11. November 2021
Entscheider

Der Schreibtisch von … René Renger

Der 37-Jährige ist Gründer und Geschäftsführer von Novus GmbH, trat zuletzt bei Höhle der Löwen auf – und sagte schon Elon Musk ab.

Novus-Gründer René Renger. Foto: David Krebs

Spätestens seit seinem Auftritt in „Die Höhle der Löwen“ Ende September ist René Renger kein Unbekannter mehr. Geld und einen der begehrten Investorendeals gibt es für den Gründer und Geschäftsführer der Novus GmbH zwar nicht, jedoch macht Lead-Entwickler Marcus Weidig einen beeindruckenden Auftritt, als er während der Präsentation mit dem E-Zweirad auf die Bühne fährt.

Das gleiche Motorrad steht nun auf einem eigenen Podest in Rengers Büro im Technologiepark am Rebenring in Braunschweig. Es nimmt eine ganze Wand des ansonsten beschaulichen Raumes ein.
Makelloses Weiß wird kontrastiert von edlem Carbonschwarz. Das schlanke Design ist kaum zu vergleichen mit gängigen klobigen Motorrollern oder Kleinmotorrädern. Im Mittelpunkt des Zweirads, dort wo ein Motor zu erwarten wäre, ist nur ein Hohlraum.

Renger grenzt sich ganz klar von regulären Zweirädern ab: „In einem ganzheitlichen Kontext sind wird Künstler. Es interessiert uns nicht nur irgendein Motorrad zu bauen. Wir wollen etwas großartiges auf die Räder stellen, was die Menschen begeistert.“ Und in der Tat fällt es schwer Novus One, das erste und bisher einzige Produkt des Start-ups, nur als Fahrzeug zu bezeichnen. Es sieht futuristisch aus, fast schon wie eine Filmrequisite – kein Zufall, wie der 37-jährige Gründer erklärt: „Mit dem Produkt fühlst du dich wie Tom Cruise im übernächsten Mission Impossible Film. Du fährst die Zukunft.“

Novus – „eine typische Garagenstory“

Obwohl es Novus als Start-up erst seit 2019 gibt, arbeitet Renger im Prinzip schon fast ein ganzes Jahrzehnt an Novus One. Zusammen mit seinem früheren Kommilitonen und heutigem Lead-Entwickler Marcus Weidig entwickelt er bereits im Rahmen seiner Bachelorarbeit die Pläne für ein elektronisch betriebenes Zweirad. Die Idee lässt die beiden auch anschließend nicht los. „Das ist eine typische Garagenstory, nur dass in diesem Fall Marcus Keller und mein Wohnzimmer als Werkstatt gedient haben. Dort ist auch der erste Prototyp entstanden.“

Jahrelang halten die beiden ihre Pläne unter Verschluss – nicht einmal der eigenen Familie schickt Renger Bilder. Zu groß ist die Angst, dass Pläne an die Öffentlichkeit gelangen. Heute lacht er darüber. „Als junger Idealist hat man Angst, dass die Idee gleich geklaut wird.“

Absage an Elon Musk

Als Anfang 2019 der erste funktionierende Prototyp auf Rädern steht, sind sich die beiden Entwickler einig: Das Novus-Bike muss an die Öffentlichkeit. „Wir hatten uns dazu entschieden auf eine Technologie-Messe zu gehen und die größte und angsteinflößendste, die uns eingefallen ist, war die CES in Las Vegas.“ Der erste Auftritt wird ein Erfolg. Nur drei Tagen später bekommt Renger einen Anruf von Elon Musks persönlicher Sekretärin. Der Milliardär möchte das Bike kaufen. Für Renger und Weidig ist das nicht mal eine Überlegung wert. Denn Musk will nur den Prototyp, ein Unternehmen hinter dem Produkt gibt es zu diesem Punkt noch nicht.

„Wir haben acht Jahre lang an diesem Modell gearbeitet. Hätten wir das abgegeben, auch für eine stolze Summe, hätte ich das sehr bereut.“ Nach dem positiven Feedback beim ersten Auftritt gründet Renger Ende 2019 das Start-up Novus.

So ist der Stand bei Novus One

Im Sommer kommenden Jahres soll das Novus One an die ersten Kund:innen ausgeliefert werden. Renger plant aber schon weiter. „Novus soll die neue High-Tech Design-Marke werden. Mit dem Anspruch, Menschen immer wieder in Erstaunen zu versetzen. Bei uns wird die Zukunft real.“ Im wahrsten Sinne des Wortes, denn der 37-Jährige denkt groß und Novus soll beileibe kein reiner Motorradhersteller werden. „Mehr Räder, gar keine Räder. Wir wollen alles entwickeln, was man sich nur vorstellen kann.“

Gerade steht Novus One kurz vor der Serienzulassung. Das Team um Renger umfasst gerade einmal 17 Mitarbeiter:innen, acht davon in Vollzeit. Renger selbst zahlt sich kein Gehalt aus. „Wenn man so etwas macht, muss man sein Leben dieser Sache widmen und alles radikal unterordnen. Damit meine ich alles und damit meine ich radikal.“ Letztendlich ist es bei René Renger wie in seinem Büro: Den größten Platz bekommt Novus.

Auch interessant