19. August 2019
Portraits

Auf dem Weg zum digitalen Dienstleister

Die Werner Ditzinger GmbH vertreibt Antriebstechnik und Werkzeug – und setzt zunehmend auf automatisierte Bestellungen. „Ein Wettbewerbsvorteil“, sagt Ditzinger.

Geschäftsführer Axel Ditzinger im Lager des Großhandels. Der Mittelständler hat mehr als 650.000 Produkte aus den Bereichen Antriebstechnik und Industriebedarf im Angebot. Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Am 5. September verleihen die Wirtschaftsredaktionen der Braunschweiger Zeitung und von Standort38 zum dritten Mal gemeinsam mit der Braunschweiger Privatbank und dem Familienunternehmerverband den Unternehmerpreis für die Region 38. Mit den diesjährigen Nominierten steht zumindest eins bereits vor der Verleihung fest – der Preis geht nicht wie in den Jahren zuvor in den Harz.
Denn der Telekomunikationshersteller Christian Auerswald (Auerswald GmbH & Co. KG) sitzt in Cremlingen, aus dem nördlichen Wittingen liefert Hermann Butting mit seinem gleichnamigen Industrieunternehmen Rohre (H.Butting GmbH & Co. KG) in die Welt, der Großhändler Axel Ditzinger hat seinen Hauptsitz in Braunschweig (Werner Ditzinger GmbH) und der Reiseunternehmer Wilhelm Schmidt (Reisebüro Schmidt) agiert aus der Lessing-Stadt Wolfenbüttel heraus.
Die vier Unternehmer bilden das Quartett, das es in die Finalrunde geschafft und die leicht veränderte Jury überzeugt hat. Sie besteht aus den Initiatoren Sascha Köckeritz (Leiter der Braunschweiger Privatbank), Familienunternehmer-Vertreter Wilfried Both (Geschäftsführender Gesellschafter der AL Elektronik Distribution GmbH) und Claas Schmedtje (Geschäftsführer BZV Medienhaus) sowie den weiteren Mitgliedern:
Rolf Schnellecke (Gesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzender der Schnellecke Group), Dr. Bernd Meier (ehemaliger Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Braunschweig), Prof. Dr. Simone Kauffeld (Vizepräsidentin der TU Braunschweig), Aline Wandt (Geschäftsführerin Wandt Spedition Transportberatung Gmbh) und Richard Borek jun. (Geschäftsführer Unternehmensgruppe Richard Borek).
Alle weiteren Informationen, Fotos und Videos des vergangenen Wettbewerbs sowie das Bewerbungsformular finden Sie unter www.unternehmerpreis38.de.

Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich der Großhändler Ditzinger nach eigenen Angaben mit der Digitalisierung von Bestellabläufen und Prozessen. Ordert ein Kunde ein Produkt, soll das für ihn so wenig Aufwand wie möglich bedeuten – etwa, indem er eine Schnittstellenanbindung zwischen seinem Beschaffungssystem und dem Warenwirtschaftssystem von Ditzinger nutzt. „Ein Maschinenbauer ist ein Maschinenbauer. Dass er Teile bestellt, ist für ihn nur ein Mittel zum Zweck“, sagt Axel Ditzinger, Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter des Großhändlers. Ein nerviges Mittel, soll das heißen. Die digitalisierte Beschaffung spart Zeit, aber auch Kosten – je automatisierter, desto weniger Mitarbeiter braucht man dafür. „Unseren Kunden geht es um die Optimierung der Prozesskosten, die Anforderungen werden größer“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir sind da sehr weit. Es gibt keine Anforderung, die wir nicht erfüllen können“, ist Ditzinger überzeugt. Für ihn ist das ein „klarer Wettbewerbsvorteil“.

Firmengründer Ditzinger schwamm Wettrennen gegen Bud Spencer

Der Großhändler verkauft von der Schraube über Fördertechnik bis hin zum Wälzlager mehr als 650.000 Produkte aus den Bereichen Antriebstechnik und Industriebedarf. Kunden des Braunschweiger Unternehmens sind unter anderem Handwerksbetriebe, Zulieferer und Stahl- und Automobilhersteller. An sieben Standorten, einer davon in Polen, beschäftigt Ditzinger 105 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon am Hauptsitz in Braunschweig. Hier wie auch in Nordhausen und Wernigerode betreibt Ditzinger auch jeweils Shops.

Gegründet wurde das Unternehmen 1958 von seinem Schwiegervater Werner Ditzinger, der bis dahin achtmal deutscher Meister im Schwimmen wurde und sogar einmal gegen den späteren Schauspieler Bud Spencer antrat – der gewann als Carlo Pedersoli vor seiner Filmkarriere zehn Jahre in Folge die italienische Schwimmmeisterschaft. „Die Popularität hat ihm sehr geholfen“, sagt Ditzinger. Sein Schwiegervater eröffnete zunächst einen Einzelhandel in der Innenstadt und baute es später zu einem Großhandel aus. Axel Ditzinger stieg 1993 in das Unternehmen ein, 1997 wurde er Geschäftsführer. Ende der 1990er Jahre holte er dann Jan Scherreiks und Jörg-Eberhard Schmidt mit dazu, die heute die Geschäftsführung für den Vertrieb jeweils im Außen- und Innendienst verantworten. „Wir treten auf wie die drei Musketiere“, sagt der 54-Jährige und lacht. „Alle für einen, einer für alle.“ Er beschreibt den Umgang im Unternehmen als entspannt, seine Tür stünde Mitarbeitern immer offen. „Wir sitzen alle in einem Boot. Wenn alle sich miteinbringen, ist es der Sache nur dienlich.“

Zeitzeugen – 1952
In den Nachkriegsjahren war der Braunschweiger Werner Ditzinger der schnellste Freistil-Schwimmer Deutschlands. Archivfoto: Max Schirner

„Viele Händler werden in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden“

Während der Großhändler im vergangenen Jahr ein Vertriebsbüro in Hannover schloss – wegen der Nähe zu Braunschweig entschied sich die Geschäftsführung gegen notwendige Investitionen und integrierte die Mitarbeiter in Braunschweig – übernahm das Unternehmen Anfang dieses Jahres einen Technik-Händler in Zella-Mehlis im südlichen Thüringen. Axel Ditzinger geht davon aus, dass sich die Branche in den kommenden Jahren weiter konsolidieren wird. „Händler mit einem Umsatz von 2 bis 5 Millionen Euro werden vom Markt leider verschwinden, weil sie den digitalen Anforderungen nicht mehr gerecht werden können“, sagt er.

Ditzinger hat derzeit rund 5000 kaufende Kunden und verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 28 Millionen Euro, im laufenden Geschäftsjahr soll die 30-Millionen-Euro-Grenze geknackt werden. In die Digitalisierung hat der Händler nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren viel investiert, zuletzt im sechsstelligen Bereich in einen Server. Warenkataloge für Kunden bietet der Großhändler aber immer noch in Papierform an – neben elektronischen Ausgaben. „Trotz allen technologischen Anspruch sind wir immer noch Menschen geblieben und leben von Emotionen und Orientierung“, begründet Ditzinger.

Der 54-Jährige Chef denkt noch nicht ans Aufhören – Sohn steht aber für Nachfolge bereit

Er selbst sieht sein Unternehmertum „nicht als Arbeit“. „Es ist eine Riesenchance Dinge, bewegen zu können“, sagt Ditzinger. Im März dieses Jahres wurde der Eintracht-Braunschweig-Fan im Deutschen Bundestag berufen, ein bundesweiter Verein mit Sitz in Berlin, der unter anderem Politiker berät und nach eigenen Angaben eine ökologische und soziale Marktwirtschaft fördern will. „Ich will mich da aktiv einbringen“, sagt Ditzinger. Obwohl er sich auch schon mit der Unternehmensnachfolge auseinandersetzt – „der ältere Sohn scharrt schon mit den Füßen“ – möchte er noch nicht ans Aufhören denken. Erst 2018 feierte die von ihm ins Leben gerufene Fachmesse „Ditec“ in der Braunschweiger Volkswagen-Halle zehnjähriges Bestehen, als nächstes Projekt steht der Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Lagerhalle an. Zehn Jahre will er mindestens noch geschäftsführend im Unternehmen bleiben. „Vielleicht gründen wir ja auch noch eine neue Filiale“, sagt er.

 

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