Der Schreibtisch von Florian Battermann

Leiter der Komödie Braunschweig, Autor und Schauspieler

Foto: Stephanie Link

Bevor er morgens in den Kindergarten kam, hatte er schon das Spiel des Tages beschlossen. Kam er mit dem Zylinder seines Großvaters, wussten alle, er war heute Zirkusdirektor. Kam er mit Arztkoffer, wurde Krankenhaus gespielt und er war Chefarzt. „Ich war immer Chef“, sagt Florian Battermann, heute 44 Jahre alt und seit 2003 Leiter der Komödie am Altstadtmarkt in Braunschweig.

Seine Passion fürs Theater beginnt bereits in der Schulzeit – mit Gesangsunterricht und einem Theater-Abonnement seit der
8. Klasse. Die Familie steht ihm schon damals zur Seite und unterstützt ihn, wo es geht. In seiner Heimat Hannover studiert Battermann bis 1999 Germanistik und Geschichte, macht parallel eine Schauspielausbildung und sammelt Erfahrungen als Regieassistent. Für ihn ist klar: „Ich will immer Theater machen und ich wollte immer Theater machen.“

Theaterleiter ist ein Beruf, für den es keinen geraden Ausbildungsweg gibt. Glücklicherweise bekommt er nach dem Studium einen Job als stellvertretender Theaterleiter in Bonn und lernt dort, wie ein Schauspielhaus funktioniert. Zusammen mit seiner damaligen Frau erfüllt sich der Hannoveraner 2003 seinen Traum und eröffnet die Komödie am Altstadtmarkt, weil Braunschweig noch kein Komödientheater besitzt und ihn – gerade aufgrund seines Geschichtsstudiums – die Altstadt reizt. Die Besucherzahlen steigen stetig, im letzten Jahr besuchten insgesamt 60.000 Zuschauer die Vorstellungen.

„Das Theater braucht jeden Tag unsere komplette Aufmerksamkeit und Fürsorge“, so der Geschäftsführer. Für diesen Job müsse man schon besessen sein, ergänzt er. Battermann ist sich sicher: Mit dem Theaterspielen kann man zwar die Welt nicht verbessern, aber es kann – genau wie ein schönes Bild an der Wohnzimmerwand – erbauen.

Sein 12-jähriger Sohn wird ihn irgendwann nicht mehr brauchen, das Theater hingegen nimmt den Geschäftsführer Tag für Tag komplett ein. „Ich habe natürlich keine normale Familie, ich habe auch kein normales Familienleben, sondern ich habe Theater“, erzählt Battermann. Sich das einzugestehen habe einige Zeit gedauert. „Inzwischen ist meine Theaterfamilie mehr Familie als meine eigentliche.“ Die Komödie besitzt übrigens kein festes Ensemble, sondern macht Stückverträge mit den Schauspielern – viele kommen aber immer wieder oder nehmen an mehreren Produktionen teil. Die Gruppe tritt nicht nur in Braunschweig auf, sondern deutschlandweit.

Neben der Leitung der Komödie schreibt Battermann als Autor auch eigene Stücke – letztes Jahr war er mit seinen Inszenierungen unter den zehn meistgespielten Autoren Deutschlands. Besonders großen Erfolg hatte er mit seiner Inszenierung von „Honig im Kopf“. Darauf, diese Position beizubehalten, legt er aber nicht allzu großen Wert: „Nächstes Jahr bin ich vielleicht auf Platz 15 oder 16 und an meinem Leben wird sich nichts ändern, das ist mir nicht so wichtig. Aber natürlich schreibe ich Stücke, damit sie gespielt werden.“

Auch in schwierigen Phasen behält Battermann einen kühlen Kopf – wenn ein Stück mal nicht gut ankäme oder es Probleme mit Mitarbeiten gäbe, mache ihm das zwar keinen Spaß, aber irgendwie könne er das immer meistern. Denn die Idee, dass der Kapitän das Schiff als Letzter verlässt und es bei gutem und schlechtem Wetter durch die See steuert, fand Battermann schon als Kind toll.

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