5. Dezember 2019
Entscheider

Entscheider 2019

Mutige Unternehmer, Politiker mit Format und Querdenker, die die Wirtschaftsregion geprägt haben ...

Entscheider, die die Wirtschaftsregion geprägt haben ... Grafik: Standort38

Düstere Wolken ziehen am Horizont auf, das Allzeithoch der vergangenen Wirtschaftsjahre trübt sich ein. Gerade jetzt sind mutige Unternehmer, Politiker mit Format und Querdenker gefragt, die unsere Region und den nötigen Wandel gestalten oder ein Versprechen für die Zukunft sind. Einige von ihnen stellen wir hier vor … noch mehr Personalien gibt es in der aktuellen Ausgabe von Standort38!

 

 

Anita & Bernhard Hönigsberg

Als „eine optimale Nachfolgeregelung“ hat H&D-Geschäftsführer Bernhard Hönigsberg die Übernahme des Unternehmens durch HCL Technologies bezeichnet. Seit Juni 2018 sind die 1.400 Mitarbeiter von H&D Teil des indischen IT-Dienstleisters, der mit rund 120.000 Mitarbeitern weltweit 8 Milliarden Dollar Umsatz macht. Jetzt haben Anita und Bernhard Hönigsberg ihren vollständigen Rückzug aus dem Unternehmen bekannt gegeben. Eine beeindruckende regionale Wachstumsgeschichte, die im Jahr 1996 begann, liegt damit hinter dem Gründer-Ehepaar, das sich in den (verdienten) Ruhestand verabschiedet.

Bernhard und Anita Hönigsberg. Foto: H&D

 

Friedrich Knapp

… ist ein Unternehmer, der sich eigentlich rarmacht. Lediglich im Zusammenhang mit der Rettung des Schwimmbades in Gliesmarode fiel sein Name zuletzt häufiger. Das könnte sich jetzt ändern, denn der Chef der Modekette New Yorker will sich mit Amazon anlegen. Knapp wirft dem Online-Versandhändler vor, dass dieser Produkte vertreibt, die nicht dem Textilkennzeichnungsgesetz entsprechen und kündigt an, sich „Amazon zur Brust nehmen. Einstweilige Verfügung, Abmahnung, alles, was das Rechtssystem so hergibt.“ Da wagt sich einer aus der Deckung!

Friedrich Knapp. Foto: Archiv

 

 

Bastian Bosse, Kerstin Borchardt & Thomas Ritterbusch

Spitze bei fallenden Kursen: Im Ranking der Wirtschaftswoche hat es die Braunschweiger BRW Finanz AG mit ihrem Fonds „BRW Balanced Return“ in diesem Jahr auf Platz eins unter Deutschlands Vermögensverwaltern geschafft und Branchenschwergewichte wie Flossbach von Storch oder Berenberg auf die Plätze verwiesen. Ein Ausrufezeichen vom unterschätzten Finanzplatz Braunschweig, das eins zeigt: Haltung gepaart mit Kompetenz führt über kurz oder lang zu Exzellenz!

Bastian Bosse, Kerstin Borchardt und Thomas Ritterbusch. Foto: Holger Isermann

 

 

Richard Borek senior

Einflussreiche Entscheider mit klaren Überzeugungen sind häufig streitbar. Das trifft ganz bestimmt auf Richard Borek senior zu. Ende 2018 konnte der König unter den Münz- und Briefmarkenhändlern 125 Jahre Unternehmensgeschichte feiern, seit Sommer diesen Jahres ist er mit Gerhard Glogowski zudem einer von nur zwei lebenden Ehrenbürgern der Stadt Braunschweig. Für die hat sich Borek unstreitbar verdient gemacht: Zum Beispiel durch die Förderung der Schulsozialarbeit, den Bau des Hospiz Am Hohen Tore und zahlreiche Sanierungsprojekte an denkmalgeschützten Gebäuden.

Richard Borek senior. Foto: Archiv

 

 

Hermann Butting

„Philosophisch kann man sagen: Liebe treibt mich an.“ Es ist ein Satz, der nachhallt und den man so nicht unbedingt aus dem Mund eines Menschen zu hören erwartet, der gerade mit dem Unternehmerpreis der Region ausgezeichnet wurde. Der bekennende Christ Hermann Butting führt die Geschäfte des Rohrspezialisten in der siebten Generation, setzt auf ein positives Menschenbild und Wertschätzung im Umgang miteinander und ist damit überaus erfolgreich. Im vergangenen Jahr haben die knapp 1.900 Mitarbeiter an sechs Standorten rund 472 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Ausgezeichnet!

Hermann Butting. Foto: Archiv

 

 

Ferdinand Piëch

Er hat Volkswagen großgemacht – genauer zum größten Autobauer der Welt: Ferdinand Piëch war nicht nur leidenschaftlicher Konstrukteur, sondern vor allem visionärer Manager. Als er 1993 an die Spitze des VW-Vorstands rückt, kämpft der Konzern mit Verlusten und Qualitätsproblemen. Piëch krempelt den Laden systematisch um, feuert reihenweise Top-Manager, integriert insgesamt neun Marken und führt die Plattformstrategie ein. 2002 rückt er in den Aufsichtsrat. Der Umsatz beim Autobauer hat sich in der Zwischenzeit verdoppelt – dazu schreibt VW Rekordgewinne. Dieses Meisterstück der deutschen Industriegeschichte endet 2015 mit einem Bruch, weil man Piëch in der Causa Winterkorn die Gefolgschaft verwehrt. Fortan zieht sich der Alpha-Manager zurück, im August ist Piëch im Alter von 82 Jahren gestorben. Zeit seines Lebens hat er sich von Gesprächspartnern oft mit folgendem Satz verabschiedet: „Ich bitte um gute Nachrede.“ Done!

Ferdinand Piëch. Foto: Volkswagen AG

 

 

Jürgen Brinkmann

Es gibt nur wenige Entscheider in der Region, die ihr Unternehmen über so viele Jahre derart profilgebend prägen (und deren Namen in der Folge mit zahlreichen Leuchtturmprojekten verbunden ist), wie der von Jürgen Brinkmann. Beispiele gefällig? Die Gründung der Braunschweiger Privatbank und außerordentliche Aktivität auf dem Immobilienmarkt – insbesondere die Entwicklung des BraWo-Parks oder der BraWo City in Wolfsburg, die Fusion mit der Volksbank Peine oder das Engagement für Kinder in der Region, das in diesem Jahr in den Walk4Help gipfelte. Für letzteres wurde der Vorstandsvorsitzende jüngst mit dem „Quality Life Award“ geehrt. Es dürfte nicht die letzte Auszeichnung gewesen sein!

Jürgen Brinkmann. Foto: Archiv

 

Hans-Joachim Flebbe

Es ist nicht übertrieben den Gründer und früheren Vorstand der CinemaxX AG als bundesweit wirkenden Kino-Visionär zu bezeichnen. In Braunschweig hat Flebbe gerade rund acht Millionen Euro in die Neuerfindung seines C1-Kinos investiert, das fortan als Astor Filmtheater auf Fingerfood und Dolby Atmos setzt – premium!

Hans-Joachim Flebbe. Foto: Stephanie Joedicke

 

 

Detlev Bade

… bringt schon von Berufswegen Glück – scheinbar auch Deutschlands flächenmäßig größter Handwerkskammer. Diese hat den Schornsteinfegermeister im März für fünf weitere Jahre im Amt als Präsident bestätigt. Vor zehn Jahren sind die Handwerkskammern aus Braunschweig und Lüneburg-Stade fusioniert, diesen Prozess hat Detlev Bade noch als Vizepräsident begleitet. Heute resümiert der Mann, der für rund 28.000 Betriebe spricht: „Wir vertreten damit zukunftsorientiert und modern das Handwerk vom Harz bis ans Meer.“ Bis zum Horizont und weiter … viel Glück!

Detlev Bade. Foto: Holger Isermann

 

 

Dr. Andreas Beitin

Seiner Berufung ging eine nationale Mediendebatte zur Kunstfreiheit voraus, weil der Vertrag mit Ralf Beil, dem früheren Direktor des Kunstmuseums, vorzeitig aufgelöst wurde. Über Zweifel in dieser Hinsicht scheint die Personalie Beitin erhaben: Rund 440 Kilometer reiste der promovierte Kunsthistoriker von Aachen nach Wolfsburg, das Gepäck dabei beachtlich: der renommierte Justus-Bier-Preis für Kuratoren, dazu Auszeichnungen zum „Museum des Jahres“ und zur „Ausstellung des Jahres“ für das Ludwig Forum für Internationale Kunst. Der neue Direktor ist ein politischer Geist mit einer klaren Vision: Das Haus soll globaler, femininer und offener werden. Angepasst klingt das (zum Glück) nicht.

Dr. Andreas Beitin. Foto: Holger Isermann

 

 

Sigmar Gabriel

Es gibt Menschen, die sehr erfolgreich waren und doch als die Unvollendeten in die Geschichte eingehen, weil der ganz große Triumph ausblieb. Michael Ballack gehört in diese Kategorie, aber auch Sigmar Gabriel. Ministerpräsident in Niedersachsen, Pop-Beauftragter der SPD, Vizekanzler, Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister – niemand war seit Willy Brandt länger Parteivorsitzender. Den acht Jahren an der Spitze der SPD stehen die unsteten Seiten des Goslarers gegenüber: mal linke Positionen in der Partei, mal Seeheimer Kreis, mal Abteilung Attacke, dann die große Geste der Versöhnung, Vollblutpolitiker und zugleich Familienmensch. Gabriel ist spontan, emotional – ein Menschenfänger und Machtpolitiker wie sein Entdecker und Förderer Gerhard Schröder. Mit der Kanzlerkandidatur aber haderte er und griff nie zu. Im November schied er aus dem Deutschen Bundestag aus und stieg als Berater bei der US-Denkfabrik Eurasia Group ein. Seine klare Stimme wird der Politik gerade jetzt fehlen …

Sigmar Gabriel. Foto: Wikimedia

 

 

Vanessa Ohlraun

Sie kam Ende 2016 aus der kanadischen Botschaft in Berlin nach Braunschweig und übernahm eine krisengebeutelte Kunsthochschule. In der Zwischenzeit hat Vanessa Ohlraun einen lange schwelenden Streit mit den Studierenden geschlichtet, der sogar in einer Besetzung der HBK gipfelte und ein neues Präsidium sowie mit Dr. Rainer Heuer einen Hauptamtlichen Vizepräsidenten vorgestellt. Aktuell befindet sich die Präsidentin übrigens in Elternzeit – und zeigt, dass Beruf und Familie auch an der Spitze der Karriereleiter keine unvereinbaren Gegensätze sind …

Prof. Dr. Vanessa Ohlraun. Foto: Holger Isermann

 

 

Olf Clausen

M&P ist vor 30 Jahren als Zweimann-Ausgründung der Ostfalia entstanden, Olf Clausen hatte damals gerade sein Diplom in der Tasche. Im September feierte der Geschäftsführer mit mehr als 300 Mitarbeitern den runden Firmengeburtstag. 63 Millionen Euro Umsatz hat die M&P-Gruppe im vergangenen Jahr mit ihren 18 Standorten im deutschsprachigen Raum erwirtschaftet und setzt mit den Geschäftsbereichen Energie, Engineering und Consulting weiter auf Wachstumskurs. Eine beeindruckende Gründungsgeschichte aus der Region!

Olf Clausen. Foto: Holger Isermann

 

 

Karin Stemmer

… arbeitet gern aufrecht. Dass diese Haltung auch jenseits des Stehtisches in ihrem Büro gilt, merkt sofort jeder, der mit ihr ins Gespräch kommt. Die Vorständin fühlt sich verantwortlich – längst nicht nur für die rund 6.500 Wohnungen der Braunschweiger Baugenossenschaft (BBG). Stemmer ist Arbeiterkind, fährt ein Elektroauto und setzt auf dialogische Führung statt starre Hierarchien. Auf Fotos von Spatenstichen lächelt sie oft als einzige Frau in die Kameras und wird so automatisch zum Vorbild. Zurecht!

Karin Stemmer. Foto: Holger Isermann

 

Sebastian H. Brandes & Jürgen Bialek

In fast jedem Hafen der Welt sind sie zu Hause und unterhalten Produktionsstätten oder Tochtergesellschaften in China, Indien, Brasilien, Russland und den USA. Mit 2.000 Mitarbeitern weltweit erwirtschaftet die Salzgitter Maschinenbau AG derzeit rund 300 Millionen Euro Umsatz. Aus dem exportorientierten Mittelständler ist in den vergangenen zehn Jahren durch mehrere ambitionierte Übernahmen eine internationale Unternehmensgruppe mit Sitz in Salzgitter geworden. Gestaltet und getrieben haben diesen Wandel vor allem die Vorstände Jürgen Bialek und Sebastian H. Brandes – Respekt!

Sebastian H. Brandes & Jürgen Bialek. Foto: Holger Isermann

 

Julian Glaab und Johannes Riedel

Die Suche nach einem Parkplatz kann gerade in Städten richtig nerven – und sie kostet nicht nur Zeit, sondern auch ganz faktisch Energie. An dieser Stelle setzt die Aipark GmbH mit ihren Gründern Julian Glaab und Johannes Riedel an. Das Start-Up ist aus der TU Braunschweig heraus mit der Idee eines digitalen Parkleitsystems entstanden. Eine App erfasst dazu Millionen Stellplätze in über 15 Ländern sowie umfassende Verkehrsdaten und wertet diese Daten in Echtzeit aus. Airpark will so die suchenden Autofahrer schneller zu einem Parkplatz lotsen und das Verkehrsaufkommen in den Städten reduzieren. Dafür gab es im vergangenen Jahr den „Cebit Innovation Award 2018“, jetzt wurde das Team vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als „Digitales Start-up des Jahres 2019“ ausgezeichnet.

Julian Glaab und Johannes Riedel . Foto: Philipp Ziebart/BestPixels.de

 

 

Michael Schwarze

Beruflich hat Michael Schwarze den Durchblick – der Unternehmer mit Meisterbrief leitet zusammen mit seiner Frau Ines in vierter Generation eine traditionsreiche Glaserei. Noch bekannter ist der PRäsident des Lions Club Braunschweig durch sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement: „Eine Region für Kinder“, die „Kinder-Weihnachtsaktion“, „Stark in den Tag“, der „Braunschweiger Benefizball“ die „Charity-Weihnachtskugel“ oder die Aktion „Unsere Superhelden“. Im Mittelpunkt steht immer die Hilfe für die Kleinsten. Von den Lesern der Braunschweiger Zeitung wurde er jetzt zum Braunschweiger des Jahres gewählt – ein toller Botschafter einer engagierten Stadtgesellschaft!

Michael Schwarze. Foto: Archiv

 

 

Martin Burghartz

… war Schulleiter, Eintracht-Geschäftsführer, PR-Profi – vor allem aber ist der 69-Jährige ein Vollblut-Netzwerker, dem man mit an sicher grenzender Wahrscheinlichkeit auf der nächsten Abendveranstaltung über den Weg läuft. 1990 initiierte Burghartz den viel beachteten Brockenstammtisch, seit 2014 zieht der exklusive Steinberg-Dialog viermal im Jahr Entscheider auf die gleichnamige Alm bei Goslar. Ob HarzForumZukunft, Brunswick Rail Quarters oder der erste Neujahrsempfang des Jahres – Burghartz hat viel Energie und ein großes Herz für die Region!

Martin Burghartz. Foto: Archiv

 

 

Friedrich-Carl Heidebroek & Christoph Schmitz

Es ist ein ganz und gar unwahrscheinliches Jubiläum, das Friedrich-Carl Heidebroek und Christoph Schmitz mit Mitarbeitern und Kunden im November dieses Jahres feiern konnten: 225 Jahre Bankhaus Seeliger – das ist große Politik von Napoleon über den Nationalsozialismus bis ins vereinte Deutschland der Gegenwart. Das ist aber auch eine Geschichte von großem Mut und Kreativität in einem sich stetig wandelnden Markt. Heute ist die Seeliger Bank die älteste Privatbank Deutschlands. „Alles mit Bedacht“ steht auf ihrem Eingangsportal – ein Satz, der vor der Finanzkrise aus der Zeit gefallen schien und heute aktueller denn je wirkt. Auf die nächsten 225 Jahre!

Friedrich-Carl Heidebroek & Christoph Schmitz. Foto: Seeliger Bank

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