Der Schreibtisch von Stefan Griesemann - Standort38
12. Dezember 2016
Portraits

Der Schreibtisch von Stefan Griesemann

Geschäftsführer der Thieme GmbH & Co KG in Wolfsburg

Stefan Griesemann an seinem Schreibtisch. Foto: Kristina Künnemeyer

Einst glühten hier nur Funken an großdimensionierten Kupferrohren, heute verfügt die Thieme GmbH & Co KG über zusätzliche Strahlkraft durch ihr Knowhow in Sachen digitalisierte Industrie- und Gebäudetechnik. Die im Jahr 1898 von Robert Thieme gegründete Kupferschmiede wurde ein erfolgreiches Unternehmen mit 118-jähriger Historie. Beachtlich, bedenkt man, dass laut einer Studie der Wirtschaftswoche von 2013 im Bundesdurchschnitt weniger als zwei Prozent aller Unternehmen hundert Jahre oder älter werden.

Bereits während der Industrialisierung beschäftigte der Betrieb 120 Mitarbeiter. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg und die Enteignung 1948, infolgedessen der Firmensitz von Aschersleben nach Wolfsburg verlegt und 1953 wieder aufgebaut wurde. „Als Überlebensgeheimnis sehe ich vor allem den Mut eines jeden Geschäftsführers von Thieme. Zudem die motivierten Mitarbeiter, die auch in bangen Zeiten immer für Thieme einstanden“, erklärt Geschäftsführer Stefan Griesemann. Nach seiner Tätigkeit als Finanzchef bei den Stadtwerken Wolfsburg ist er seit 2011 Teil der Geschäftsführung und verantwortet den kaufmännischen Bereich; Dipl.-Ing. Reinhard Klauenberg hat die technische Leitung inne. Seit 2001 ist das Unternehmen in den Verbund der Stadtwerke Wolfsburg AG eingegliedert. Heute sind etwa 120 Mitarbeiter in Wolfsburg beschäftigt und als größter Anbieter für Gebäudetechnik im Großraum Wolfsburg-Braunschweig-Hannover widmet man sich neben Industrieaufträgen auch Privatkunden-Projekten und dem Wohnungsbau von Mehrfamilienhäusern oder Quartiers.


Kupferrohrschlangensystem – Foto aus der Unternehmenschronik 1916-1941. Foto: Kristina Krijom
„Die technische Gebäudeausstattung, die wir mit den Architekturbüros und den Investoren planen, wird immer wichtiger. Sie umfasst weit mehr als noch zehn Jahre zuvor; so agieren wir heute etwa in den Bereichen Smart Home, Automatisierung und Smart City.“ Jüngste Großprojekte sind das Steigenberger Parkhotel in Braunschweig, das neue Bürogebäude von Volkswagen Financial Services, der MobileLifeCampus in Wolfsburg oder aktuell das Marriott Hotel. „Beispielsweise führen wir bei Volkswagen oder Ikea Braunschweig die Gewerke Lüftung, Kälte, Sanitär und Heizung aus. Das Gleiche machen wir aber auch im privaten Wohnungsbau.“ Dabei arbeitet man in Wolfsburg neben den klassischen 2D- auch mit 3D-Modellen und Software, die es jedem Projektbeteiligten ermöglicht, die Entwicklung des Projektes und den aktuellen Stand abzurufen sowie Building Information Modeling (BIM), einem Programm zur Gebäudedatenmodellierung. „Derlei Großprojekte sind aufgrund der beteiligten Firmen eine koordinatorische Herausforderung mit permanenter Abstimmung, die umso stolzer machen, hat man sie dann bewältigt.“ Das bisher größte Projekt: Volkswagens ITV-City in Kästorf, in der ab Januar 2017 1.500 Beschäftigte, darunter 80 Digitalisierungs-Experten um Digitalchef Johann Jungwirth, Platz finden. „Wir waren zeitweise mit 50 Mitarbeitern vor Ort“, erinnert sich der Geschäftsführer.

Bei Thieme schätzt man die Möglichkeit, Innovationen liefern zu können – so bietet das Unternehmen derzeit z. B. auf ihrer Website den einzigen Badkalkulator in Deutschland, der ein Ergebnis samt Kosten anzeigt. Die Umsatzerwartungen für dieses Jahr liegen bei vierzehn Millionen. „Wir würden gerne noch mehr Kooperationen oder auch die Vergabe von Forschungsaufträgen zu Themen wie Smart Home forcieren. Auch am Bereich Smart City möchten wir stärker partizipieren, das Einzugsgebiet erweitern und unseren Mitarbeitern ihre Beschäftigung stets garantieren.“ Ist der gebürtige Wolfsburger gerade nicht für Großaufträge unterwegs oder arbeitet in seinem Büro unter den Kunstwerken seiner Kinder, ist er mit Frau und Kindern auf Reisen. An seiner Heimatstadt schätzt er die Übersichtlichkeit, das kulturelle Angebot und das Netzwerken. „Man tickt in der Region ein bisschen anders und es ist ein angenehmes Arbeiten. Ich wünsche mir, dass die Region, vor allem Wolfsburg und Braunschweig, enger zusammenwachsen.“

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