Der Schreibtisch von Axel Schliephake - Standort38
20. Juni 2017
Portraits

Der Schreibtisch von Axel Schliephake

Geschäftsführer Schliephake Bestattungen

Axel Schliephake und Cedrik Schwarzer. Foto: Kristina Künnemeyer

„Die meisten Menschen befassen sich erst mit dem Thema Bestattung, wenn es akut ansteht. Es wird stigmatisiert, dabei ist es so wichtig“, findet Axel Schliephake, der das Unternehmen für seine Frau Tanja Schliephake zusammen mit Cedrik Schwarzer in Schöningen und Esbeck leitet. Bestatter zu werden, das war nicht von Beginn an der Wunsch des gebürtigen Schöningers, der gelernter Heizungsbauer und Einzelhandelskaufmann ist. „Irgendwann habe ich dann das Bistro-SchöBi eröffnet. Es war eine schöne Zeit. Als ich dann meiner heutigen Frau begegnete, lernte ich auch das Bestattungsunternehmen ihrer Eltern kennen. Wir heirateten und ich absolvierte die Bestatterprüfung. Berührungsängste hatte ich von Beginn an kaum, da mich die Branche schon immer interessierte.“ Den Familienbetrieb, den es seit 1865 gibt, leitet Axel Schliephake seit 15 Jahren mit. „Ich war einer der ersten Fachbestatter des Bezirks Braunschweig. Das bedeutet, dass wir auch eine Pathologieabteilung haben und ausbilden können.“ Fünf Festangestellte, davon zwei in Vollzeit, unterstützen seine Arbeit.

Angefangen als reine Tischlerei, differenzierte sich das Traditionsunternehmen immer weiter aus. So gibt es zwei Dependancen mit Grabsteinen in Schöningen, die Buchhaltung mit Sitz in Watenstedt und in Esbeck findet man eine Trauerhalle und ein Café auf 500 Quadratmetern. Für mehr Ausstellungsfläche, zieht man innerhalb Schöningen gerade in Innenstadtnähe. Einmal im Monat wird in Esbeck ein Café ausgerichtet, ein Nachmittag, an dem Trauernde und Interessierte zusammenkommen und sich austauschen. Auch Schulklassen der Grundschule in Schöningen bietet der Bestatter regelmäßig einen Einblick, zeigt ihnen den Betrieb und beantwortet ihre Fragen.

Wie hat sich die Branche gewandelt? „Viele Menschen möchten inzwischen kremiert werden. Mittlerweile gibt es auch kleinformatige Urnen, um einen kleinen Teil der Asche symbolisch Zuhause hinzustellen. Manche wünschen auch Diamanten, die aus der Asche hergestellt werden. Aber allem voran die Naturbestattung nimmt stark zu. Wir bieten auch die Aufzucht eines Baumes mit der Asche an, sodass die Hinterbliebenen nach neun Monaten den ‚Tree of life‘ bei uns abholen können.“ Schliephake bietet optional auch das Onlinegedenkportal an. Dort kann man mit einem Zugangscode dem Verstorbenen gedenken, Fotos und Videos hochladen und Trauernde können ihre Gedanken austauschen.

Später einmal soll Cedrik Schwarzer, Schliephakes ehemaliger Auszubildender und heutiger Mitarbeiter, das Unternehmen weiterführen. Man ist eine Familie, frühstückt zusammen und verarbeitet Erlebtes im Team. Der Inhaber ist sich sicher, es gehört eine gewisse Härte dazu, den Beruf des Bestatters auszuüben, aber eben auch Empathie und Raum für Trauer. „Es gibt Fälle, die lassen einen niemals los“, stellt er sichtlich bewegt fest. „In meiner Freizeit ist mir Abstand und die Zeit mit meiner Familie am allerwichtigsten. Ich lebe meinen Beruf, aber das funktioniert wirklich nur mit einem so tollen Team, wie ich es habe.“

Der Fachbestatter, der auch Leichname präparieren darf, und sein Mitarbeiter, halten auch Trauerreden. „Viele möchten heutzutage nicht mehr vom Pastor beigesetzt werden, weil ihnen der Bezug zur Kirche fehlt. Dann sind wir da.“ Beide legen großen Wert darauf, den Menschen zu skizzieren und neben Positivem auch Schwächen zu erwähnen, um einen authentischen, liebe- und respektvollen Rückblick auf ein Leben zu geben, das zu Ende ist.

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