Eine Löwin aus Salzgitter - Standort38
4. November 2020
Entscheider

Eine Löwin aus Salzgitter

Astrid Striese leitet die Geschäfte der ATL Striese Immobilien KG

Astrid Striese von der ATL Striese Immobilien KG im Interview. Foto: Stephanie Joedicke.

Auf dem Schreibtisch von Astrid Striese steht eine kleine, weiße Statue eines liegenden Löwen – ein Geschenk ihres Mannes, das sie daran erinnern soll, auch mal eine Pause zu machen. „Eigentlich hatte ich mir einen Braunschweiger Löwen gewünscht. Aber mein Mann fand, dass dessen angestrengte Lauerstellung nicht die richtige Botschaft für mich sei“, sagt Striese und lacht. Und in der Tat, die 50-Jährige könnte durchaus als umtriebig beschrieben werden. Ihr Arbeitstag beginnt um sieben Uhr morgens, wenn die ersten Handwerker im Büro anrufen, und endet abends bei einem Spaziergang mit ihrem Hund Betti. Nach Feierabend engagiert sie sich dann ehrenamtlich für den Mittelstand der Region. „Ich habe viele Facetten“, bemerkt Striese mit einem Augenzwinkern, als wir sie zum Interview in den Büroräumen der ATL Striese Immobilien KG im beschaulichen Salzgitter Thiede treffen.

In ihrem Leben hat Striese schon in fünf verschiedenen Branchen gearbeitet und mindestens ebenso viele Ehrenämter bekleidet. Ursprünglich möchte die gebürtige Braunschweigerin das Fernsehgeschäft ihrer Eltern übernehmen und startet dafür eine Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin. „Dann kamen Mediamarkt und Saturn nach Braunschweig und ich sah darin keine Zukunft mehr. Die Ausbildung habe ich abgebrochen.“ Stattdessen macht sie eine kaufmännische Lehre am Steinweg und arbeitet nach der Wende einige Jahre für Creditreform in Stendal. „Mit 20 Jahren wollte ich schließlich die Welt kennenlernen und etwas zurückgeben“, erzählt Striese rückblickend. Sie sucht eine neue Herausforderung und findet diese bei der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung.

Einsatz in Afrika

Striese bei einem Projektbesuch in Tansania im Jahr 1996. Foto: Privat.

Sie wechselt nach Hannover und wird Geschäftsführerin des Trägervereins. In dieser Zeit reist sie für Projekte nach Tansania – einmal in Begleitung der Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen und einem Kamerateam, erinnert sich Striese. „Wir haben regelmäßig Ärzte weit im Landesinneren stationiert, um Aids-Kranke und Frauen mit Genitalverstümmelungen zu behandeln und aufzuklären. Die Massai hatten einen ganz besonderen Weg, das kundzutun. Über drei oder vier Tage sind sie dann zu unserer Station gewandert.“ Dank weiterer Bildungsprojekte, die kostenfreie Schulspeisungen und -uniformen ermöglichten, habe die Stiftung in Strieses Amtszeit sichtbar viel in dem Ostafrikanischen Staat bewegen können. „Ich habe diese Arbeit richtig geliebt – darin bin ich aufgegangen und habe sogar ein paar Jahre Internationale Beziehungen studiert“, sagt sie und lächelt. „Aber mit zwei Kindern war das irgendwann nicht mehr möglich.“
Für einige Jahre arbeitet sie „auf Sparflamme“ halbtags an einer Hotelrezeption und als Büroleitung für Landtagsabgeordnete. Bis schließlich die Frage im Raum steht, „ob ich mir zutraue, in dritter Generation einen Teil der familiären Hausverwaltung weiterzuführen.“

Förmlich familiär

Das war vor zehn Jahren – seitdem hat sich einiges getan. Stolz blickt sich Striese in ihrem Büro um. Auf dem Tisch vor ihr liegt das Mietermagazin, dass sie in Eigenregie herausbringt, an den Wänden hängen Bilder von Immobilien. Gut 150 Wohneinheiten werden inzwischen verwaltet. In den letzten Jahren kommen einige neue Objekte hinzu, die aufwendig saniert und anschließend im Bestand vermietet werden. „Am Anfang musste ich mir in der Immobilienbranche zwischen Gerüstbauern und Dachdeckern erstmal ein Image erarbeiten. Ich bilde mich deshalb auch heute noch ständig fort. Nur mit fachlichen Argumenten kommt man als Frau weiter“, sagt Striese und ergänzt: „Und es hilft mir, dass ich eine Powerfrau bin und auch mal mit anpacke.“ So habe sie bereits Stahlbeton geschnitten und Dachziegel verlegt. „Ich klettere auch gerne selber auf die Gerüste und Dächer – ich mag die Aussicht. Das erinnert mich an meine Kindheit, in der ich oft Felsenklettern war.“
In einigen Jahren sollen ihre beiden Söhne Theodor und Lorenz das Unternehmen weiterführen. In die Geschäfte der 2016 eigens zu diesem Zweck gegründeten ATL Striese Immobilien KG sind die beiden deshalb bereits heute involviert – große Entscheidungen wie Neukäufe, Strategien und Ziele werden gemeinsam getroffen. Einmal im Jahr veranstaltet die gesamte Familie Striese außerdem eine Gesellschafterversammlung. „Wir verbinden das immer mit einem schönen Wochenende, gehen Essen und machen Wellness. In diesem Jahr haben wir wegen Covid-19 eine Ferienwohnung gemietet“, sagt die Immobilienverwalterin und zeigt auf ein Foto, das bei der letzten Versammlung entstanden ist. Ansonsten gebe es eine feste Tagesordnung – da geht es dann auch schon einmal förmlich zu, mit Anzug, aber ohne Krawatte. „Und Referenten oder unsere Kinder halten einen Vortrag zu Themen, die ihnen wichtig sind, wie Digitalisierung, Bürokonzepte oder Mieter-Apps. Aber natürlich lachen wir auch viel und abends gehen wir zusammen feiern.“ Dass sich ihre Söhne so stark für die Immobilienverwaltung interessieren, freut Striese. In ihrer Arbeit sieht sie eine große Verantwortung – ökonomisch, aber auch ökologisch und gesellschaftlich. „Mit unserer Arbeit schaffen und erhalten wir in der Region Wohnraum, setzen Gebäude instand und sichern deren Bestand für die Zukunft.“

Regionales Engagement

Gesellschafterversammlung im Familienkreis: Astrid Striese mit ihren Söhnen Theodor und Lorenz sowie Ehemann Arnt. Foto: Privat.

Doch auch darüber hinaus engagiert sich die Braunschweigerin für ihre Region. „Ich kann nicht nur zuhause sitzen, sondern möchte mich für das, was mir wichtig ist, engagieren.“ In der Kaufmännischen Union habe sie eine Art zweite Heimat und einen Ausgleich zu ihrem Alltag gefunden, erzählt Striese im Interview. „In diesen Bereich der Unternehmer gehöre ich. Ich komme aus dem Mittelstand, auch aus dem elterlichen Betrieb. Die ganzen großen Unternehmen haben ihre eigene Lobby.“ Im Arbeitsausschuss Innenstadt e.V. (AAI) möchte sie außerdem dem Leerstand in den Innenstädten entgegenwirken. „Ich kandidiere auch für die IHK Braunschweig, um an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft etwas bewegen zu können. Mit meiner Lebenserfahrung und meinen Jobs kann ich etwas dazu beitragen. Ich habe die Weitsicht.“ Dann ergänzt sie schmunzelnd: „Alter hilft“, und lacht.
Letzten Winter habe Striese in all den Jahren das erste Mal an ihrer Belastungsgrenze gestanden. Der Grund: ein großes Sanierungsprojekt am Rudolfplatz, das in Rekordzeit von sechs Monaten fertiggestellt wird. „Da habe ich wirklich gemerkt, dass ich ab und an auf die Bremse treten muss.“ Inzwischen gelinge ihr das ganz gut – nicht zuletzt aufgrund des weißen Löwen, der sie regelmäßig daran erinnert.

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