und
8. Oktober 2018
Interview

„Das Risiko für Mittelständler am Pharmamarkt steigt“

Nils Ole Wolcke, Geschäftsführer bei Schaper & Brümmer

Nils Ole Wolcke. Foto: Holger Isermann

Nils Ole Wolcke. Foto: Holger Isermann

Ist der Verkauf eine Option für die Gesellschafter?

Erfreulicherweise ist das kein Thema.

Es gibt aktuell den Trend „zurück zur Natur“ – merken Sie das beim Verkauf Ihrer Produkte?

Diese Hoffnung teilen wir seit Jahren mit unseren Mitbewerbern. Allein die Zahlen zeigen es nicht und wir erleben immer wieder eine gewisse Erdung. Die Marktforschung sagt schließlich auch, dass sich viele Menschen gesund ernähren wollen und am Ende sitzen sie bei McDonalds. Das erklären wir uns zum Teil auch dadurch, dass chemisch-synthetische Arzneimittel – besonders die verschreibungspflichtigen – noch von der Kasse erstattet werden.

Werden damit vor allem die Besserverdienenden zu Ihrer Zielgruppe?

Schon, es geht aber auch um die Einstellung. Verbraucherkreise, die sich bewusster ernähren, die sich dafür interessieren, was gut für den Körper ist, sind affiner für pflanzliche Mittel.

Wie viele Produkte verkaufen Sie im Jahr?

Insgesamt produzieren wir etwa sieben Millionen Packungen von 16 Produkten.

Wie herausfordernd ist die internationale Expansion für Sie?

Erfreulicherweise ist das für uns nichts Neues, weil schon in der 50er-Jahren die ersten Schritte gemacht wurden. Dieses Wissen haben wir hier im Haus gebündelt, das ist auch eine Schaper- & Brümmer-Besonderheit. Es gibt durchaus mittelständische Pharmaunternehmen, die Kompetenzen auslagern. Wir haben ein schlagkräftiges Export-Team im Haus, das die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern vor Ort akquiriert und organisiert. Diese Partnerunternehmen kennen und verstehen die Kultur ihres Landes und die Gepflogenheit des jeweiligen Marktes.

Geht dabei manchmal trotzdem etwas schief?

Ja, unser China-Geschäft ist in Turbulenzen geraten. Das Geschäft hatte sich brillant entwickelt und brach plötzlich ein. Das Partnerunternehmen vor Ort hatte große Probleme bekommen, einen ausreichenden Abfluss der Ware zu generieren. Ab Mitte letzten Jahres wurde dann keine neue Ware mehr abgenommen.

Um welchen Anteil Ihres Gesamtgeschäftes ging es?

Etwa 20 Prozent.

Klingt nach einer ernsthaften Krise …

Das war für uns tatsächlich bedrohlich und ist schon etwas, was ein Unternehmen erschüttert. Erfreulicherweise funktioniert Schaper & Brümmer aber so, dass in dem Augenblick dann alle zusammenrücken. Die Bereitschaft der Mitarbeiter, den eigenen Gürtel enger zu schnallen, wenn es wirklich darauf ankommt, war und ist sehr groß.

Was heißt das konkret?

Wir sind Mitglied im Tarifverbund Nord, das bedeutet sehr ordentliche Gehälter und fällt uns als Mittelständler grundsätzlich nicht leicht. Immerhin bewegen wir uns hier auf Augenhöhe mit Unternehmen wie Continental. Für Krisensituationen gibt es die so genannten Tariföffnungsklauseln. Das heißt: die Arbeitszeit wurde temporär reduziert, gleichzeitig das Gehalt prozentual abgesenkt. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat waren hart, aber immer kons- truktiv und weit entfernt vom Klassenkampf. Damit hätte ich mich persönlich auch wirklich schwer getan.

Was tragen die Gesellschafter bei?

Alle verzichten auf Entnahmen. Der Wille, diese Krise gemeinsam zu überstehen und die konstruktiven Lösungen werden uns durch die schwierigen Zeiten bringen.

Das heißt, wir erleben einen optimistischen Geschäftsführer?

Die Lage für das Unternehmen ist durchaus ernst, aber wir haben sehr gute Ansätze und sind guter Dinge, dass wir das stemmen und meistern können. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Das Geschäft in China läuft wieder gut an. Unser Export hat ganze Arbeit geleistet und ist dabei, den chinesischen Markt wieder aufzubauen und weiterzuentwickeln.

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