25. September 2022
Entscheider

Der Schreibtisch von Hannes Mairinger

Geschäftsführer der Nature Resort Investment GmbH

Hannes Mairinger, Geschäftsführer der Nature Resort Investment GmbH. Foto: Gesa Lormis

Noch vor einigen Jahren war Torfhaus an der Bundesstraße 4 kaum der Rede wert: Ein paar in die Jahre gekommene Holzhütten und eine Bushaltestelle mit Brockenpanorama. Dass sich der kleine Ortsteil von Altenau zu einem Tourismus-Hotspot wandelt, hängt unter anderem mit der Arbeit von Hannes Mairinger zusammen. Der gebürtige Österreicher krempelt das Einfallstor zum Nationalpark Harz um.

„Die Idee für das 2012 eröffnete Resort hatte Sebastian Lüder und ich habe seine Vision verstanden und gesehen, dass man hier unglaublich viel bewegen kann“, erzählt er in einem Besprechungsraum über dem Globetrotter-Laden, in dem wir zum Gespräch verabredet sind. Vom angrenzenden Balkon aus können wir einen Großteil des umliegenden Geländes überblicken: Direkt gegenüber wird gerade ein Restaurant gebaut, eine Neuauflage der Gastronomie-Kette Wiener Wald. Ein Stück weiter befindet sich die Bavaria Alm und ein Infozentrum des Nationalparks Harz sowie der Großparkplatz samt Baustelle für die neue Touristenattraktion Harzturm. Dahinter eröffnet sich der Panoramablick bis hin zum Brocken.

In der zweiten Jahreshälfte 2015 beriet Mairinger mit seiner Firma die Lüder Unternehmensgruppe und das noch junge Torfhaus Harzresort, im Februar 2016 übernahm er dann die Geschäftsführung. Zeitgleich entstand unter seiner Federführung im nahegelegenen Schierke ein weiteres Ferien-Resort mit 36 Ferienhäusern. „Ende 2019 habe ich die Geschäftsführung von Torfhaus an Tom Hüttenmeister übergeben. Selbst bin ich zum Geschäftsführer der neu gegründeten, übergeordneten Nature Resort Investment GmbH ernannt worden und konzentriere mich seitdem auf die Umsetzung neuer Projekte und die Betreuung der bestehenden Resorts – Expansion steht ganz weit oben auf der Agenda.“

Von Bad Gastein nach Niedersachsen

Mairinger stammt aus einer Hoteliers-Familie. Die Arbeit in der Tourismusbranche liegt ihm im Blut. „Mit meiner Frau und den beiden Kindern habe ich immer dort gelebt, wo meine Arbeit war. Meine Frau ist ebenfalls vom Fach, früher Stewardess und auf der Hotelfachschule gewesen. Mein Sohn arbeitet inzwischen auch bei der Nature Resort. Zuvor war er mehrere Jahre bei der TUI“, sagt er und zählt verschiedene Stationen seines eigenen Berufslebens auf: Die Jahre in der Eifel, in der er Ferien-Resorts und das Hotel am Nürburgring leitete, Damp an der Ostsee und die Lüneburger Heide. Mehr als zehn Jahre leitete er dort den Heide Park Soltau und erweiterte diesen unter anderem um das Ferien-Dorf und Hotel mit insgesamt rund 1.200 Betten „Aber die Berge und der Harz entsprechen eher meinem Naturell als die Küste.“

Zur Investment GmbH gehören heute ein weiteres Ferien-Resort an der Mecklenburgischen Seenplatte und die Beratung von Hotels und Tourismus-Betrieben zum Berufsleben des 68-Jährigen. So kommen im Jahr 80.000 Kilometer Reiseleistung zusammen – von seinem Wohnort in Hildesheim ist es da nur ein Katzensprung bis in den Harz. „Mindestens einen Tag pro Woche bin ich vor Ort, um mit den beiden Resort-Geschäftsführern und ihren Teams Ideen und Konzepte für den Harz weiterzuentwickeln.“ Qualität gehe dabei stets vor Quantität, ist sich Mairinger sicher.

Dafür stellt er sich auch gegen Konventionen: 2017 errichtete er in Torfhaus die ersten Ferienhäuser für zwei Personen inklusive Sauna und Kamin. Aufgrund der Baukosten sei das Projekt zu Beginn noch belächelt und als Verschwendung bezeichnet worden, sagt er. Doch bereits vor der Corona-Pandemie entwickelten sich die sogenannten Kuschelhütten zu einem vollen Erfolg, sagt Mairinger stolz: „Der Buchungsvorlauf beträgt Minimum ein halbes Jahr. Die Auslastung liegt bei 90 Prozent.“

Hoch hinaus

Sein neuestes Projekt ist der 65 Meter hohe Harzturm mit einer über 110 Meter langen Rutsche und gläsernem Steg zu einer Aussichtsplattform. Damit stößt er nicht nur auf Begeisterung, denn Kritiker fürchten eine Beeinträchtigung der Natur. Aber: „Torfhaus braucht einen Eyecatcher, ein Willkommensschild für den Harz. Wir, also die Gesellschafter der Harzturm GmbH und ich, hatten zahlreiche Ideen, bis wir schließlich den Pyramidenkogel in Kärnten besuchten.“ Kurzum lud Mairinger den zuständigen Architekten Dietmar Kaden nach Niedersachsen ein. „Hier fahren Millionen Autos vorbei. Die Menschen sollen auf Torfhaus aufmerksam werden, sehen, dass etwas los ist. Und spätestens, wenn die Kinder rufen: ‚Ich will auch!‘ gibt es kein Drum herumkommen.“ Die Eröffnung des Turms sollte eigentlich diesen Sommer stattfinden, doch die Holzpreissteigerungen im vergangenen Jahr haben den Manager dazu bewogen, den Bau aufzuschieben. Eine Entscheidung, die der GmbH sehr viel Geld gespart hat, erklärt er. Aber nun laufen die Bauarbeiten wieder. Und auch das nächste Projekt ist längst angestoßen: Das Torfhaus Harzresort soll ein neues Hotelgebäude bekommen. Mairinger blickt sich zufrieden um: „Das Einfallstor zum Harz wird ein Hingucker. Hier wird jedem klar: Der Urlaub beginnt.“

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