Banken und Versicherungen sind mittlerweile die Guten (4/4) - Standort38
und
28. Juni 2015
Portraits

Banken und Versicherungen sind mittlerweile die Guten (4/4)

Dr. Stefan Hanekopf, seit Anfang des Jahres neues Mitglied im Vorstand der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, im Interview

Das Dreiergespann an der Spitze der Öffentlichen: Stefan Hanekopf, Michael Doering und Knud Maywald. (Fotos: Holger Isermann)


Können Sie Ihr Unternehmen mit wenigen Worten beschreiben?

Wir sind nicht der langweilige, konservative Versicherer für alte Menschen, sondern haben uns nach meinem Eindruck sehr stark in Richtung eines hochmodernen Finanzdienstleistungsunternehmens für alle Kundengenerationen entwickelt.


Wie sehr hängt der Erfolg der Öffentlichen eigentlich mit dem Wachstum und Erfolg der Region zusammen?

Es gibt ja durchaus Thesen, die besagen: Wenn es VW gut geht, dann geht es der Region und auch der Öffentlichen gut. Das würde ich so nicht unterschreiben. Ich bin seit zwei Jahren Mitglied im Industrieclub Braunschweig. Zusammen mit über 100 Menschen aus der Wirtschaft besichtigen wir alle vier Wochen mittelständische Unternehmen. Hier merkt man immer wieder, wie ausgeprägt der Mittelstand in unserem Geschäftsgebiet ist. Er ist die eigentliche Stärke der Region. Wir haben hier ganz hervorragende Voraussetzungen für Wachstum …


…an dem Sie als Versicherung auch partizipieren?

Ja, nicht umsonst haben wir einen Neugeschäftsanteil im Geschäftsgebiet bei Lebens- und Rentenversicherungen in 2014 von über 40 Prozent. Auch in Kraftfahrt liegt unser Marktanteil bei über 40 Prozent, in Wohngebäude noch deutlich höher. Dennoch spüren wir den regionalen Wettbewerb in den Produkten und bei den Fachkräften: Viele Menschen, die bei VW arbeiten und dort ein Fahrzeug leasen, erhalten im Paket gleich noch den Versicherungsschutz hinzu. Wir kommen dann erst im Zweitmarkt zum Zuge. Die Volkswagen Financial Services AG hat mittlerweile mehrere Tausend Mitarbeiter an der Gifhorner Straße. Junge Menschen, die wir ausbilden oder die bei uns arbeiten, haben damit einen weiteren durchaus sehr interessanten Arbeitgeber gleich in der Nähe. Da müssen wir natürlich aufpassen und uns richtig positionieren, damit die besten Kräfte zu uns kommen und hochmotiviert bei uns bleiben. Dazu trägt dann sicherlich bei, dass bei der Öffentlichen vielfältige Aufgabengebiete warten und Karrieren vom Sachbearbeiter bis zum Vorstand möglich sind.


Die Volksbank BraWo hat mit dem Haus der Versicherungen gerade einen neuen Anlaufpunkt für die Menschen in der Region geschaffen wie bewerten Sie die regionale Konkurrenz?

Ich möchte grundsätzlich keine Aussagen zu den Qualitäten unserer Wettbewerber treffen, auch wenn das in der Vergangenheit leider des Öfteren von anderer Seite geschehen ist. Was ich gern bewerten möchte, sind unsere Chancen als Öffentliche in unserem regionalen Markt. Auf unserer Stärke beruhend werden wir mit noch mehr Service und Kundenorientierung in der Zukunft deutlich gegenüber unseren Wettbewerbern punkten. Wir haben die passenden Instrumente, um erfolgreich den Herausforderungen aus der demographische Entwicklung und der Digitalisierung zu begegnen.


Sie stehen der Konkurrenz also gelassen gegenüber?

Gelassen ist der falsche Ausdruck. Das wäre auch sicherlich nicht richtig, aber ich glaube schon, dass wir eine hervorragende Ausgangsposition haben. Wir sind mit der regionalen Ausrichtung, den festen Trägerstrukturen, dem hohen Eigenkapital, der Gemeinwohlorientierung, den sehr hohen Marktanteilen, der zukunftsweisenden IT, dem erfolgreichen Anlagemanagement und vielen weiteren Attributen in einer Position der Stärke und aus dieser lässt es sich sehr gut agieren.


Woher kommt Ihre Faszination für das Thema Versicherungen?

Die Basis wurde mir in die Wiege gelegt. Meine Eltern waren beide Versicherungskaufleute. Ich konnte mir diesen Weg für mich selbst lange nicht vorstellen, aber dann ist es doch passiert. Genauso, wie ich in meinen Geburtsort zurückgezogen bin, obwohl es mir mehr als 15 Jahre abwegig vorkam, wieder in einem kleinen 1.700- Seelen-Dorf zu wohnen. Ich fühle mich heute bei meiner Familie, neben Vater, Schwester und vielen guten Freunden, pudelwohl.


Die Versicherungsbranche gilt als bieder. Würden Sie sagen, dass dieses Vorurteil auch auf Sie persönlich zutrifft?

Wenn Sie meine drei Söhne, die 9, 12 und 15 Jahre alt sind, fragen, würden sie sagen: Papa ist konservativ, ja! Hier stimmen Fremdbild und Selbstbild allerdings nicht überein (lächelt).

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