstrationen im September und Oktober auf die Straße gehen, das gleiche Anliegen wie die rund 1.400 Demonstranten des Kulturzuges, die den Sarg der Veranstaltungsbranche am 14. Februar durch die Braunschweiger Innenstadt „tragen“: Sie wollen auf die „katastrophalen Zustände“ in der Branche aufmerksam machen. „Es geht uns nicht darum, Regeln zu bekämpfen“, stellt Dirk klar, „sondern darum, dass die Veranstaltungsbranche dazu beitragen kann, diese Pandemie zu bekämpfen. Sei es durch Hygienekonzepte, Lüftungsanlagen oder mit gezielten, nachvollziehbaren und dokumentierten Schnelltests.“

Durch die Demonstrationen und den Dialog mit der Politik konnten bislang zumindest kleine Schritte, wie eine Nachbesserung der Novemberhilfen erreicht werden. Eine langfristige Perspektive gibt es aber nicht. „Wenn wir von der Politik ins künstliche Koma gelegt werden, dann muss man uns auch so viel Sauerstoff in Form von finanziellen Mitteln geben, dass wir überleben können“, appelliert er. Immerhin handelt es sich bei der Veranstaltungsbranche mit 130 Milliarden Euro Umsätzen im Jahr mitnichten um eine unbedeutende Spaßbranche, sondern um den sechstgrößten Wirtschaftszweig in Deutschland.
Doch trotz der herausfordernden Situation kann Dirk auch positive Erfahrungen aus den vergangenen Monaten mitnehmen. „Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir gemeinsam Mut haben nach vorne zu gehen, um das Leben wieder lebenswert zu machen.“ Eine der wichtigsten Maßnahmen sei es, sich diszipliniert an die Regeln zu halten und mit Masken und Abstand aus dem Lockdown herauszukommen. „Wir sollten in der Gemeinschaft auf andere Menschen achten, sie anrufen und fragen, wie es ihnen wirklich geht“, sagt er.

Auch Dirk fehlt die Geselligkeit und die Spontanität des früheren Alltags. „Das ist wie ein Entzug. Das kann man gar nicht beschreiben. Mein ganzes Leben ist eigentlich eine Party.“ Neben der Gemeinschaft in der Branche findet Dirk Rückhalt bei seiner Familie und seinem Hund. „Eddy profitiert davon, dass ich gerade viel Zeit habe und ich profitiere emotional von ihm“, sagt er und blickt auf den schwarzen Labrador, der inzwischen unter dem Tisch liegt. Eine Zeit, die Dirk auch dafür nutzt sich für die Eventbranche stark zu machen– bis ein bisschen Normalität zurückkehrt und die Party weitergeht. Und wenn die Sehnsucht danach zu groß wird, stellt er sich manchmal allein in die Halle seines Unternehmens, macht eine Nebelmaschine an und dreht die Musik auf. Einfach für das Gefühl …

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