18. Mai 2021
Entscheider

„Es gibt nicht das eine Geheimnis“

Marcus Lauk, Autor und Gesundheitsphilosoph, im Interview

Marcus Lauk präsentiert sein neues Buch. Foto: Marcus Lauk.

Herr Lauk, Sie bezeichnen sich selbst als Gesundheitsphilosoph. Was ist das?
Ein Philosoph an sich ist ja erstmal jemand, der sich mit wichtigen Lebensfragen beschäftigt. Ein Gesundheitsphilosoph ist jemand, der sich mit der Frage beschäftigt, wie ein langes gesundes Leben gelingen kann. Den Begriff habe ich auch geschützt und beim europäischen Markenamt patentieren lassen.

Ihr Buch trägt den Titel „100 Jahre erfüllt leben – Die Geheimnisse zum gesund glücklich sein“. Was sind die größten Geheimnisse der Hundertjährigen?
Das wichtigste Geheimnis für mich ist, dass es nicht das eine Geheimnis gibt. Viele sind auf der Suche nach diesem einen Ding und wenn sie das machen, regelt sich der Rest von selbst. Aber es existieren vier Lebensbereiche, die eine große Rolle spielen.

Welche sind das konkret?
Erst einmal ist die Ernährung ein wichtiger Faktor. Obst, Gemüse, aber auch Nüsse, aßen alle von mir besuchten Hundertjährigen viel. Auch die Bewegung in der Natur, was interessanterweise nicht unbedingt Sport sein muss, sondern körperliche Aktivität, ist elementar. Der dritte Bereich ist die Psyche, also wie ich mit Stress umgehe. Der vierte Bereich ist, wie ich mein Umfeld gestalte, sprich welche sozialen Kontakte ich habe und wie ich mein Wohn- und Arbeitsumfeld gestaltet.

Sie haben unter anderem die ältesten Menschen der Welt auf Okinawa in Japan besucht …
Ja. Ein Drittel der 100-jährigen Okinawaner arbeiten dort noch. Das ist beeindruckend. Die verstanden meine Frage auch gar nicht, als ich sagte: „Wann gehst du in den Ruhestand?“. Es gibt dort noch nicht mal ein Wort dafür. Die Gegenfrage lautete dann: „Wieso sollte ich aufhören zu arbeiten, wenn ich noch arbeiten kann?“. Das ist sicherlich konträr zu dem, was wir zumindest in der Masse in Deutschland erleben. Da sind die Leute froh, wenn sie aufhören können zu arbeiten. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, ob der Beruf Spaß macht und erfüllend ist. Auf Okinawa gibt es zum Beispiel dieses Wort „Ikigai“. Das ist der Grund, für den es sich lohnt, morgens aufzustehen.

Mit wem hatten Sie die bewegendsten und ungewöhnlichsten Begegnungen?
Meine zweiwöchige Begegnung mit Dr. Ellsworth Wareham aus Loma Linda in Kalifornien war sehr beeindruckend. Mit seinen damals knapp 100 Jahren ist er morgens aufgestanden und dann sind wir erstmal Wasserski gefahren. Spannenderweise hat er als Chirurg anschließend noch Herzoperationen durchgeführt!

Traum oder Trugschluss: Ist Auswandern eine Option, um woanders sein Leben zu verlängern?
Ich persönlich meine nein. Es wäre eine Option, aber nicht die Lösung. Angenommen ich ziehe jetzt nach Okinawa, dann können meine Familie und Freunde nicht aus Deutschland mitziehen. Die Erkenntnis bei den 100-Jährigen ist: Sie sind dageblieben, wo sie ihren Schwerpunkt haben. Das soziale Netz ist wichtig und das sollte man nicht komplett aufgeben. Genauso wie das Gefühl zugehörig zu sein. Klar, auch in Okinawa sind die Menschen nett, aber man wäre trotzdem der Fremde, der Außenstehende, und nicht organisch in diese Lebensgemeinschaft hineingewachsen. Auswandern habe ich übrigens nirgendwo beobachtet.

Haben Sie sich durch die Gespräche und Reisen auch über Ihre eigene Sterblichkeit verstärkt Gedanken gemacht?
Ich bin da relativ entspannt, weil ich weiß, dass wir selbst viel in der Hand haben. Es ist eben nicht egal, wie man lebt, zumindest bei vorzeitigen Todesursachen.

Sie bezeichnen sich auch als Inspirationsredner. Was können die Besucher:innen Ihres Vortrags für sich mitnehmen?
Die Erkenntnis und das Gefühl, dass man selbst eine Menge verändern kann. Und man wird inspiriert von den Menschen, die ich vorstelle. Es wäre fantastisch, wenn dadurch eine Positivspirale angestoßen wird und die Zuhörer:innen für sich eine Richtung finden, in die sie gerne gehen möchte.

Auch interessant