23. April 2021
Personalien

Deutschlands mächtigster Arbeiterführer wird Manager

Bernd Osterloh wechselt zum 1. Mai als Personalvorstand zur Traton SE, Daniela Cavallo übernimmt

Bernd Osterloh wird 1. Personalvorstand der Traton SE. Foto: Holger Isermann.

Vergangenen Oktober im Standort38-Titelinterview hat Bernd Osterloh noch angedeutet, 2022 ein letztes Mal für den Betriebsrat kandidieren zu wollen, „wenn meine Kolleginnen und Kollegen wollen“. Ob das nicht der Fall war, er seiner Wunschnachfolgerin und Stellvertreterin Daniela Cavallo und der nächsten Generation die Chance für einen Neuanfang bei den anstehenden Wahlen geben wollte oder ihn am Ende doch das Salär und die Gestaltungsmacht eines Managers auf die „dunkle Seite der Macht“ lockte, wie er die Arbeitgeberseite selbst gern nannte, bleibt offen. Fest steht: Der 64-Jährige wechselt zum 1. Mai als Personalvorstand zur Nutzfahrzeugtochter Traton SE und wird dort für über 82.000 Mitarbeiter:innen verantwortlich sein.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in München, in dessen Aufsichtsrat Osterloh bereits seit 2019 sitzt, vereint Marken wie MAN und Scania sowie den im Oktober 2020 für 3,7 Milliarden Dollar vollständig übernommenen Truck- und Bushersteller Navistar, mit dem der Einstieg in den US-amerikanischen Nutzfahrzeugmarkt gelingen soll. „Diese Aufgabe reizt mich«, teilte Osterloh mit. »Ich will noch einmal unternehmerisch gestalten und in den nächsten Jahren ganz konkret mit meiner Arbeit im Vorstand dazu beitragen, dass die Traton SE ihren Weg zu einem ›Global Champion‹ in der Nutzfahrzeugbranche erfolgreich meistert.“

Bereits 2015 hätte Osterloh ins Management wechseln können. Das Angebot Personalvorstand der Volkswagen AG zu werden, schlug der einflussreiche Betriebsrat aber aus und lieferte sich in den Folgejahren auf der großen öffentlichen Bühne eine Dauerfehde mit VW-Chef Herbert Diess, in der er immer wieder durch seine mit Wortgewalt vertretenen Positionen auffiel. Aus dem langen Schatten des 1,90-Mannes muss Daniela Cavallo jetzt nicht mehr heraustreten. Er ist weg und die 45-Jährige bereits einstimmig zur ersten Betriebsratsvorsitzenden der Volkswagen AG gewählt. Der Generationenwechsel ist damit zugleich ein Ausrufezeichen für mehr Geschlechtergerechtigkeit beim Wolfsburger Autobauer.

 

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