Banken und Versicherungen sind mittlerweile die Guten (3/4) - Standort38
und
28. Juni 2015
Portraits

Banken und Versicherungen sind mittlerweile die Guten (3/4)

Dr. Stefan Hanekopf, seit Anfang des Jahres neues Mitglied im Vorstand der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, im Interview

"Die Basis wurde mir in die Wiege gelegt." Hanekopfs Eltern waren beide Versicherungskaufleute. (Foto: Holger Isermann)


Auf der Bilanzpressekonferenz hat der Vorstand einträchtig ein gutes Jahr für die Öffentliche verkündet. War es denn auch ein gutes Jahr für Ihre Versicherten?

Für Kunden fälliger Lebensversicherungen mit Ablaufrenditen von bis zu 4,7 Prozent auf jeden Fall. Und auch die Versicherten der Öffentlichen Sachversicherung können zufrieden sein: Es wird für sie vereinfacht gerechnet allein schon deswegen ein gutes Jahr gewesen sein, weil wir pro 100 Euro, die wir an Beiträgen eingenommen haben, mehr als 100 Euro für Kosten und Schäden ausgegeben haben. Außerdem fließen unsere Schadenleistungen im Wesentlichen hier in die Region zurück. Davon profitiert nicht nur der Endkunde, sondern es profitieren natürlich auch die mittelständischen Unternehmen, die Handwerker und die Werkstätten im Geschäftsgebiet.


Im Sinne der Wirtschaftlichkeit dürfte es für Versicherungen das Ziel sein, Zahlungen im Schadenfall zu vermeiden. Dassteht aber quer zum Interesse der Versicherten. Sehen Sie hier ein Dilemma?

Nein, ganz im Gegenteil: Wir sind dafür da, im Schadenfall Leistungen zu tätigen. Das ist unsere originäre Aufgabe und funktioniert nur über einen Risikoausgleich über die Zeit und das Kollektiv, also der Menschen, die bei uns Kunden sind: Den Einen erwischt es nächstes Jahr, den Anderen in zehn Jahren und den Nächsten vielleicht gar nicht. Wir leisten also gern, müssen jedoch gleichzeitig im Sinne der Versichertengemeinschaft darauf achten, dass nur berechtigte Ansprüche ausgeglichen werden und unberechtigte Forderungen abgewiesen werden.


Kritiker sagen, dass Versicherungen ihr Geschäft mit der Angst der Menschen machen. Was würden Sie entgegnen?

Das ist die negative Ausdrucksweise, die positive lautet: Wir schaffen Sicherheit. Und wir ermöglichen Innovationen in Unternehmen und Aktivitäten bei Privatpersonen. Würden Sie sich „Downhill“ mit 70 Kilometern pro Stunde auf einem Mountainbike die Alpen herunter stürzen, wenn Sie eine Familie, aber keinen Schutz gegen Berufsunfähigkeit, Tod oder schwere Verletzungen hätten? Erst dadurch, dass es Versicherungsschutz gibt, können wir alle unsere individuellen Aktivitäten ausprägen.


Wie stellen Sie sicher, dass den Kunden keine Versicherungen verkauft werden, die unpassend sind, aber hohe Margen versprechen?

Zum Beispiel dadurch, dass wir sehr viel in die Aus- und Weiterbildung unserer Vertriebspartner investieren. Wir schulen regelmäßig und das gibt uns ein sehr gutes Gefühl, was die Beratung vor Ort anbelangt. Und wir können Fakten sprechen lassen: Als einer der Ersten hat die Öffentliche im April 2015 die Prüfung zur Einhaltung des „Verhaltenskodexes für den Vertrieb von Versicherungsprodukten“ bestanden. Dabei steht immer das Kundenbedürfnis im Mittelpunkt der Beratung. Wir haben uns also zusätzlichen Verhaltensregeln unterworfen, um den hohen Qualitätsanforderungen an den Versicherungsvertrieb vorausschauend zu begegnen und das Bewusstsein für die Interessen der Verbraucher weiter zu schärfen.


Es gibt Vertriebsmodelle, bei denen Leute per Schneeballsystem geworben und in Wochenendkursen geschult werden, um dann auf ihre Verwanden und Freunde losgelassen zu werden. Fällt dieses Image auf die gesamte Branche zurück?

Es gab diese Geschäftsmodelle und damit die berühmten schwarzen Scharfe in der Vergangenheit. Nun sind nicht nur wir dabei, unsere Qualitätsmerkmale deutlich zu erhöhen, auch andere Gesellschaften ziehen nach. Unter dem Druck und der Beobachtung der Medien, der Politik und der Aufsicht hat die Versicherungswirtschaft so viel Regulierung erlebt, dass ich manchmal schon Bauchschmerzen habe, ob es nicht zu viel des Guten ist. Nach meiner Einschätzung sind Banken, Investmentfonds und Versicherungen mittlerweile die Guten, wohingegen es andere Branchen gibt, in denen kritischen Geschäftsgebaren kein Einhalt geboten wird, obwohl da viel mehr im Argen liegt.


Welchen Anteil an Ihrem Vertriebserfolg hat das Regionalgefühl, das Sie bei den Versicherten ansprechen?

Dazu habe ich eine persönliche Erfahrung gemacht: Als ich 1999 von Göttingen nach Braunschweig gezogen bin, habe ich mir einen neuen Fußballverein gesucht. Wir wohnten am Prinzenpark und ich bin zu den Freien Turnern gegangen. Abends standen wir dann nach dem ersten Training in der Vereinskneipe und ich wurde gefragt, was ich beruflich machen würde. Damals hatte ich schon ein wenig die Befürchtung, dass kritische Stimmen aufkommen, da Versicherungen ja nicht immer den besten Ruf genießen, aber das Gegenteil war der Fall: „Das ist ein toller Laden, wir sind auch Kunden. Unsere Eltern und Großeltern waren auch schon Mitglied.“ Es gibt also eine unglaublich starke und positive Verbindung der Menschen in der Region mit der Öffentlichen. Das hilft uns natürlich auch im Vertrieb.

 

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„Banken und Versicherungen sind mittlerweile die Guten“ – Dr. Stefan Hanekopf, seit Anfang des Jahres neues Mitglied im Vorstand der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, im Interview (4/4)

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