und
8. Oktober 2018
Interview

„Das Risiko für Mittelständler am Pharmamarkt steigt“

Nils Ole Wolcke, Geschäftsführer bei Schaper & Brümmer

Nils Ole Wolcke. Foto: Holger Isermann

Nils Ole Wolcke. Foto: Holger Isermann

… und dann sollen die Zeichen wieder auf Wachstum stehen?

Auf jeden Fall. Wir werden in den nächsten Jahren sehr viel investieren müssen, um weiterhin Arzneimittel zur Zulassung bringen zu können.

Wie lange kann das noch gut gehen?

Das Risiko für Mittelständler am Pharmamarkt steigt. Wenn Sie überleben wollen, müssen Sie Ihre Nische finden. Wir haben unsere gefunden und in der sind wir seit 95 Jahren erfolgreich. Unser Nahziel ist, die 100 Jahre ordentlich zu feiern und so lange wie möglich alle Bereiche abzudecken – von der Entwicklung über die Analytik bis zur Herstellung selbst.

Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung der Apotheken und des Handels?

Unser Herz schlägt für die inhabergeführte Apotheke. Denn unsere Produkte kann am besten das pharmazeutische Fachpersonal in der Apotheke erklären. Dennoch bietet die Digitalisierung Chancen sowohl in der gezielten Verbraucheransprache als auch im Versandhandel.

Der deutsche Arzneimittelmarkt war 2017 41,5 Milliarden Euro schwer. Welche Rolle spielt Ihr Unternehmen?

Wir sind ein kleiner Player im OTC-Markt, das ist uns bewusst. Aber in der Nische der pflanzlichen Arzneimittel sind wir anerkannter Spezialist und einer der Großen.

Das heißt …

… man kennt uns in der Branche und schätzt unser Know-how. Unser Zulassungsleiter wird zum Beispiel häufig als Referent bei Fachveranstaltungen über Zulassungsverfahren für pflanzliche Arzneimittel
angefragt.

Wie schwer fällt es Ihnen, solche Spezialisten nach Salzgitter-Ringelheim zu locken?

Das ist eine Herausforderung. Erfreulicherweise ist es uns in der Vergangenheit immer wieder gelungen, Menschen zu gewinnen, die unsere Qualitäten zu schätzen wissen. Hier sind Sie keine Personalnummer, sondern ein Individuum und Teil einer Familie. Diese Menschen suchen wir ganz gezielt und können auch etwas bieten: spannende, bekannte und etablierte Arzneimittel. Was uns weniger gut gelingt, ist „karrieregeile Hot shots“ zu uns zu lotsen. Die Afterwork- Partys, die solche Leute suchen, finden in Ringelheim eher mit einem Bier im Grünen statt (lacht).

Man merkt, dass Sie für dieses Unternehmen brennen – tragen die anderen Mitarbeiter dieses „Schaper-&-Brümmer- Gefühl“ auch in sich?

Ich hoffe, die Mehrheit tut das. Von vielen weiß ich es. Aber man kann es nicht allen recht machen. Und im Moment haben wir durch den Verlust an Komfortzone durchaus hier und da Unzufriedenheit. Ich glaube aber, in Summe werden Sie hier überwiegend Menschen finden, die gern zur Arbeit kommen.

Wie schwer ist es, wenn man in einem Unternehmen klein angefangen hat und irgendwann an der Spitze steht?

Bis jetzt habe ich damit noch kein Problem gehabt. Mir ist bewusst, dass ich in meiner jetzigen Position deutlich mehr Verantwortung trage. Gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, dass ich versuche, so nachvollziehbar wie möglich zu erklären, warum ich etwas tue. Und ich habe den Anspruch, dass ich selbst hinter meinen Entscheidungen stehen kann.

Wo sehen Sie Grenzen?

Mein Mandat hier ist, dass ich Schaper & Brümmer als eigenständiges Unternehmen in Familienbesitz weiterführen möchte. Das ist meine Mission. Für eine andere stehe ich auch nicht zur Verfügung.

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