25. November 2020
Entscheider

Der Schreibtisch von Thomas Baake

Gründer von Foodbike21 und Inhaber vom Frisuren Keller in Meine

Thomas Baake auf seinem Foodbike. Foto: Torben Dietrich.

Thomas Baake hat zwei Schreibtische. Einer steht im Nebenzimmer seines Salons „Der Frisuren Keller“ in Meine, der andere hinter einer weiteren Tür daneben. Auf letzterem wird allerdings mehr Gemüse geschnippelt und Fleisch gehackt als geschrieben.

Womit wir auch schon bei Baakes großer Leidenschaft sind: Food. Lebensmittel. Baake ist Koch, und der Zusatz „Hobby-“ würde ihm kaum mehr gerecht werden.
Mit derselben Sorgfalt, mit der er die Frisuren seiner Kunden pflegt und kreativ Neues schafft, widmet sich Baake seit zehn Jahren dem Gemüse, den Früchten und dem Fleisch, bis Exzellentes entsteht, etwa „Gebackenes Lammkaree Holunder und Zwetschge“. Seine Kunden und Freunde liebten das, er begann mit der Organisation von Kochkursen. Die Nachfrage dafür stieg ab 2010 schnell an.

„Meine Küche“, eine Showküche eine Straße weiter, mietet Baake regelmäßig für seine Kochkurse. Auch hier neben dem Friseursalon, im „Raum21“, wo er gerade an dem langen, selbstgebauten Tisch sitzt, kommen – unter normalen Bedingungen – Kochgruppen zusammen.
Baakes Küche „retro“ zu nennen, ist keineswegs übertrieben: Hinter dem Koch steht eine beinahe urtümliche, handbetriebene Wurstmaschine, irre schwer, teilweise aus Eisen, auf der Arbeitsplatte ein himmelblauer Thermomix aus den 70er Jahren, rechts im Raum ein Hackeklotz, der im ersten Augenblick an ein Turngerät zum Bockspringen erinnert. Alles keine Museumsstücke, sondern in Benutzung.

Die Zutaten für seine Kreationen beschafft Baake bei ausgewählten Händlern in der Region, oft in Demeter-Qualität – oder aus dem eigenen Schrebergarten. „Irgendwann wollte ich dieses authentische Erlebnis auch direkt zu den Leuten bringen“, erinnert er sich. Nur wie?
Nun, beim Friseur kommt man bekanntlich ins Plaudern. Eine Kundin erzählte Baake von einem Bekannten, der sich einen klassischen Hotdog-Schiebewagen zugelegt hatte, typisch amerikanisch, mit Sonnenschirm, zwei Handgriffen und Boxen für Wurst und Brötchen.
„Da hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Idee“, sagt Baake und lacht. Mit tatkräftiger Unterstützung eines Schlossers baute er das Lastenfahrrad, mit welchem er zuvor seine Zwillinge befördert hatte, zum Foodbike um, samt mächtigem Gasgrill, Fächern und Gaskartusche, obendrauf ein rechteckiges Verdeck mit Kreidetafel. Inzwischen hängt er, falls gewünscht, hinten noch einen Pizzaofen im Anhänger dran.

Ebenso ungewöhnlich wie erstklassig sollten auch seine Produkte sein. Baake nahm sich zwei Wurstrezepte – für Krakauer und mexikanische Bratwurst – von bekannten Köchen vor, experimentierte daran herum, ergänzte Zutaten, ließ das Phosphor weg und variierte die Mengen. Ein weiterer Kunde vermittelte ihm den Kontakt zu einem Braunschweiger Fleischer, der nun die Rohmasse für die Würste herstellte. Ein Bäcker aus Rötgesbüttel backt ihm inzwischen die Brötchen nach seinem Rezept.

Sein Foodbike21-Start mit einer Party war 2018 ein voller Erfolg, sein ungewöhnliches Konzept blieb im Gedächtnis. Es folgten viele Anfragen: Hochzeiten, Firmen-Events, Konfirmationen, Geburtstage. Viel zu tun bei wenig Zeit. „Aber wenn man dafür brennt, dann macht man das“, sagt Baake, den seine Freunde und Bekannten oft nur „Tommy“ nennen.
Das Wichtige für ihn ist dabei der unmittelbare Kontakt: „Ich bin direkt bei den Leuten, oft in deren Gärten. Da merkst Du gleich, ob es schmeckt oder nicht, du siehst es, hörst es, erhältst direkt Feedback.“ Es gibt also Parallelen zum Job als Friseur? Auch hier merke er schließlich unmittelbar, ob er einen guten Job macht oder nicht. „Ja“, bestätigt Baake, „genau so ist es.“

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