„Ich habe das große Glück, Freizeit verkaufen zu dürfen“ - Standort38
22. September 2020
Interview

„Ich habe das große Glück, Freizeit verkaufen zu dürfen“

Marco Pengel, Geschäftsführer von P-cncept, und Jaqueline Schilasky, Prokuristin, im Interview

Marco Pengel und Jacqueline Schilasky auf dem Gelände von P-concept. Foto: Julia-Janine Schwark.

Marco Pengel verkauft und vermietet in seinem Unter­nehmen seit 16 Jahren Reisemobile – dieses Jahr wurde P-concept als bester Caravan- und Reisemobilhändler in Niedersachsen ausgezeichnet. Wir sprachen mit ihm und Prokuristin Jacqueline Schilasky über Homeoffice-Mobile, Verreisen in Zeiten des Social Distancings und das Glück, Freizeit verkaufen zu dürfen …

Herr Pengel, Frau Schilasky, Sie beschreiben eine Reise mit dem Wohnmobil als „Kreuzfahrt auf der Straße“. Was macht den Urlaub auf vier Rädern so reizvoll?
Pengel: Der Weg ist das Ziel. Beim Wohnmobil bin ich im Gegensatz zu anderen Urlaubsformen nicht gebunden. Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei Wochen Rügen gebucht, aber es regnet. Mit dem Wohnmobil fahren Sie einfach in die Sonne. Oder Sie entdecken etwas auf dem Weg, schauen es sich an und wenn es Ihnen gefällt, bleiben Sie noch etwas.

Campen galt früher eher als einfache Art des Verreisens. Wie hat sich dieses Image in den letzten Jahren gewandelt?
Pengel: Heute gibt es das schöne Wort Glamping – Glamour Camping. Wohnmobile sind vielmehr richtige Smart Homes. Sie können dort nicht nur die Gebrauchs- und Klimadaten des Fahrzeugs einstellen, sondern zum Beispiel im Winter Ihr Mobil vorheizen. Es ist viel Luxus in die Fahrzeuge gekommen.

Was ist die ungewöhnlichste Ausstattung, die Sie bisher verkauft haben?
Schilasky: Ungewöhnlich gibt es gar nicht mehr. Dafür sind die Fahrzeuge inzwischen viel zu individuell.

Worauf legt der Kunde bei der Ausstattung heutzutage besonders Wert?
Pengel: Neben Markise, Fahrradträger und Satellitenanlage? Auf eine Solaranlage, sodass man autark stehen kann. Es gibt außerdem eine Innenraumdesinfektion mit Heißnebelverfahren. Dadurch werden Stinkstoffe aus der Luft gezogen und 99,9 Prozent der Viren entfernt.

Gibt es eigentlich noch den typischen Camper?
Schilasky: Nein, die Zeiten sind vorbei.
Pengel: Campen ist etwas für Individualreisende. In einem Reisemobil haben Sie Ihre Wohnung am See, am Meer, in den Bergen oder in einer Stadt. Die Semperoper mit dem Wohnmobil zu besuchen ist zum Beispiel toll.

Sprechen Sie aus Erfahrung?
Pengel: Ja, das habe ich schon gemacht. Sie können direkt aus Ihrer mobilen Ferienwohnung in die Oper gehen – und Ihr Smoking zerknittert nicht schon auf der Taxifahrt.

Erfreut sich das Verreisen mit dem Wohnmobil in Zeiten des Social Distancings einer wachsenden Beliebtheit?
Pengel: Ja, definitiv. Zum einen kann ich damit Menschenmassen meiden. Zum anderen muss ich nicht immer erst alles desinfizieren. Es ist eigentlich wie ein eigenes Zuhause.

Inwiefern hat sich die Covid-19-Pandemie auf Ihr Geschäft ausgewirkt?
Pengel: Der Ausfall in den ersten zwei Monaten hat uns ein kleines Einfamilienhaus gekostet. Aber der Corona-bedingte Boom in unserer Branche wird mindestens die nächsten drei Jahre und danach aus Überzeugung weiter anhalten.
Schilasky: Wir hatten ohnehin im Sommer eine Auslastung von nahezu 100 Prozent. Daraus können wir jetzt nicht 200 Prozent machen. Aber es hätte uns auf jeden Fall schlimmer treffen können.

Sie haben in der Corona-Krise außerdem einen neuen Geschäftszweig entdeckt und Wohnmobile als Homeoffice-Mobile vermietet. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Schilasky: Mein Mann und ich haben nur eine kleine Wohnung. Deshalb habe ich zu Marco gesagt, wenn ich auch im Homeoffice arbeiten muss, nehme ich ein Wohnmobil mit.
Pengel: Wir haben dann aus einer erwachsenden Angst eine Tugend gemacht. Ich selbst habe seit zwei Jahren ein Wohnmobil im Garten als Büro.

Seit 2006 ist P-concept auf dem Gelände in Lagesbüttel ansässig. Foto: P-concept.

Wie wurde dieses Angebot angenommen? Haben Sie auch externe Kunden mit mobilen Homeoffices ausgestattet?
Schilasky: Ja, wir haben zum Beispiel Energieversorger bei der Kasernierung ihrer Notfalltechniker unterstützt.

Erst kürzlich wurden Sie von der Auto Bild als einer der zehn besten Caravan- und Reisemobilhändler ausgezeichnet. In Niedersachsen sind Sie sogar auf Platz eins. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Pengel: Das ist eine wahnsinnige Anerkennung. Zumal auch Kollegen von uns mitbewertet haben. Es ist eine große Ehre für das Team, ohne das mein Geschäft nicht funktionieren könnte.

Vor 16 Jahren haben Sie sich hier in Schwülper selbstständig gemacht. Können Sie die Geschichte von P-concept kurz zusammenfassen?
Pengel: Das Ganze fing am 1. April 2004 mit PKWs bei mir unter dem Carport an. Ich hatte damals eine Doppelhaushälfte, ein Büro auf dem Dachboden und sehr tolerante Nachbarn (lacht). Aber nach vier Monaten haben meine Frau und die Nachbarn dann doch die Krise bekommen.

Und Sie sind umgezogen?
Pengel: Quasi. Ich habe ein Grundstück angemietet und nachdem das zu eng wurde, sind wir auf das heutige Gelände nach Lagesbüttel gezogen. Das verlief allerdings nicht ganz reibungslos …

Inwiefern?
Pengel: Die vermietende Firma hat Insolvenz angemeldet und ein allgemeines Pfandrecht abgegeben. Aus Angst haben wir die Fahrzeuge in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wieder auf das alte Gelände geschafft. Schließlich haben mein Vater und ich das Grundstück gekauft. 2009 kam dann Frau Schilasky dazu und wir haben uns zu 100 Prozent auf den Reisemobilbereich fokussiert.
Schilasky: Als ich hier angefangen habe, hat die Mutter von Marco die Vermietung noch mit einem kleinen Klapptischkalender und fünf verschiedenen Textmarkern organisiert. Heute haben wir rund 150 Fahrzeuge in der Vermietung. Es ist wahnsinnig zu sehen, wie sich alles entwickelt hat.

Um die Menschen nach Lagesbüttel zu ziehen und auf ihr Geschäft aufmerksam zu machen, wurden in den letzten Jahren auf dem Firmengelände regelmäßig Weinfeste veranstaltet … Foto: P-concept.

Was sind für Sie die Highlights Ihrer Arbeit?
Pengel: Für mich ist jeder Kunde, der hier reinkommt ein Highlight. Ich habe das große Glück, Freizeit verkaufen zu dürfen. Urlaub ist doch für jeden die schönste Zeit.

Sind Sie auch privat gerne mit dem Wohnmobil unterwegs?
Pengel: Ich bin nicht nur gerne unterwegs, für mich ist das wie eine Therapie. Als ich vor zwei Jahren gesundheitlich angeschlagen war, haben mich meine Frau und meine Mitarbeiter auf Reise geschickt. Ich war sechs Wochen lang unterwegs und es war eine der schönsten Zeiten überhaupt.

Was ist Ihr liebstes Reiseziel?
Pengel: Das ist Fehmarn, weil ich dem Surfsport sehr verbunden bin. Ich war mal Bundesligasurfer für den Surfklub Salzgitter. Und mein erstes Wohnmobil war die Basis meines Surfer-Daseins. Ein VW Bulli mit dem Baujahr 72 – so wie ich.

Gibt es besondere Ziele, die noch auf Ihrer Bucketlist stehen?
Pengel: Ich würde gerne einmal Skandinavien bereisen und Italien umrunden – letzteres ist der große Wunsch meiner Frau.
Schilasky: Bei mir wäre es die Toskana. Aber ohne Massentourismus und nicht auf Stellplätzen.

… mit namhaften Künstlern lockten diese bis zu 10.000 Besucher an. Foto: P-concept.

Was tun Sie, wenn Sie einmal nicht arbeiten?
Pengel: Schlafen (lacht). Ich habe es immer gehasst, wenn ein Selbstständiger sagt: „Man arbeitet selbst und ständig“. Aber ich bin rund um die Uhr am Denken und Überlegen. Beim Surfen entspanne ich mich.
Schilasky: Das bewundere ich an Marco. Es gibt niemanden, der im Kopf so schnell unterwegs ist. Diese Geschwindigkeit, Weitsicht und Innovationskraft – er ist das, was man einen Visionär nennt.

Apropos Visionär, was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Pengel: Gesundheit. Und für den Betrieb, dass wir weiterhin ein gesundes Wachstum hinlegen können. Wir überlegen einen weiteren Standort oder ein Franchisesystem als Vermieter aufzubauen.

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