18. Juli 2022
Entscheider

Der Schreibtisch von Dr. Neven Josipovic

Der Chief Innovation Officer (CIO) Josipovic macht Braunschweig zur Smart City.

Das Büro von Dr. Neven Josipovic mit der Stabsstelle Digitalisierung liegt in Braunschweigs Innenstadt. Foto: Katja Beyrodt

„Meine Freunde würden mich sicher als Nerd bezeichnen. Ich vertiefe mich gern in Themen“, sagt Neven Josipovic und schmunzelt. Dieser Anspruch, sich bis ins kleinste Detail einzuarbeiten, begleitet ihn schon lange. Der gebürtige Warsteiner kam wegen des Wirtschaftsingenieur-Studiums nach Braunschweig, leitete als Geschäftsführer die Forschungsstelle Mobilitätsrecht an der TU – und lenkt nun die Schritte der Stadt in Richtung Digitalisierung.

Seit einem Jahr ist der 33-Jährige im neu geschaffenen Amt des Chief Innovation Officer, kurz CIO, der Stadt Braunschweig. „An dieser Position hat mich gereizt, dass ich die Stadt ganz praktisch voranbringen, also digital zukunftsfähig machen kann.“

Ordner gibt es nicht im Büro von Dr. Josipovic

Dr. Josipovics Büro liegt – wie es sich als CIO für eine werdende Smart City gehört – mitten in der Stadt, im Rathaus-Neubau. Vor der Fensterfront brummt der Verkehr über den Bohlweg. Die Straßenbahn schiebt sich zwischen Fußgänger:innen hindurch. Im Büro der Stabsstelle für Digitalisierung ist es hell und aufgeräumt. Auch im Regal hinter Josipovics Schreibtisch herrscht Ordnung – und Leere.

„Wir haben keine Ordner. Natürlich müssen wir auch nicht täglich mit Papierakten arbeiten – aber wir möchten schon auch ein Vorbild sein.“ Denn ein Teil von Josipovics Arbeit ist es, dafür zu sorgen, dass die schweren Papierordner sukzessive durch digitale Akten ersetzt werden. „Das Arbeiten wird so einfach effizienter.“

Braunschweig will sich zur Smart City entwickeln, mit digitalen Möglichkeiten die Stadt intelligent und nachhaltig gestalten. Hier kam Josipovic ins Spiel. „Sich hier einzuarbeiten ist nicht trivial, denn die Verwaltung hat so viele Facetten, Akteure und Vorschriften.“ Doch ein Jahr nach seinem Start bewegt sich Josipovic sicher auf dem Verwaltungsterrain – dem Hang zum Nerdentum sei Dank.

Open-Data-Portal für Braunschweig in Planung

Auf Josipovics Schreibtisch liegen viele Themen gleichzeitig, wie die Weiterentwicklung des Online-Services für Verwaltungsleistungen oder die aktive Vernetzung der Digitalisierungs-Akteure des Stadtlebens. Auch ein Open-Data-Portal mit öffentlich zugänglichen Messdaten aus der Stadt steht auf Josipovics Agenda. Beispielsweise sollen Temperaturen oder Niederschlagsmengen online gezeigt werden.

„Solche Daten können nicht nur Forschende nutzen, auch öffentliche Einrichtungen oder Unternehmen können mit diesen nicht-personenbezogenen Daten arbeiten.“ Daraus entstünden beispielsweise in der Stadt Köln bereits gemeinnützige Synergien, wie eine App, die über den Wasserbedarf der Bäume im Stadtgebiet informiert. Ähnliche Projekte auf Basis der erhobenen Daten erhofft sich Josipovic auch für Braunschweig.

„In der Position als CIO bin ich nicht mehr nur Wissenschaftler, der Dinge durchdringt und verschriftlicht, sondern auch Akteur, der die Veränderungen ins Rollen bringt.“ So sollen in einem Pilotprojekt bald zehn Messstationen für Wetterdaten in der Stadt entstehen, die die ersten Daten für das geplante Braunschweiger Open-Data-Portal liefern.

Kein Digital-Detox im Feierabend

Aber was macht Braunschweigs CIO um nach Feierabend abzuschalten? Ist da Digital-Detox angesagt? „Ich denke ehrlich gesagt häufig auch im Feierabend noch an unsere Projekte, weil mich die Themen einfach bewegen und interessieren“, gibt Josipovic schmunzelnd zu. Um Pause zu machen, gehe er gern Laufen, mache Sport: „Kürzlich habe ich sogar Yoga für mich entdeckt!“

Auch Musik ist ein Thema, in das sich Josipovic gern vertieft. „Mit Kommilitonen habe ich während der Studienzeit in einer Metal-Band gespielt“, überrascht der 33-Jährige. Extra dafür habe er Gesangunterricht an der Musikschule in Braunschweig genommen. Auf den gängigen Streaming-Portalen kann man Josipovic deshalb auch heute noch mit seiner ehemaligen Band „One Mile To Horizon“ von einer ganz anderen Seite kennen lernen – Digitalisierung sei Dank.

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