„Habe Mut – du bist weiter als du denkst!“

Unternehmerpreis Region 38: Zwei Preisträger lassen sich in die Karten schauen. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 31. Mai.

Ein glücklicher Gewinner und der Vorjahressieger während der Preisverleihung 2018. Foto: Holger Isermann

Kann ein Unternehmerpreis etwas verändern? Was macht einen erfolgreichen Unternehmer aus? Im Interview sprechen die Preisträger Dr. Stephan Röthele (2017) und Dr. Jochen Stöbich (2018) über Mut. Sie berichten, was der Unternehmerpreis bei ihnen bewirkt hat, und philosophieren über unternehmerische Verantwortung.

Was haben Sie in dem Moment gedacht, als Sie als Wettbewerbsgewinner auf die Bühne gerufen wurden?

Dr. Röthele: Das Denken hat in dem Moment aufgehört, und Gefühle übernahmen, die sich am besten mit einer Mischung aus Glücklichsein und Erschrecken beschreiben lassen. Glücklich über die Wertschätzung, die ich durch den Preis erfahren habe. Ein leichtes Erschrecken darüber, dass ein neues Tor aufgeht, ohne zu wissen, was sich dahinter zeigt. Zugleich spürte ich instinktiv, dass der Preis auch eine Verpflichtung für die Zukunft ist.

Dr. Stöbich: Es hat mich sehr berührt. Ich bin dankbar, dass mein Lebenswerk durch den Unternehmerpreis diese hohe Anerkennung erfahren hat. Dass Professor Asghari in seiner Laudatio unsere visionäre Kraft mit der des Silicon Valley verglichen hat, nur wesentlich sozialer, hat mir besonders gefallen.

Was fasziniert oder begeistert Sie an Ihrem Unternehmen und an Ihrer eigenen Arbeit?

Dr. Röthele: Faszination entsteht für mich, wenn etwas Neues funktioniert. Ich weiß während der Planungsphase naturgemäß nicht, ob das Ergebnis zum Erfolg führt. Die Erfahrung hat mich gelehrt, effektiv zu sein und Realitäten zu schaffen. Für jede auch noch so unbekannte Herausforderung gibt es verblüffende Lösungen. Man muss nur über die Grenzen seiner eigenen Möglichkeiten hinausgehen, jeden Tag, immer wieder, so oft wie möglich.

Dr. Stöbich: Etwas verändern, verbessern zu wollen, das macht einen wesentlichen Teil meiner Motivation aus. Ich bin mit einem kleinen Unternehmen gestartet, Gewinne wurden in neue Produkte und Märkte investiert. Bislang halten wir über 100 Patente und haben unsere Möglichkeiten immer wieder neu ausgelotet.

Was hat Sie bewogen, Unternehmer zu werden? Wie sind Sie dort hingekommen, wo Sie heute stehen?

Dr. Stöbich: Bei der Gründung 1980 und auch heute spielen Mut sowie die Leidenschaft, etwas verändern und verbessern zu wollen, für mich eine große Rolle …

Dr. Röthele: … das sind wichtige Faktoren, wie auch der feste Glaube an die eigene Idee. So wie heute war ich auch damals zuversichtlich, dass das Geld richtig investiert ist. Das nötige Quäntchen Glück und ein Zufall zum richtigen Zeitpunkt helfen natürlich auf dem Weg zum Erfolg. Am wichtigsten sind jedoch die passenden Partner und engagierten Mitarbeiter sowie der Rückhalt in der Familie.

Worin sehen Sie Ihre Verantwortung als Unternehmer, wie definieren Sie für sich Erfolg?

Dr. Stöbich: Als Unternehmer sehe ich mich sowohl meinen Kunden als auch Mitarbeitern gegenüber in der Verantwortung. Im Brandschutz geht es darum, Sicherheit zu bieten. Unser guter Ruf basiert darauf, dass unsere Produkte höchstmöglichen und effektiven Feuerschutz bieten.

Dr. Röthele: Verantwortung basiert auf Erfolg und darauf, Erfolg zu teilen. Langfristiger Erfolg setzt aus meiner Sicht voraus, Innovation nicht als einen einmaligen Vorgang zu betrachten. Wir müssen stets auf der Suche sein und erspüren, was unsere Kunden in der Zukunft benötigen werden. Es zeigt sich schon heute, dass es immer stärker darum gehen wird, die bestnötigen statt der bestmöglichen Geräte auf den Markt zu bringen.

Der Unternehmerpreis 38 würdigt bewusst die Unternehmerpersönlichkeit und nicht das Produkt. Hat sich für Sie etwas durch den Preis verändert?

Dr. Röthele: Die Bekanntheit vergrößert sich. Gefühlt steigt die Verantwortung. Ich empfinde die Verpflichtung der Firma und der Belegschaft gegenüber noch intensiver, mich den bestehenden Herausforderungen zu stellen und neue Lösungen zu finden.

Dr. Stöbich: Ein Unternehmen zu führen, erfordert Mut und Kraft. Der Unternehmerpreis honoriert und motiviert zusätzlich. Und natürlich würdigt er auch die Mitarbeiter, die stolz auf diese Anerkennung sind. Auf unserem weiteren Weg hilft er natürlich, das Unternehmen noch besser zu positionieren. Dass wir bekannter geworden sind, zeigt sich beispielsweise auch in der gestiegenen Qualität der erhaltenen
Bewerbungen.

Im September 2019 wird wieder eine Unternehmerpersönlichkeit ausgezeichnet. Was raten Sie den diesjährigen Bewerbern?

Dr. Röthele: Mit dem Wettbewerb besteht die Chance, bewertet zu werden. Zuerst habe ich gezögert, mich zu bewerben. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Unternehmen aus Clausthal-Zellerfeld in Braunschweig Erfolg haben könnte. Aber als ich vorgeschlagen wurde, packte mich doch der Ehrgeiz, nicht nur teilzunehmen, sondern auch zu reüssieren. Aus meiner Sicht kann man nur gewinnen. Mein Rat lautet daher: Habe Mut – du bist weiter, als du denkst!

Dr. Stöbich: Mut ist der Schlüsselfaktor, das sehe ich ganz genauso. Es gibt keine Verlierer, jeder der Nominierten hat Beachtliches geleistet. Man muss also nur einen kleinen Schritt machen. Ich hatte es auch erst nicht für möglich gehalten, einen Preis zu gewinnen. Jetzt bin ich begeistert darüber, diese Auszeichnung erhalten zu haben.

Dr. Stephan Röthele und Dr. Jochen Stöbich beim Interview in Clausthal-Zellerfeld. Foto: Holger Isermann

 

Sympathec GmbH

1984 gründete der Wissenschaftler Stephan Röthele gemeinsam mit dem damaligen TU-Rektor Professor Kurt Leschonski und der Rieter-Holding AG als erste Ausgründung der TU die Sympatec GmbH, wofür ihm 2005 der Ehrendoktortitel verliehen wurde. Heute ist Sympatec Technologieführer in der Partikelmesstechnik und verfügt über 150 Mitarbeiter – inklusive der mehr als 20 Außenstellen und Tochterunternehmen. Dr. Röthele erhielt zahlreiche Preise, u. a. 2011 den niedersächsischen Außenwirtschaftspreis und 2010 den niedersächsischen KulturKontakte-Preis.

Stöbich Brandschutz

Die Unternehmensgeschichte begann ähnlich wie viele Erfolgsgeschichten aus dem Silicon Valley: in einer Garage in den 1980ern. Heute beschäftigt Stöbich Brandschutz weltweit mit 13 Tochterunternehmen 945 Mitarbeiter. Darüber hinaus ist Stöbich Brandschutz mit Universitäten und Forschungsinstitutionen eng vernetzt. Mehrere Kooperationsprojekte, etwa mit der TU Braunschweig, sind daraus entstanden.

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